Nach Trump-Kritik

Unterstützung für die WHO

US-Präsident Donald Trump steht mit seiner Kritik an der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ziemlich alleine da. Nach der von ihm einberufenen G7-Videokonferenz stellten sich nicht nur G7-Staaten hinter die WHO.

Veröffentlicht: 17.04.2020, 13:01 Uhr
Unterstützung für die WHO

US-Präsident Donald Trump stellt im Weißen Haus seine Drei-Phasen-Corona-Exitstrategie vor.

© Alex Brandon/AP/dpa

Berlin. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich nach der scharfen Kritik von US-Präsident Donald Trump klar hinter die Arbeit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestellt.

Bei der von Trump einberufenen Videoschalte der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrieländer (G7) habe Merkel betont, dass die Pandemie nur mit einer starken und koordinierten internationalen Antwort besiegt werden könne, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit.

Hierfür habe sie der WHO sowie weiteren Partnern wie der Impfstoff-Allianz CEPI („Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“) und der Globalen Impfallianz GAVI ihre volle Unterstützung ausgesprochen.

Die Kanzlerin begrüße außerdem die Initiative von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, am 4. Mai eine Online-Geberkonferenz zu COVID-19 auszurichten, schrieb Seibert.

Trump: WHO für die vielen Corona-Toten mitverantwortlich

Die US-Regierung hat derzeit turnusgemäß den Vorsitz der G7-Gruppe inne, zu der auch Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada und Japan gehören. Ein für Juni in den USA geplantes G7-Gipfeltreffen hatte Washington wegen der Pandemie abgesagt.

Trumps Ankündigung, US-Zahlungen an die WHO trotz der Pandemie bis auf Weiteres zu stoppen, war international auf heftige Kritik gestoßen. Der US-Präsident macht die Organisation für die Vielzahl an Toten in der Krise mitverantwortlich. Seine Regierung werde in den kommenden 60 bis 90 Tagen prüfen, welche Rolle die WHO bei der „schlechten Handhabung und Vertuschung der Ausbreitung des Coronavirus“ gespielt habe, hatte er erklärt.

Unterstützung für die WHO kommt in dem Streit zudem von 17 Ländern der von Deutschland initiierten „Allianz für Multilateralismus“. In einer gemeinsamen Erklärung betonten die Außenminister nach einer Videokonferenz am Donnerstag die Bedeutung der globalen Zusammenarbeit und internationalen Organisationen im Kampf gegen die Pandemie.

„Wir müssen in unserer Menschlichkeit vereint bleiben“

„Wir müssen in unserer Menschlichkeit vereint bleiben“, heißt es darin. „Die COVID-19 Pandemie ist ein Weckruf für Multilateralismus.“ Man unterstütze den Aufruf der Vereinten Nationen zu globaler Solidarität in der Krise, „und besonders die Rolle der WHO bei der Koordination der Antwort auf die Epidemie im Gesundheitsbereich“.

Die „Allianz für Multilateralismus“ war 2018 von Bundesaußenminister Heiko Maas initiiert worden, um die internationale Zusammenarbeit zu stärken. Sie hat keine festen Mitglieder so wie die G7 oder G20 und tagt in unterschiedlichen Zusammensetzungen.

An der Videokonferenz zur Corona-Krise nahmen neben Maas die Außenminister von Argentinien, Belgien, Kanada, Chile, die Dominikanische Republik, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Mexiko, den Niederlanden, Norwegen, Peru, Singapur, Südafrika und Schweden teil.

USA wollen in drei Phasen zurück zur Normalität

Trump arbeitet derweil an einer Exitstrategie für den amerikanischen Corona-Shutdown. Offensichtlich will er die USA in drei Phasen auf den Weg zur Normalität zurückführen und die Wirtschaft graduell wieder öffnen. Eine landesweite Schließung könne keine langfristige Lösung sein, sagte Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) im Weißen Haus mit Blick auf die Wirtschaft. Nach Daten des US-Arbeitsministeriums vom Donnerstag haben innerhalb eines Monats rund 22 Millionen Menschen ihren Job verloren.

Das Problem: Vor jeder neuen Phase soll die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen jeweils über einen 14-tägigen Zeitraum abgenommen haben. Den Richtlinien zufolge sollen die Bundesstaaten selber verantwortlich für ausreichende Test-Kapazitäten sein. Trumps Regierung ist wegen eines Mangels an Tests in die Kritik geraten.

In der ersten Phase werden die bisherigen Richtlinien, die zum Monatsende auslaufen, nur leicht gelockert. Ansammlungen von mehr als zehn Menschen sollen weiterhin vermieden werden. Wer von zu Hause arbeiten kann, soll das weiter tun.

Besuche in Heimen und Kliniken weiter untersagt

In der zweiten Phase sollen Arbeitnehmer weiterhin zur Arbeit von zu Hause aus ermutigt werden. In Unternehmen sollen Gemeinschaftsbereiche, wo Menschen zusammenkommen, geschlossen bleiben. Besuche in Altenheimen und Krankenhäusern sollen weiter untersagt bleiben. Reisen, die nicht essenziell sind, sollen aber wieder möglich sein. Schulen sollen wieder öffnen.

In der dritten Phase sollen Arbeitnehmer wieder ohne Einschränkungen an ihre Arbeitsstellen zurückkehren, dann sollen auch wieder Besuche in Altenheimen und Krankenhäusern erlaubt werden. Gefährdete Bevölkerungsgruppen sollen aber weiterhin Abstand zu anderen Menschen einhalten.

„Wir öffnen, einen vorsichtigen Schritt nach dem anderen“, sagte Trump. Er betonte, den Gouverneuren der Bundesstaaten bleibe es überlassen, die Richtlinien umzusetzen. Sollten sie beschließen, dass schärfere Schutzmaßnahmen weiter notwendig seien, „werden wir ihnen das erlauben“. Einen festen Zeitplan enthält die Richtlinie ohnehin nicht. (dpa)

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