SARS-CoV-2

Vertragsärzte und SARS: „Ich sehe keinen, der es außer uns schaffen würde“

Die niedergelassenen Ärzte organisieren sich angesichts neuer Coronavirus-Fälle. In Westfalen-Lippe übt die Ärzteschaft den Schulterschluss.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 06.03.2020, 09:15 Uhr

Dortmund. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) will bei der Abklärung von Verdachtsfällen auf Infektionen mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 und der Versorgung der Patienten in der Region ein möglichst einheitliches Vorgehen erreichen.

Dazu soll ein Gespräch mit Vertretern von Gesundheitsämtern, Ärztekammern, Krankenhäusern sowie Landräten, Oberbürgermeistern und anderen Beteiligten beitragen, sagte der KVWL-Vorstandsvorsitzende Dr. Dirk Spelmeyer auf der Vertreterversammlung am Mittwoch in Dortmund.

„Wir wollen die Frage erörtern, wie es in Westfalen-Lippe weitergehen soll und wie wir der Infektion durch zentralisierte Maßnahmen erreichen können“, so Spelmeyer weiter. Ein Ziel der KV ist es, die Durchführung von Abstrichen möglichst zu zentralisieren. In manchen Bereichen laufe das bereits gut, sagte Spelmeyer.

Selbstabstriche durch Patienten

Wo es nicht möglich ist, setzt die KVWL auf Selbstabstriche durch die Patienten. Sie sollen sich telefonisch beim Hausarzt melden, der sie darüber informiert, dass sie den Abstrich selbst machen sollen.

Ein nicht infizierter Angehöriger soll dazu ein Abstrich-Röhrchen in der Praxis abholen und später dorthin zurückbringen. Die KV habe das Vorgehen durch einen Virologen der Uniklinik Münster prüfen lassen, der sein Okay gegeben habe, sagte der KVWL-Chef.

Entscheidend sei aber nicht nur die Organisation der Proben-Entnahme, sondern auch, dass die entsprechenden Strukturen bei den Laboren gewährleistet sind. In den Laboren seien die Kapazitäten deshalb durch leistungsfähigere Geräte erweitert worden, zudem habe die KV zusätzliche Ermächtigungen erteilt, berichtete er. „In Westfalen-Lippe können wir zurzeit 2000 Proben am Tag bearbeiten.“

Eigentlich sei es nicht originäre Aufgabe der KV, Strukturen für die Patientenversorgung in einer solchen Ausnahmesituation aufzubauen. „Aber ich sehe keinen, der es außer uns schaffen würde.“

Einheitliches Auftreten der Ärzteschaft gefordert

Vorbild für die jetzige Lage könnte die Versorgung von Geflüchteten im Jahr 2015 sein. Ebenso wie damals müssten jetzt auch Abrechnungsmöglichkeiten für Ärzte geschaffen werden, die sich zusätzlich zu ihrer normalen Praxistätigkeit engagieren.

Da die Politik die Ärzte allein lasse, müssten sie selbst die Dinge in die Hand nehmen, befand auch Dr. Hendrik Oen, Hausarzt und Leiter der KVWL-Bezirksstelle Münster. „Wir sind durch unsere Logistik und unsere Strukturen gut aufgestellt.“ Voraussetzung sei allerdings, dass die Ärzte mit Schutzkleidung und den anderen notwendigen Materialien ausgestattet werden.

Die Vorsitzende des westfälisch-lippischen Hausärzteverbands Anke Richter-Scheer hält ein einheitliches öffentliches Auftreten der Ärzteschaft angesichts zunehmender SARS-CoV-2-Infektionen für dringend notwendig. „Das ist nicht nur wichtig, um das Virus einzudämmen, sondern auch um unseren Patienten Sicherheit zu geben“, betonte sie.

Es sei kein gutes Signal, dass sich Ärzteverbände mit ganz unterschiedlichen Mitteilungen an die Öffentlichkeit wenden. Besser sei stattdessen eine gemeinsame Initiative. „Lasst uns nach außen zeigen: Wir ziehen an einem Strang“, mahnte Richter-Scheer.

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