Augenärzte demonstrieren

Substitution von Leistungen? Frankreichs Ärzte sind sauer

Wartezeiten auf Termine sind der Anlass für die Regierung, die Substitution ärztlicher Leistungen zu forcieren. Der Widerstand ist einhellig, besonders bei den Augenärzten.

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Einige bisher rein ärztliche Leistungen sollen in Frankreich von anderen Gesundheitsberufen übernommen werden können.

Einige bisher rein ärztliche Leistungen sollen in Frankreich von anderen Gesundheitsberufen übernommen werden können, plant die Regierung. Dagegen gibt es massive Vorbehalte von Ärzten.

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Paris. Obwohl die meisten Ärzte in Frankreich sich für mehr Zusammenarbeit mit anderen Heilberufsgruppen aussprechen, lehnen sie die volle Übergabe von Leistungen an diese strikt ab. Derzeit protestieren Augenärzte und Praktische Ärzte gegen neue Gesetzentwürfe, die das Ziel haben, ärztliche Leistungen zu substituieren.

Seit Ende Oktober haben in vielen Großstädten Augenärzte demonstriert und gestreikt, weil die Regierung Orthoptisten erlauben will, Patienten zwischen 16 und 42 Jahren Brillen und Kontaktlinsen nach einem Sehtest selbst zu verschreiben. Ziel der Orthoptik ist die Verhütung und Besserung von Seh- und Schielstörungen sowie deren Dauerschäden.

Wartezeiten sollen kürzer werden

Die Regierung hofft dadurch, die teils monatelangen Wartezeiten auf Augenarzt-Termine zu verkürzen. Ophthalmologen warnen vor Risiken für Patienten, da Orthoptisten nur drei Jahren studiert hätten und nicht ausreichend ausgebildet seien, um viele Augenkrankheiten frühzeitig zu erkennen.

Zudem hätten in den vergangenen Jahren viele Augenärzte in ihren Praxen Kooperationsprogramme mit Orthoptisten entwickelt. Diese nähmen dann Untersuchungen vor, damit Ärzte sich auf die Diagnose sowie rein ärztliche Leistungen konzentrieren können. Hierbei handelt es sich somit um delegierte Leistungen unter ärztlicher Aufsicht. Dürften künftig Orthoptisten Brillen als unabhängige Heilberufler selbst verschreiben, würde dies das Vertrauensklima zwischen den beiden Berufsgruppen beschädigen, meint der Verband der Augenärzte.

Empört sind derzeit aus vergleichbaren Gründen auch die Praktischen Ärzte: Nach demselben Gesetzentwurf sollen Patienten ab 2022 auch ohne Arztüberweisung Physiotherapeuten sowie Logopäden zum Kassentarif aufsuchen dürfen. Ärzte sehen darin einen Eingriff in ihre Kompetenzen.

Kooperation? Im Prinzip gerne

Die Regierung plant auch, einen Teil der Leistungen, die von Psychotherapeuten ohne Arztrezept angeboten werden, erstattungsfähig zu machen. In Frankreich werden bisher psychotherapeutische Behandlungen von Kassen nur bezahlt, wenn sie von einem Arzt verschrieben oder erbracht worden sind.

Nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des „Le Quotidien du Médecin“ haben die meisten Ärzte nichts gegen Kooperationen mit anderen Berufen, so lange Leistungen unter ihrer Aufsicht erbracht werden.

Anders sieht es bei der kompletten Ersetzung ärztlicher Leistungen aus. 73 Prozent der befragten Ärzte lehnen eine Substitution durch andere Gesundheitsfachberufe ab. 60 Prozent bewerten Impfungen in Apotheken kritisch, die sich seit einigen Jahren etabliert haben. Das sehen Apotheker und sogenannte niedergelassene Pflegekräfte völlig anders und freuen sich über alle neuen Aufgaben, die sie unabhängig von Ärzten vornehmen dürfen, vor allem das Impfen. (DDB)

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