Direkt zum Inhaltsbereich

Patienten

Viele haben vom ärztlichen Notdienst noch nie gehört

Viele Patienten suchen eine Notfallaufnahme an einer Klinik auf, weil sie keine Alternative kennen. Das ergab eine Befragung in Berlin. Notfall-Mediziner fordern, Patienten besser aufzuklären und effizient zu steuern.

Veröffentlicht:

BERLIN. Die Notfallversorgung leidet an einem Informationsdefizit. Das legt eine Befragung an zwei Berliner Notfallaufnahmen nahe.

89 Prozent der Patienten, die abends oder nachts die Notfallaufnahme aufsuchten, hatten demnach den ambulanten Bereitschaftsdienst zuvor nicht kontaktiert. 55 Prozent kannten das Angebot nicht, 35 Prozent fürchteten, dort lange warten zu müssen.

"Der Zugang zur ambulanten Notfallversorgung sollte zentralisiert und sektorenübergreifend organisiert werden", fordert deshalb Studienleiter Dr. Bernd A. Leidel.

Die Trennung in ambulante Versorgung durch niedergelassene Ärzte und stationäre Versorgung in Krankenhäusern sei nicht mehr zeitgemäß, sagte Leidel der "Ärzte Zeitung": "Ambulante Notfallstrukturen müssen eng mit Notfallkrankenhäusern verbunden und rund um die Uhr verfügbar sein."

7000 Patienten befragt

Der stellvertretende Leiter der Notfallaufnahme am Charité Campus Benjamin Franklin hatte die Befragung in seinem Haus und am Helios-Klinikum Berlin-Buch auf den Weg gebracht.

Rund 7000 Patienten hatten im Mai und Juni 2015 die Rettungsstellen von sich aus aufgesucht, knapp 2000 nahmen an der Befragung teil.

90 Prozent der befragten Patienten schätzten sich laut Studie als dringlich behandlungsbedürftig ein, drei Viertel klagten über Schmerzen.

"Ob das Aufsuchen einer Notaufnahme nötig ist, lässt sich meist erst nach abgeschlossener Behandlung sagen. Die Patienten kommen ja nicht mit fertigen Diagnosen, sondern mit Beschwerden. Und sie erwarten, schnell und umfassend untersucht und korrekt behandelt zu werden", sagt Leidel.

In den meisten Notaufnahmen Deutschlands würden, so Leidel, nahezu täglich die Kapazitätsgrenzen überschritten.

Zudem würden komplexe Krankheits- und Verletzungsbilder überdurchschnittlich viel Ressourcen binden und zeitgleich eintreffende Patienten mit leichten Krankheits- und Verletzungsbildern diese Ressourcen zusätzlich belasten.

Zudem rechnet sich dieser Patientenzulauf für die Klinik nicht. Jeder Patient, der ambulant, aber nicht stationär aufgenommen wird, sorgt laut einem Gutachten, das die Deutschen Krankenhausgesellschaft in Auftrag gegeben hat, zu einem Minus von rund 95 Euro in der Klinikkasse. (wer)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Für Praxen in unterversorgten Gebieten

Weiterbilder in Bayern können Extra-Förderung bekommen

Hauptstadtkongress

Patientensteuerung funktioniert nur mit Vertrauen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Beispiele zum Durchklicken

Auffälliges EKG: Was steckt hinter diesen 13 Fällen?

Früherkennung von Geschlechtskrankheiten

Kein Screen & Treat bei mukosalen STI!

Schädel-Hirn-Traumata

Was Kopfbälle fürs Demenzrisiko bedeuten

Lesetipps
Ein Blick in die aktuelle Isolationsstudie SOLIS100, die in Zusammenarbeit mit der ESA durchgeführt wird. Sechs Personen sind für 100 Tage in einem Raum isoliert ohne Kontakt nach außen bis auf terminierte Mission-Controll-Telefonate und 30 Minuten Kontakt zu Freunden und Familie pro Woche über Telefon/Videoanruf.

© DLR

Raumfahrtmediziner im Porträt

Jens Jordan – ein Arzt für Weltall und Erde

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer