COVID-19-Pandemie

Spahn warnt vor überzogenen Erwartungen beim Corona-Impfen

Der Gesundheitsminister geht von „deutlich mehr“ Corona-Impfungen ab April aus. Zugleich warnt er vor falschem Erwartungsmanagement bevor der genaue Impfstart in Arztpraxen bekanntgegeben wurde.

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Hausärztin Birgitt Lucas verabreicht in Naila einer Patientin Heidi die erste Impfung gegen COVID-19.

Hausärztin Birgitt Lucas verabreicht in Naila einer Patientin Heidi die erste Impfung gegen COVID-19. Stadt und Landkreis Hof (Bayern) möchten im Rahmen eines Pilotprojektes schon jetzt Corona-Impfungen durch Hausarztpraxen erproben.

© Nicolas Armer/dpa

Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erwartet ab April „deutlich mehr“ Impfungen gegen Corona. Dann stiegen auch Haus- und Fachärzte „sehr breit“ ein, sagte Spahn am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin. Er habe „sehr hohes Vertrauen“ in die Ärzte, dass sie zuerst diejenigen Patienten impften, „die auch am meisten gefährdet sind“, betonte Spahn. In einem nächsten Schritt sollten Betriebsärzte in Unternehmen impfen.

Letztere drängen auf eine stärkere Rolle beim Impfen. Die bundesweit rund 12.000 Werksmediziner könnten „pro Monat etwa fünf Millionen Beschäftigte impfen“, sagte die Vize-Präsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Dr. Anette Wahl-Wachendorf, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Betriebsärzte wollen ins Corona-Impfen einsteigen

Im Unterschied zu Hausärzten, die sich auch um akute Krankheitsfälle kümmern müssten, seien Betriebsärzte vor allem mit Vorsorgeuntersuchungen befasst. „Bis zu 80 Prozent dieser Untersuchungen lassen sich um einige Woche verschieben, um dem Impfen Vorrang zu geben“, so Wahl-Wachendorf. Für diesen Mittwochabend ist ein Treffen Spahns mit den Betriebsärzten geplant.

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Spahn wies daraufhin, dass die Geschwindigkeit der Impfkampagne von den zur Verfügung stehenden Impfmengen abhänge. Die Zahl der Impfdosen werde nicht gleich „auf 20 Millionen im Monat oder gar auf zehn Millionen in der Woche“ wachsen. Die Politik müsse auf ihr Erwartungsmanagement aufpassen.

Impftempo hängt an Corona-Impfmengen!

Bund und Länder wollen nun „zeitnah“ den Zeitpunkt festlegen, ab wann Praxen gegen Corona impfen sollen. Am Montagabend hatte es dazu noch keinen formalen Beschluss gegeben.

Grundsätzlich sei es „noch wichtig“, die in der Impfverordnung festgelegte Priorisierung einzuhalten, sagte Spahn. Menschenleben zu retten, sei keine Bürokratie. Gleichwohl sei es richtig, in bestimmten Situationen davon abzuweichen.

Das sei etwa mit Blick auf das sächsische Vogtland der Fall, sagte Spahn. Dort sollen in Kürze alle über 18-Jährigen immunisiert werden können. Die Region liege in direkter Nachbarschaft zu Tschechien, wo es sehr hohe Infektionszahlen gebe, so Spahn.

Über Impfungen lasse sich ein „Schutzriegel“ aufbauen. Dieser könne verhindern, dass sich das Virus weiter ins Land hineintrage.

„Chronisch Kranke sofort gegen SARS-CoV-2 impfen“

Die Klinikärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) rief dazu auf, chronisch Kranke „ab sofort“ von Haus- und Fachärzten impfen zu lassen, bei denen sie ohnehin regelmäßig in Behandlung seien. „Bei der derzeitigen Organisation der Impfung kommen solche Patienten aber einfach zu kurz“, kritisierte MB-Vize Dr. Andreas Botzlar am Mittwoch.

Ärzte sollten wie bei anderen Impfungen auch ohne zusätzlichen bürokratischen Aufwand entscheiden, wie sie die Empfehlungen der STIKO am besten realisieren, sagte Botzlar. Ziel müsse sein, möglichst viele Menschen in möglichst kurzer Zeit zu impfen.

Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Dr. Klaus Reinhardt, erklärte, sobald es ausreichend Impfstoff für alle gebe, sollten Haus- und Fachärzte auch selbst über die Impfreihenfolge entscheiden dürfen. „Sie wissen am besten, welche ihrer Patienten besonders gefährdet sind“, sagte Reinhardt der „Rheinischen Post“. Zu viele Vorgaben und Prüfverfahren hielten nur unnötig auf. (hom/maw/dpa)

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