Hochschulambulanzen

Viele Patienten, wenig Geld

Hochschulambulanzen haben sich in der Versorgung etabliert. Die Patienten suchen sie munter auf - obwohl dies die Strukturen gar nicht so vorsehen. Vertreter der Selbstverwaltung ringen nun darum, wie dies gesetzlich abzubilden ist.

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Luftaufnahme der Uniklinik Würzburg: Hochschulambulanz hat sich als Teil der Versorgungsstruktur etabliert.

Luftaufnahme der Uniklinik Würzburg: Hochschulambulanz hat sich als Teil der Versorgungsstruktur etabliert.

© dpa

BERLIN. Michael Albrecht, Vorsitzender des Verbandes der Universitätsklinika (VUD), ist besorgt: Die Hochschulambulanzen erlebten an vielen Orten einen regelrechten "Zulauf" von Patienten, aber seien finanziell dafür gar nicht ausgestattet.

Zudem deute aus seiner Sicht wenig daraufhin, dass die anstehende Gesetzesreform das Problem lösen könnte: "Ich sehe hier eine Diskrepanz zwischen Planung und Realität", sagte Albrecht, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden, beim VUD-Frühjahrsforum am Mittwoch in Berlin.

Der Zugang zu den Hochschulambulanzen gehören zu den heißen Eisen in der Gesundheitspolitik. Vertreter der Uniklinika wollen nicht hinnehmen, dass über bundeseinheitliche Regelungen - wie im Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) vorgesehen - der Zugang der Patienten beschränkt wird.

Auch fordern sie eine Regionalisierungsklausel im VSG aufzunehmen, so dass bei den Verhandlungen mit Krankenkassen die regionalen Unterschiede im vertragsärztlichen Umfeld ebenso berücksichtigt werden können wie die speziellen Kompetenzen des jeweiligen Uniklinikums.

Eine dreiseitige Vereinbarung zwischen dem GKV-Spitzenverband, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) - wie es das Gesetz bislang vorsieht - lehnt der VUD ab.

"Wir verstehen uns als Ergänzung zum Facharzt"

Anja Simon, kaufmännische Direktorin des Uniklinikum Würzburg, machte deutlich, dass sich ihre Hochschulambulanz an der Grenze zwischen Bayern, Baden-Württemberg und Hessen als wichtiger Bestandteil in der Versorgung etabliert hat. "

Wir sind das einzige maximalversorgende Krankenhaus im Umkreis von 100 Kilometern", sagte sie.

Mit 486.000 Besuchen im Jahr, aus denen sich 236.000 Behandlungsfälle ergeben, erwirtschaften die angeschlossenen Hochschulambulanzen rund 59 Millionen Euro im Jahr. 80 Prozent der Patienten kommen aufgrund einer Überweisung des niedergelassenen Facharztes in die Hochschulambulanz.

Die Behandlung erfolgt in der Regel durch ein interdisziplinäres Team, das in Würzburg oft auch den niedergelassenen Fach- oder Hausarzt miteinschliesst. "Wir verstehen uns als Ergänzung zum niedergelassenen Facharzt und nicht als Konkurrenz", betonte Simon.

Doch die interdisziplinäre Arbeit zum Wohle des Patienten kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld - und zwar weit mehr als die Krankenkassen bislang dafür zahlen.

Zum Beispiel: In der Adipositas Spezialambulanz des Uniklinikums Würzburg, in der besonders schwere Erkrankungsfälle behandelt werden, kostet ein Patient, so Anja Simon, bei der Erstvorstellung 300 Euro, bei einem weiteren Besuch 200 Euro. Die Quartalspauschale aber liege bei 94 Euro.

Die Chancen der Hochschulambulanzen sieht Simon vor allem darin, dass diese eine qualitativ-hochwertige Medizin im Rahmen einer regionalen Vernetzung bereitstellten.

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen bemängelte die "Intransparenz der Hochschulambulanzen". Insbesondere verwehrte er sich dagegen, Forschung und Lehre, wie sie an Uniklinika betrieben werde, quer zu finanzieren.

"Kosten, die die Länder tragen müssen, dürfen nicht in die GKV-Versorgung geschoben werden", sagte Gassen. (wer)

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