Barmer-Pflegereport

„Viele pflegende Angehörige an der Belastbarkeitsgrenze“

Pflegende Angehörige brauchen mehr Unterstützung, so der Tenor des Barmer-Pflegereports 2018.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Pflegende Angehörige sind am Limit, so eine Befragung.

Pflegende Angehörige sind am Limit, so eine Befragung.

© Africa Studio / stock.adobe.com

BERLIN. Dem Pflegesystem droht ein Grundpfeiler wegzubrechen. Hochgerechnet mindestens 185.000 der insgesamt 2,5 Millionen Menschen in Deutschland , die ihre Eltern oder ihre Partner zu Hause pflegen, stehen kurz davor aufzugeben oder ihre Dienste einzuschränken, wenn sie nicht mehr Hilfe bekommen. Das geht aus dem aktuellen „Barmer-Pflegereport 2018“ hervor.

Die Umfrage der Universität Bremen unter 1900 pflegenden Angehörigen hat zudem ergeben, dass, das größte Risiko der häuslichen Pflege ist, körperlich oder seelisch auszubrennen. „Es gibt ein starkes Indiz dafür, dass Pflege krank macht“, sagte Studienleiter Professor Heinz Rothgang bei der Vorstellung des Reports am Donnerstag in Berlin.

So hat ein Längsschnittvergleich von pflegenden und nicht pflegenden Personen erbracht, dass sich bei Pflegenden der Gesundheitszustand zwischen 2012 und 2017 deutlich ausgeprägter verschlechtert hat. Dies habe sich vor allem bei psychischen und Belastungsstörungen sowie bei Depressionen gezeigt, berichtete Rothgang.

"Pflege-Effekt" vorhanden

Auch Rückenbeschwerden und Schmerzen sind demnach unter Pflegenden deutlich stärker verbreitet als unter Nicht-Pflegenden. Der „Pflege-Effekt“ hat ausweislich der Barmer-Daten im Jahr 2017 dafür gesorgt, dass auf Pflegepersonen sechs Prozent mehr Diagnosen zu psychischen Störungen fielen als auf Nicht-Pflegepersonen. Das gilt zum Beispiel auch für Schmerzen (plus 3,8 Prozent) und Rückenbeschwerden (plus 3,6 Prozent). Besorgniserregend ist gerade deshalb auch, dass knapp jeder siebte Pflegende angibt, Arztbesuche regelmäßig aufzuschieben oder ganz zu unterlassen.

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Die Zahl der potenziellen Pflege-Aussteiger könnte sogar deutlich höher liegen. Grund: Knapp zwölf Prozent der Befragten verweigerte eine Angabe zur Entwicklung ihrer zukünftigen Pflegebereitschaft. Fast 40 Prozent gaben an, zu wenig zu schlafen, 85 Prozent sehen ihr Leben tagtäglich von der Pflege bestimmt, 30 Prozent fühlen sich in der Pflegesituation sogar gefangen, jedem Fünften ist die Aufgabe eigentlich zu anstrengend.

Überraschend ist deshalb, dass Angebote wie Kurzzeit- und Tagespflege sowie Haushaltshilfen von einem Drittel der Betroffenen, 820.000, nicht in Anspruch genommen werden. Gründe sind fehlende Angebote und Zweifel an der Qualität.

„Wir können es uns nicht leisten, auf die die aufopferungsvolle Arbeit pflegender Angehörigen zu verzichten, weil sie an ihre Grenze kommen, sich alleine gelassen fühlen, weil sie körperlich und psychisch völlig erschöpft sind“, kommentierte Barmer-Chef Professor Christoph Straub die Ergebnisse.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Pflegende Angehörige brauchen Unterstützung

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