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AOK Nordost

Weniger Frühgeburten dank intensivierter Betreuung

Die Auswertung eines Versorgungsprogramms der AOK Nordost zeigt die Mittel auf, um die Frühgeburtenrate zu senken: Engmaschiges Screening und frühzeitige Risikochecks.

Angela MisslbeckVon Angela Misslbeck Veröffentlicht:
Warum kam das Baby so früh? In vielen Fällen wäre ein Risikoscreening sinnvoll gewesen.

Warum kam das Baby so früh? In vielen Fällen wäre ein Risikoscreening sinnvoll gewesen.

© Christ Media

BERLIN. Wie lassen sich Frühgeburten verhindern? Eine Möglichkeit hat die AOK Nordost mit ihrem Programm „Baby on Time“ gefunden. Nach Kassenangaben senkt es die Frühgeburtenrate um fast ein Drittel.

Die Mittel der Wahl: Frühzeitige Risikochecks und eine engmaschige Betreuung für Schwangere mit bestimmten Risikofaktoren. Bei den Programmteilnehmerinnen konnte die Frühgeburtenrate um 32,2 Prozent gesenkt werden. Das zeigt die Evaluation des dreijährigen Programmes durch die Forschung Beratung Evaluation (FBE) GmbH.

Vom Programmstart im Oktober 2014 bis zum Oktober 2017 haben die Wissenschaftler Screeningfragebögen und ärztliche Dokumentationsbögen für 2025 Einlings-Schwangerschaften ausgewertet. Die Daten wurden mit den Basisdaten des BabyCare-Programms verglichen. Diese Vergleichsstudie zeigte im Programm „Baby on time“ eine signifikant geringere Frühgeburtenrate von 6,1 Prozent im Vergleich zu 9,0 Prozent im BabyCare-Datensatz. Die interne Analyse der Versorgungsdaten der AOK bestätigte diese Tendenz.

Jede zehnte Schwangere betroffen

„Jetzt haben wir den wissenschaftlichen Beweis, dass mit der entsprechenden Vorsorge die Frühgeburtenrate um fast ein Drittel gesenkt werden kann“, so Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der Krankenkasse. Bei der AOK Nordost ist nach ihren Angaben pro Jahr fast jede zehnte schwangere Versicherte von einer Frühgeburt betroffen. „Dabei können teils schwere Komplikationen eintreten“, so Stoff-Ahnis.

„Baby on time“ wurde gemeinsam mit dem Berufsverband der Frauenärzte (BVF) unter Einbeziehung von Diabetologen entwickelt. Das Programm beginnt mit einem Risikoscreening bei den Schwangeren. „Nicht in allen Fällen können Frühgeburten verhindert werden. Aber es gibt einschlägige Risikofaktoren, die man in den Griff bekommen kann“, sagt BVF-Vorstandsmitglied Ulrich Freitag. Zu den häufigsten Ursachen für eine Frühgeburt zählen nach seinen Angaben unter anderem Vaginalinfektionen und Schwangerschaftsdiabetes, aber auch Stress. „Wir Frauenärzte haben deshalb schon vor Jahren spezielle Vorsorgemaßnahmen für diese Risiken gefordert und sind bei der AOK Nordost auf offene Ohren gestoßen.“

Spezielle Betreuung bei Risiken

Werden bei einer Schwangeren Risikofaktoren festgestellt, erhält sie im „Baby on Time“-Programm entsprechende Therapien, Screenings und Ultraschalluntersuchungen. Bei Schwangerschaftsdiabetes oder dem Verdacht darauf werden Diabetologen hinzugezogen. Bei psychischen und sozialen Belastungen hilft der soziale Dienst der AOK Nordost. „Was für einen Unterschied diese spezielle Behandlung und Betreuung von Risikopatientinnen macht, hat unsere Auswertung deutlich gezeigt“, sagt FBE-Studienleiter Dr. Wolf Kirschner.

Er verweist auch darauf, dass durch das Vaginalscreening bei 16 Prozent der Programmteilnehmerinnen eine bestehende oder sich entwickelnde Infektion rechtzeitig erkannt und therapiert wurde. „Das Vorsorgeprogramm der AOK Nordost leistet einen großen Beitrag zur Vermeidung von Frühgeburten“, so Kirschner.

Die Evaluation hat aber auch gezeigt, dass mit der Erhebung des Gelegenheitszuckers im Programmeingangs-Screening nicht alle Risikopatientinnen erfasst werden. Das Programm wurde daher weiterentwickelt. Nun wird beim Risikoscreening der Wert von 75 g oGTT als Aufgreifkriterium genommen. Ziel dieser Weiterentwicklung ist es laut AOK, die Versorgungsqualität zu steigern.

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