Leitartikel zum Samenspende-Urteil

Wir brauchen die gesellschaftliche Debatte und ein Gesetz

Das Urteil des Oberlandesgerichts Hamm zur Samenspende hat ein breites mediales Echo ausgelöst. Es muss eine gesellschaftliche Debatte mit einem in Gesetz gegossenen Ergebnis folgen.

Von Martin WortmannMartin Wortmann Veröffentlicht:
Samenproben werden eingelagert.

Samenproben werden eingelagert.

© Gentsch/dpa

Meist war es wohl eine schnell verdiente Mark, etwa für Studenten. Was schert mich mein Samen von gestern. Doch das war gestern. Spätestens mit dem Urteil des OLG Hamm zur Samenspende wird klar: Die Sache kann zurückkehren wie ein Bumerang.

Der biologische Vater kann zum rechtlichen Vater werden - wenn es das Kind nur will. Rund 20 Jahre liegen zwischen Samenspende und Volljährigkeit des so gezeugten Kindes. Und schon 1989 hatte das Bundesverfassungsgericht das Recht auf Kenntnis der eigenen genetischen Herkunft hervorgehoben. Damals ging es um nichteheliche Kinder.

Gesetzliche Regelungen zur Samenspende fehlen bis heute. Und so klingt es auch nach weiteren gut 20 Jahren immer noch nach knallendem Sprengstoff, wenn das OLG Hamm dieses Grundrecht der Kinder als "fundamentale Rechtsposition" umschreibt ...

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Kommentare
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Dr. Thomas Georg Schätzler

"Einsamer sucht Einsame zum Einsamen" -

hieß es mal in einer zweifelhaften Bekanntschaftsanzeige. Doch allen Post-Karnevalismus beiseite: Wenn es nach einer heterologen männlichen Samen- bzw. weiblichen Eizellspende oder beidem zur Schwangerschaft mit der Geburt eines neuen Menschen kommt, ergeben sich bio-psycho-soziale, moralisch-ethische Zielkonflikte.

Wer dann auch immer sozialpsychologisch oder -biologisch die Elternrolle als Vater und Mutter bzw. in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften oder "Patchwork"-Familien übernimmt, hat doppelte Aufgaben:
- Einerseits verlässliche soziale Kommunikations-, Bindungs- und Bezugsfähigkeit herzustellen und aufrechtzuerhalten.
- Andererseits die Sinn- und Herkunftssuche zu respektieren, Kinder und Jugendliche loszulassen bzw. zu akzeptieren, dass wir alle sie nur "geliehen" haben.

Auch in 250 Jahren, wenn Kinder mehrheitlich aus weiblichen Ei- und männlichen Samenzellen extrakorporal ausschließlich im Reagenzglas gezeugt und in künstlichen Gebärmüttern bis zur Geburtsreife aufgezogen würden, hätte jeder Mensch d i e existenzielle Frage: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Wer sind meine Mutter und mein Vater? Und wenn ja, warum? Und weshalb wurde ich in eine "Babyklappe" gelegt?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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