Direkt zum Inhaltsbereich

Kommentar zu Pflegepersonaluntergrenzen

Strukturpolitik durch die kalte Küche

Die Personaluntergrenzen in den Krankenhäusern können auf die Strukturen durchschlagen – auch auf die ambulanten.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:

Dass Gesundheitsminister Spahn die Abteilungen für Innere Medizin, die Allgemeine Chirurgie und die Pädiatrie mit einer weiteren Personaluntergrenzen-Verordnung belegt, kann den Vertretern der Deutschen Krankenhausgesellschaft nicht schmecken. Das Verschieben von Personal von einer Abteilung in eine andere, um Vorgaben zu bereits bestehenden Untergrenzen zu erfüllen, wird damit weiter erschwert.

80 Milliarden Euro bezahlen die gesetzlich Versicherten zu normalen Zeiten für die stationäre Versorgung. Ganz aktuell hat der Bund eine drei Milliarden Euro fassende Finanzspritze für die Digitalisierung der Krankenhäuser beschlossen.

Für solche Investitionen sind eigentlich die Länder zuständig. Jedes Jahr bleiben sie laut einem Bundesrechnungshofbericht vier Milliarden Euro an nötigen Investitionsmitteln schuldig. 40 Prozent der Häuser sollen noch tief im Faxozän feststecken, haben Abgeordnete erst am Donnerstag im Bundestag angeprangert.

Landespolitiker stehen unter Druck der Kommunen

Trotz der Bundesmilliarden pochen die Landesfürsten gleichwohl mit Verve auf ihre Planungshoheit, wenn auch oft mit zusammengebissenen Zähnen. Die Landespolitiker wiederum stehen nämlich unter starkem Druck der Kommunen und der mächtigen Bezirksvorsitzenden der jeweiligen Parteien, besser kein Krankenhaus, am besten nicht einmal eine Abteilung, zu schließen.

Dass die Untergrenzenverordnungen aus dem Hause Spahn, die ja nicht alternativlos sind, für die genannten Abteilungen unterschwellig auch strukturverändernde Impulse aussenden sollen, darf unterstellt werden. Untergrenzen lassen sich sanktionieren.

Zudem gibt es, anders als bei der Intensivmedizin auf dem Feld der Inneren, der Chirurgie und der Pädiatrie, Schnittmengen mit den Angeboten der niedergelassenen Kollegen.

Lesen sie auch

Diese Schnittmengen von Leistungen, die sowohl ambulant als auch stationär angeboten werden könne, werden spätestens in der kommenden Legislatur politisch bearbeitet werden. Wenn gezielt Abteilungen oder ganze Häuser aufgelöst werden, weil sie die Untergrenzen nicht einhalten können, entspannt sich in den Regionen hoffentlich auch die Personalknappheit.

Eine qualitativ hochwertige Versorgung kommt den Menschen damit nicht abhanden. Sie ist nur stärker ambulant ausgerichtet.

Schreiben Sie dem Autor: anno.fricke@springer.com

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Beitragssatzstabilisierungsgesetz

Das GKV-Sparpaket und die Neinsager in der Koalition

Kommentar

Das Sparpaket als Hypothek für Nina Warkens Reformkurs

Beitragssatzstabilisierungsgesetz

GKV-Sparpaket: Bundesrat stimmt „mit Schmerzen“ zu

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kollegin gibt Tipps

So gelingt eine gute Arzt-Patienten-Beziehung

Lesetipps
Ein roter Stift liegt auf einem Blatt mit Zahlen.

© Wolfilser / stock.adobe.com

Änderungen im Überblick

So wirkt sich das GKV-Spargesetz auf Praxen aus

Ärztin untersucht einen Mann an der Schulter

© New Africa / stock.adobe.com

Betäubungsmittel richtig verordnen

Opioide in der Urlaubsvertretung: Wie sich Missbrauch vorbeugen lässt

Ein abgestorbenes Lungengewebe, aus dem zarte Pflänzchen wachsen.

© ❤ Nancyvoz68❤ / stock.adobe.com / Generated with AI

Lithiumtherapie aktiviert WNT-Signalweg

Regeneration der COPD-Lunge: Was ist da möglich?