Kongress

Versorgungsforscher loben Krebsregister

Erstmals würden mit dem Register bevölkerungsbezogene Daten erfasst, heißt es bei einem Fachkongress.

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Berlin. Gesundheitsforscher sehen die mittlerweile bundesweit etablierten Landeskrebsregister als ein Paradebeispiel für die Nutzung realer Versorgungsdaten, sogenannte Real-Life Data.

Dank der in den Registern erfassten Angaben sei Krebs der erste Bereich, „wo systematisch Effekte der Medizin an Patienten sichtbar werden“, sagte der Greifswalder Gesundheitsforscher Professor Wolfgang Hoffmann zum Auftakt des 18. Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung am Mittwoch in Berlin.

Für andere Volkskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck existiere eine solche bevölkerungsbezogene Erfassung von Versorgungsdaten nicht, betonte Hoffmann, der auch Leiter der Zentralstelle der Krebsregistrierung Mecklenburg-Vorpommern ist.

Daten erfassen und gezielt auswerten

Der Aufbau flächendeckender klinischer Register wurde den Ländern 2013 mit Verabschiedung des Krebsfrüherkennungs- und registergesetzes verpflichtend vorgeschrieben. In den Registern sollen, wenn möglich, Daten des gesamten Behandlungsverlaufes von Krebspatienten erfasst und gezielt ausgewertet werden. Dadurch erhoffen sich Ärzte neue Erkenntnisse im Kampf gegen Krebsleiden.

Die Krebsregister arbeiteten noch nicht überall gleich, „aber es wächst“, berichtete die Direktorin des Instituts für Qualitätssicherung und Versorgungsforschung der Universität Regensburg, Professor Monika Klinkhammer-Schalke.

Ziel sei es, dass alle Krebsregister „spätestens Ende 2020“ auf demselben Niveau angelangt seien. Der Vorteil der Datenbanken liege darin, dass damit der komplette Verlauf einer Krebserkrankung „begleitet“ werde – von der Diagnose über die Therapie bis zur Nachsorge.

„Wir versuchen natürlich, dass dieser Datenschatz nicht nur in den Ländern bleibt, sondern dass wir ihn bundesweit zusammenführen und für eine bessere Krebsversorgung nutzen können.“

„Lernendes Gesundheitssystem“ nötig

Zum 18. Kongress des Deutschen Netzwerks für Gesundheitsforschung (DNVF) werden noch bis kommenden Freitag rund 1000 Ärzte, Forscher sowie Medizin- und Pflegestudierende in der Bundeshauptstadt erwartet.

DNVF-Vorstand Professor Jochen Schmitt sagte, neue Erkenntnisse aus der Forschung fänden in Deutschland häufig zu langsam Eingang in die medizinische Routineversorgung.

Nötig sei daher ein „lernendes Gesundheitssystem“, das den Transfer von Forschungsergebnissen in die Patientenversorgung mithilfe definierter Prozesse und Strukturen erleichtere. Dabei seien auch Erfahrungen von Patienten und Ärzten einzubeziehen.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium Dr. Thomas Gebhart (CDU) wies auf die wachsende Bedeutung von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz in der Medizin hin.

Die neuen Technologien sollten Ärzte nicht ersetzen, sondern sie bei Diagnose und Therapie „sinnvoll unterstützen“. Der „datengetriebenen Medizin“ gehöre in jedem Fall die Zukunft.

Der Versorgungsforschung wies Gebhart eine „wichtige Rolle“ für die Zukunftssicherung des Gesundheitswesens zu. So sei es etwa nicht nur wichtig, zu wissen, wie ein bestimmtes Medikament wirke. Genauso wichtig sei die Frage, ob es beim Patienten ankomme. „Dafür ist Versorgungsforschung wichtig. (hom)

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