Opioidabhängige Patienten

Suchtmediziner wollen einfacheren Zugang zu Substitutionsmedikamenten

Substitutionsmediziner fordern eine Lockerung der strengen Abgabevorschriften während der Corona-Pandemie. Die Versorgung Zigtausender Opioidabhängiger wird zunehmend prekär.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 15.07.2020, 16:30 Uhr
Suchtmediziner wollen einfacheren Zugang zu Substitutionsmedikamenten

Suchtmediziner fordern bessere Rahmenbedingungen für die Versorgung von Substitutionspatienten.

© Zerbor/stock.adobe.com

Berlin. Die Substitutionsmediziner haben an die Kassenärztlichen Vereinigungen, die Apothekerkammern und die Politik appelliert, die Rahmenbedingungen für die Versorgung von Substitutionspatienten an die aktuelle Krisensituation anzupassen. Nach Angaben von Suchtmedizinern müssen rund 40.000 Patientinnen und Patienten täglich in einer Arztpraxis vorsprechen, um sich mit Substitutionsmedikamenten zu versorgen. Insgesamt betreuen die 2607 Substitutionsmediziner in Deutschland 79.700 Patienten. 166.000 Menschen in Deutschland gelten als opioidabhängig.

Die konkreten Forderungen für die Krisenphase lauten, die Take-Home-Vergabe und die Nutzung von Depotpräparaten für stabile und noch nicht stabile Patienten auszuweiten, die Geltungsdauer der Z-Rezepte zu verlängern, Dosierungen für mehr als den unmittelbaren Verbrauch zuzulassen, die Apotheken und Einrichtungen der Drogen- und Aidshilfe bei der Ausgabe stärker einzubinden, das Personal in Kontaktläden und Drogenkonsumräumen zu qualifizieren und niedergelassene Ärzte auch ohne suchtmedizinische Ausbildung für die Betreuung dieser Patientengruppe zu gewinnen.

Unerfüllbarer Versorgungsauftrag

Bei einer virtuellen Veranstaltung im Juli, ausgerichtet von Sanofi, haben Ärzte auf die prekäre Situation der Substitutionsmedizin und aufreißende Versorgungsbrüche hingewiesen. Schon unter normalen Bedingungen sei der Versorgungsauftrag nicht zu erfüllen. In den kommenden Jahren werden viele Substitutionsärzte in den Ruhestand gehen.

Der hohe Altersdurchschnitt der Ärzte lasse erwarten, dass sich die Situation massiv verschlechtern werde. In der Regel finden ausscheidende Ärzte keine Nachfolger für die Betreuung der Substitutionspatienten. Die wohnortnahe Versorgung durch Apotheken werde zu wenig genutzt. Regionale Kliniken und Gesundheitsämter seien in die Versorgung nicht eingebunden.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt bereits vor der zunehmenden Zahl von Landkreisen, in denen es gar kein Angebot mehr für Betroffene gibt.

Sprechende Medizin aufwerten

Mit einem 10-Punkte-Programm versucht die Initiative „Substitutionsversorgung Opioidabhängiger Patienten“ gegenzusteuern. Dazu gehört die Erhöhung der Patientenhöchstzahl in etablierten Substitutionspraxen auf über 50 Personen, die Verankerung der Therapie in den Studiencurricula, Kooperationen von Ärzten untereinander, Apotheken und Kliniken. Zudem sollte das neue, bislang kaum genutzte Delegationsrecht nach der Betäubungsmittelvergabeverordnung scharfgeschaltet werden, zum Beispiel über die mehr als 1000 Drogenberatungsstellen im Land.

Die Suchtärzte sehen großen Spielraum bei der Vergütung. Das aktuelle Abrechnungssystem sollte an die Anforderungen der differenzierten Substitutionstherapie angepasst werden. Dazu benötige es einer stärkeren Akzentuierung der in diesem Zusammenhang besonders bedeutsamen sprechenden Medizin.

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