Heikle Corona-Lage

Krankenhausgesellschaft warnt: „Laufen in die Katastrophenmedizin“

Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft warnt davor, dass sich Corona-Lage in den Kliniken weiter zuspitzt. Die Ampel-Koalition setzt indes auf einen Krisenstab, der von einem Generalmajor geleitet werden soll.

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In großer Sorge um die Lage in den Kliniken: DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß.

In großer Sorge um die Lage in den Kliniken: DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß.

© www.Schoelzel.net

Berlin. Ein düsteres Bild der Corona-Lage in den Krankenhäusern hat der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft Dr. Gerald Gaß gezeichnet. „Wir laufen langsam aber sicher in eine Katastrophenmedizin hinein“, sagte Gaß am Montagmorgen im Deutschlandfunk. Die stark betroffenen Bundesländer Bayern, Sachsen und Thüringen seien bereits nahe dran.

Es werde in Summe zu hunderten Verlegungen von Corona-Patienten innerhalb Deutschlands und möglicherweise auch ins Ausland kommen. Es würden zudem zunehmend Menschen vor der Zeit von Intensiv- auf Normalstationen zurückverlegt, sagte Gaß. Das sei bereits eine Art von Triage. Ähnlich hatte sich zuvor auch der Gesundheitspolitiker und Notarzt Janosch Dahmen von Bündnis90/Die Grünen geäußert.

Rückgang der Infektionen zwingend erforderlich

Um die Krankenhäuser zu entlasten sei ein Rückgang der Infektionszahlen zwingend erforderlich, forderte Gaß. Er sei sehr unzufrieden damit, wie die Länder mit ihren eigenen Ampelsystemen umgingen. „Ich bin erstaunt darüber, dass es nicht längst zu konsequenten 2G-Regelungen beziehungsweise Lockdown-Maßnahmen in den Ländern gekommen ist“, sagte Gaß. Er wandte sich aber gegen einen bundesweiten Lockdown.

Der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) hat unterdessen vom Bundestag gefordert, die epidemische Notlage von nationaler Tragweite wieder auszurufen. Die Notlage ist erst am 25. November ausgelaufen. 70 bis 90 Prozent der öffentlichen Kontakte müssten verhindert werden, sagte Lucha.

General soll Krisenstab leiten

Vertreter der künftigen Ampel-Regierung hatten bereits in den vergangenen Wochen angemerkt, dass der Instrumentenkasten des von der Mehrheit der künftigen Regierungsparteien geänderten Infektionsschutzgesetzes den Ländern ausreichend Möglichkeiten bis hin zu regionalen Lockdowns biete, gegen die Ausbreitung von COVD-Infektionen vorzugehen. In den Ländern wird dies anders gesehen. Ihre Möglichkeiten würden eingeschränkt.

Die neue Koalition setzt unterdessen auf einen Krisenstab. Der soll von dem Generalmajor Carsten Breuer geleitet werden, wie verschiedene Medien berichten. Der 56-Jährige koordiniert bereits seit dem vergangenen Jahr die Einsätze der Bundeswehr in der Corona-Pandemie. Bundeswehrsoldaten haben bereits in Gesundheitsämtern bei der Nachverfolgung von Infektionsketten ausgeholfen. Auch in den Impfzentren war die Truppe im Einsatz.

Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken twitterte, der mit dem Koalitionsvertrag angekündigte Krisenstab am Kanzleramt solle „in Kürze“ seine Arbeit aufnehmen. Am Wochenende hatte auch die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel an dieser Stelle der voraussichtlichen künftigen Ampel-Regierung Kooperationsbereitschaft signalisiert.

Debatte um Impfpflicht hält an

Vertreter der Freien Wohlfahrtsverbände sprachen sich unterdessen für eine allgemeine Corona-Impfpflicht aus. Man komme wohl kurz oder lang nicht um diesen Schritt umhin, sagte der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände (BAGFW), Ulrich Lilie, am Montag in Berlin. Es müsse jetzt alles getan werden, um vor die vierte Welle zu kommen.

BAGFW-Vizepräsidentin Gerda Hasselfeldt betonte, zugleich müssten auch verstärkt die Menschen überzeugt werden, die sich noch nicht gegen COVID-19 geimpft hätten. Es gehe beim Impfen nicht bloß um persönliche Verantwortung, sondern auch um Verantwortung „für die gesamte Gesellschaft“, so Hasselfeldt. (af/hom)

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