Für und Wider Schnelltests

WHO will Corona-Schnelltests für ärmere Länder bereitstellen

Die Weltgesundheitsorganisation will 120 Millionen Antigen-Tests für das Corona-Virus in ärmeren Ländern bereitstellen. Was taugen diese Tests?

Veröffentlicht: 29.09.2020, 16:26 Uhr
Flagge der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Flagge der Weltgesundheitsorganisation WHO.

© shaadjutt36 / stock.adobe.com

Genf. Die Weltgesundheitsorganisation WHO setzt auf Corona-Schnelltests zur Bekämpfung der Pandemie in ärmeren Ländern. 120 Millionen sogenannte Antigen-Tests sollen für 133 Länder mit kleinen und mittleren Einkommen zur Verfügung gestellt werden, kündigte die WHO am Montagabend in Genf an.

Das soll umfangreiche Tests an Orten ermöglichen, an denen der Nachweis des Virus-Erbguts im Labor mittels PCR nur schwer oder zu langsam möglich ist.

Tests für 600 Millionen US-Dollar

Für das Projekt im Rahmen der WHO-Kampagne „ACT-Accelerator“ (Access to COVID-19 Tools Accelerator) hat die Bill and Melinda Gates Stiftung demnach einen Vertrag mit den Herstellern SD Biosensor und Abbott geschlossen, der die Abnahme von 120 Millionen Tests zum Stückpreis von fünf US-Dollar garantiert. Insgesamt wären dafür 600 Millionen US-Dollar nötig.

Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria steuert 50 Millionen US-Dollar bei. Darüber hinaus erwarte man Unterstützung von anderen internationalen Institutionen wie Unicef und der Weltbank sowie Staaten, sagte der Chef des Fonds, Peter Sands.

„Wenn Länder mit kleinem und mittleren Einkommen auf demselben Niveau testen würden wie Staaten mit hohem Einkommen, würden die 120 Millionen Tests weniger als zwei Wochen reichen“, so Sands.

Ergänzung zu PCR-Tests

Die WHO empfehle die Schnelltests im Allgemeinen vor allem als Ergänzung zu PCR-Tests, sagte die WHO-COVID-19-Beauftragte Maria van Kerkhove. Antigen-Tests seien vor allem bei hoher Viruslast effizient und könnten helfen, wenn es etwa um die Nachverfolgung von Ausbrüchen rund um mindestens einen bereits per PCR-Test bestätigten Fall gehe. Wo Labortests tagelang dauern würden, seien Antigen-Tests dennoch eine sinnvolle Alternative.

Die Tests suchen in Abstrich-Proben nicht aufwendig nach dem Erbgut des Virus, sondern nach Molekülen, die charakteristisch für die Viren sind. Ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest wird innerhalb von 15 bis 30 Minuten auf einem Teststreifen angezeigt, ob das gesuchte Molekül gefunden wurde und die Person vermutlich positiv ist oder nicht.

Allerdings sind Antigentests weniger zuverlässig als herkömmliche PCR-Tests. So gibt Abbott für seinen „Panbio COVID-19 Antigen-Test“ eine Spezifität von 99,4 Prozent an. Das heißt, von 1000 Proben sind sechs falsch-positiv.

Bei einer sehr geringen Prätest-Wahrscheinlichkeit für ein positives Ergebnis fällt das stark ins Gewicht. Ein Beispiel: In der deutschen Bevölkerung wurden bisher etwa 0,234 Prozent der Menschen positiv getestet (278.000 Positive auf 83 Millionen Einwohner).

„Negative Ergebnisse schließen COVID-19-Infektion nicht aus“

Bei einer solchen Quote kämen mit dem Abbott Test 2,3 richtig-positive Ergebnisse auf 6 falsch-positive. Abbott schreibt außerdem zu seinem Antigen-Test: „Negative Ergebnisse schließen eine COVID-19-Infektion nicht aus, und sie können nicht als alleinige Grundlage für die Behandlung oder grundlegende Entscheidungen herangezogen werden. Negative Ergebnisse müssen mit klinischen Beobachtungen, Patientenanamnese und epidemiologischen Informationen kombiniert werden.

Fazit: Antigen-Schnelltests sind dort geeignet, wo ein Patient mit COVID-19-Verdacht möglichst schnell abgeklärt werden soll. In solchen Populationen (Symptome, Kontaktperson) ist die Prätest-Wahrscheinlichkeit viel höher als in der Allgemeinbevölkerung. Antigentests sind hier viel zuverlässiger als in dem geschilderten Beispiel, allerdings nicht so präzise wie die PCR. (dpa/eis)

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