DAK-Report

Süchtig auf Arbeit

Millionen Arbeitnehmer in Deutschland sind nach Angaben der DAK-Gesundheit suchtgefährdet, jeder zehnte Beschäftigte hat einen riskanten Alkoholkonsum. Und: Arbeitnehmer mit Suchtproblemen fehlen doppelt so häufig im Job wie ihre Kollegen.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Rund vier Millionen Beschäftigte haben einen riskanten Alkoholkonsum, so die DAK-Gesundheit.

Rund vier Millionen Beschäftigte haben einen riskanten Alkoholkonsum, so die DAK-Gesundheit.

© McPHOTOf / blickwinkel / picture alliance

BERLIN. Im September vergangenen Jahres stieg die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland auf knapp 45 Millionen. Trotz der Rekordzahlen auf dem Arbeitsmarkt hat sich der Krankenstand 2018 nur geringfügig auf 4,2 Prozent (2017: 4,1) erhöht.

Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der DAK-Gesundheit hervor, der am Dienstag vorgestellt wurde.

Die zunehmende Trennschärfe der Statistiken bringt zutage, dass Arbeitnehmer, die rauchen, übermäßig Alkohol trinken oder illegale Substanzen konsumieren, häufiger im Job fehlen als ihre Kollegen. Ihr Krankenstand liegt bei 7,6 Prozent.

Zahlen der Sucht

  • 4,0 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland trinken riskant, das sind rund zehn Prozent; 160.000 gelten als alkoholabhängig.
  • 6,5 Millionen gelten als abhängige Raucher.
  • 0,4 Millionen erfüllen die Kriterien einer Computerspielsucht.
  • Quelle: DAK Gesundheitsreport 2019

Die Fehltage, die direkt mit den legalen und illegalen Drogen in Verbindung zu bringen sind, sind ausweislich der vom Berliner IGES-Institut für den DAK-Report erstellten Untersuchung mit 0,62 Prozent kaum auffällig.

Die Betroffenen fehlen aufgrund anderer Diagnosen. Auf ihre Kappe gehen dreimal so viele Fehltage wegen psychischer Leiden, 89 Prozent mehr wegen Rückenschmerzen und 52 Prozent mehr wegen Atemwegserkrankungen.

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Die Arbeitnehmer im Gesundheitswesen liegen mit 12,7 Fehltagen aufgrund von „Substanzstörungen“ vor der öffentlichen Verwaltung an der Spitze der Branchen.

Sucht kommt der Wirtschaft teuer

Die Verluste der Wirtschaft alleine aufgrund des Rauchens am Arbeitsplatz bezifferte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler (CSU) auf 56 Milliarden Euro im Jahr.

Das sei das Zweieinhalbfache des jährlichen Umsatzes mit Tabakprodukten in Deutschland. Sie rechne mit einem Gesetzentwurf für ein Tabakwerbeverbot noch vor der Sommerpause.

Um verfassungsrechtlich auf der sicheren Seite zu bleiben, werde dieses Gesetz voraussichtlich Ausnahmen wie zum Beispiel Werbung im Fachhandel weiterhin zulassen, sagte Mortler.

DAK-Chef Andreas Storm erneuerte die Forderung der Kassen nach einem umfassenden Werbeverbot für Tabak und E-Zigaretten.

2,6 Millionen Berufstätige mit riskantem Spielverhalten

Ein Fall für das betriebliche Gesundheitsmanagement ist inzwischen die Computerspielsucht. Darauf hat IGES-Geschäftsführer Hans-Dieter Nolting verwiesen.

Fast jeder zweite, der sich selbst als Game-Junkie beschreibt, spiele auch am Arbeitsplatz. Etwa 2,6 Millionen Erwerbstätige wiesen ein riskantes Nutzerverhalten auf.

Das Suchtpotenzial solcher Spiele könne hoch sein, vor allem wenn die Programmierer Elemente von Glücksspielen einbauten, warnte Nolting.

Die Folgen von Spielsucht am Arbeitsplatz können tödlich sein. In Bayern kollidierten 2016 zwei Regionalzüge, weil der Fahrdienstleiter während der Arbeitszeit in ein Handyspiel vertieft war.

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 16.04.2019 um 15:55 Uhr.

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