Berufspolitik

Versorgungszentrum sorgt für Streit in Bremen

Die größte Klinik der Hansestadt will ein MVZ errichten. Niedergelassene Ärzte sehen sich benachteiligt.

Veröffentlicht: 21.10.2010, 19:47 Uhr
Versorgungszentrum sorgt für Streit in Bremen

Dr. Diethelm Hansen, Chef der GeNo, hält an seinen MVZ-Plänen fest.

© cben

BREMEN (cben). Niedergelassene Ärzte und der Klinikverbund Gesundheit Nord (GeNo) streiten in Bremen über die Errichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) am größten Bremer Krankenhaus.

Die GeNo will am Klinikum Mitte ein MVZ mit einer nuklearmedizinischen und einer strahlentherapeutischen Praxis einrichten - und offenbar auch eine kinderendokrinologische Praxis.

"Die Betreibergesellschaft ist gegründet, wir werden in den kommenden Monaten Arztsitze kaufen oder beim Zulassungsausschuss beantragen", sagt Dr. Diethelm Hansen, Chef der GeNo. Geplant ist die Übernahme einer Strahlentherapiepraxis, die derzeit schon am Klinikum arbeitet.

"Wir sehen die Quantität und die Qualität der Versorgung in Bremen gesättigt", erklärte dazu Thomas Liebsch, Vorsitzender der Vertreterversammlung der KV Bremen. Er erwartet eine Leitungsausweitung.

In einer Sonder-VV hatten die Delegierten mit Hansen über das MVZ gestritten. "Wir haben Sorge, dass das MVZ so etwas wie ein Versuchsballon ist und dann weitere Indikationen und Arztsitze folgen", sagte Liebsch. Zudem könnten in einer kinderendokrinologischen Praxis "auch hausärztliche Leistungen erbracht werden".

So würden die Patienten nach der Klinikentlassung gewiss im MVZ weiterbehandelt werden - ein Nachteil für die Niedergelassenen. Man kämpfe mit unterschiedlich langen Lanzen, resümierte Liebsch. "Im Zweifel ziehen wir die Daumenschrauben langsam an. Wenn wir etwa zehn Prozent weniger Patienten einweisen, wird die GeNo das merken."

Hansen widersprach: Die Indikationen würden sehr speziell bleiben. "Wir haben kein Interesse, hunderte von Bremer Ärzten gegen uns aufzubringen." Er räumte allerdings ein, dass bei zulassungsfreien Disziplinen zusätzliche Arztsitze auch zusätzliches KV-Geld kosten, das aus dem Fachärztetopf kommt.

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