KBV

Weitreichende Reform angekündigt

Die KBV will sich reformieren: Auf den Prüfstand sollen Strukturen und Entscheidungsmechanismen kommen, kündigt KBV-Chef Gassen an. Eine größere Rolle sollen in Praxen angestellte Ärzte spielen.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 07.12.2015, 12:00 Uhr
Weitreichende Reform angekündigt

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen hat auf der Vertreterversammlung vom Konzept "KBV 2020" berichtet, das er nach eigenen Angaben angestoßen hat.

© Alex Kraus (Archivbild)

BERLIN. Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, hat eine weitreichende Reform der Körperschaft angekündigt.

Bei der öffentlichen Vertreterversammlung sprach er erstmals von einem Konzept "KBV 2020", das er angestoßen habe. Einzelheiten sollen in Klausurtagungen Anfang kommenden Jahres beraten werden.

Die bisherigen Strukturen und die Satzung der KBV sollen demnach auf den Prüfstand. Die Reform soll auch die Zusammensetzung der Vertreterversammlung und die Entscheidungsmechanismen betreffen.

Zudem sollen in ambulanten Strukturen angestellte Ärzte in den Gremien der KBV künftig eine größere Rolle spielen. Dazu soll ein seit Jahren in der Satzung verankerter Ausschuss für angestellte Ärzte und Psychotherapeuten mit Leben erfüllt werden.

"Mär vom Hausarzt-Facharzt-Konflikt"

Für Gassen geht es bei dem aktuellen Hickhack in der Vertreterversammlung der KBV nicht mehr nur darum, ob ein Staatskommissar die Parität zwischen den Versorgungsbereichen herstellt.

Ihm geht es um den Fortbestand der KBV als gemeinsame Körperschaft von Haus- und Fachärzten sowie Psychotherapeuten.

"Es geht um die Frage der Sektionierung nach getrennten KVen!", sagte Gassen in seinem Lagebericht. Wer die Gemeinsamkeit auf den Lippen trage, aber die Sektionierung wolle und insgeheim sogar betreibe, solle den Mut haben, Farbe zu bekennen. "Die Mär vom Hausarzt-Facharzt-Konflikt kann doch keiner mehr hören", sagte Facharzt Gassen.

Angesprochen war damit die Vorstandskollegin Regina Feldmann. Sie ging auf die Vorwürfe nicht direkt ein. Vielmehr griff sie auf Thesen aus dem aktuellen Buch von Fritz Beske zurück: Die schwierigen Aufgaben der Sicherstellung seien nur mit einem starken KV-System und einer ausgewogenen Interessenvertretung der Versorgungsbereiche zu meistern.

"Die Frage, wie viel Grundversorgung und wie viel Spezialisierung nötig ist, muss zwingend geklärt werden", sagte Feldmann. Dazu könne auch gehören, ein verbindliches Hausarztsystem zu errichten.

"Vertrauensausschuss" ins Leben gerufen

Die Aufarbeitung der juristischen Querelen, in denen die KBV steckt, ist im Gange. Seit dem 30. Oktober tage ein "Vertrauensausschuss" unter dem Vorsitz des Strafrechtlers und ehemaligen Richters Professor Hans Lilie von der Universität Halle-Wittenberg, gab der Vorsitzende der Vertreterversammlung, Dipl.-Psych. Hans-Jochen Weidhaas bekannt.

Lilie ist auch Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer.

Die Strafanzeige des Gesundheitsministeriums gegen den ehemaligen KBV-Chef Dr. Andreas Köhler wertete Weidhaas als "politisch zu wertendes Zeichen" im Vorfeld der Sitzung.

Die KBV werde die Staatsanwaltschaft "bestmöglich" unterstützen, kündigte Weidhaas an.

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