Direkt zum Inhaltsbereich

Zu rigide Kostenkontrolle gefährdet Patienten. Ein Patientenrechtegesetz wäre die richtige Antwort.

Von Wolfram-Arnim Candidus

Wir haben dringenden Handlungsbedarf für ein Patientenrechtegesetz. Insofern sind die Überlegungen der Bundesregierung und nahezu der gesamten politischen Mandatsträger vom Grundsatz her zu begrüßen.

Nach meiner Überzeugung sind in Deutschland die Rechte von Patienten, Versicherten, Nutzern und Angehörigen gefährdet oder unzureichend verankert. Die Bürgerrechte im Gesundheitswesen müssen von den nationalen und internationalen Grundrechten - wie etwa WHO-Dokumenten oder der Erklärung der Förderung der Patientenrechte 1994 in Amsterdam 1994 - abgeleitet werden. Wichtig ist dabei, dass es von unabhängigen und überparteilichen Experten entwickelt wird und nicht von Meinungen beeinflusst wird, die in finanzieller Abhängigkeit etwa von Krankenversicherungen oder politischen Organen stehen.

Die Definition aller Patientenrechte erfordert, die Bürger ebenso wie die Akteure in der Gesundheitsversorgung in Verantwortlichkeiten und Pflichten einzubinden. Somit kann ein solches Gesetz auch Mündigkeit und Selbstbestimmung der Bürger fördern:

  • Dies beginnt bei dem schon bestehenden und künftig noch wichtiger werdenden Recht auf vorbeugende Maßnahmen, um Krankheit, Leiden - und Kosten - zu verhindern.
  • Hinzu kommt das unabdingbare Recht auf gleichberechtigten Zugang für alle Bürger zu den Versorgungseinrichtungen im Gesundheitswesen, das ich wegen der ausufernden Kostenorientierung der Politik und der Krankenkassen nur noch "Krankheitsbetreuungssystem" nenne.
  • Genauso wichtig ist die Verankerung des Rechts auf qualitätsgesicherte Information über die gesundheitliche Versorgung und über den individuellen Gesundheitszustand.
  • Die aktive Einwilligung bei allen Entscheidungen, die sich auf die Gesundheit des Einzelnen bezieht, muss rechtlich geregelt werden.
  • Die bestehende Entwicklung der Versorgungsstrukturen be- und verhindert das Recht auf freie Wahl des Arztes, des Krankenhauses, der Rehabilitation, des Medikaments und Heil- und Hilfsmittels. Eine ungesetzliche Entmündigung der Versicherten und Patienten ist die Folge.
  • In einem Patientenrechtsgesetz sollte auch das Recht auf Innovation verankert werden, denn dieses Recht wird durch den Einfluss der Politik und der Krankenkassen immer häufiger gefährdet. Diese verdeckte Rationierung muss durch ein Patientenrechtegesetz eingegrenzt werden.
  • Weitere Regelungen müssen bei Fragen wie dem Recht auf Beschwerde und dem Recht auf Entschädigung getroffen werden.

Insgesamt könnte ein solches Gesetz helfen, das Vertrauen zwischen Ärzten, Patienten und Angehörigen anderer Gesundheitsberufe zu stärken. Meiner Ansicht nach sollten auch die Sozialgesetzbücher im Hinblick auf die Einhaltung der Patientenrechte überprüft werden. Aber parallel dazu muss auch die Bildungsarbeit zur Gesundheit gestärkt werden - anderenfalls bliebe die Wirkung eines Patientenrechtegesetzes notwendigerweise begrenzt.

Der Autor ist Präsident der Bürgerinitiative Gesundheit DGVP e.V.

Zur Jahresendausgabe 2010 der "Ärzte Zeitung" mit allen Artikeln

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Beitragssatzstabilisierungsgesetz

Abschaffung der TSVG-Honorare: Ist Nina Warkens Datenbasis falsch?

Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

© Paolese / stock.adobe.com (Model mit Symbolcharakter)

Neuer Therapieansatz bei erektiler Dysfunktion

Leitliniengerechte Therapie mit DiGA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Kranus Health GmbH, München
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Krisenkommunikation war Schwachpunkt in der Pandemie

© HL

Herbstsymposium der Paul-Martini-Stiftung

Krisenkommunikation war Schwachpunkt in der Pandemie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Pro & Contra

Betablocker nach Herzinfarkt – Standard oder Einzelfallentscheidung?

Tipps für das Gespräch

Krebsfrüherkennung: Das ist bei der Patientenberatung wichtig

Hautärztliche Empfehlungen

Welche Ernährung bei Akne ratsam ist

Lesetipps
Hausarzt Florian Vorderwülbecke mit seiner Tasche

© Vincenz Vorderwülbecke

Auf Haus- und Heimbesuch

Die perfekte Hausbesuchstasche: Worauf Sie beim Packen achten können

Viel hilft viel? Die Studienlage zu Probiotika ist im besten Falle durchwachsen.

© Romario Ien / stock.adobe.com

Dissens in Bezug auf Wirksamkeit

Wem oder wogegen helfen Probiotika?

In Deutschland machen frühe Erkrankungen mit Darmkrebs (EOCRC), also vor dem 50. Lebensjahr circa 5 Prozent der Neudiagnosen aus.

© Dmytro / stock.adobe.com

Registerauswertung aus neun Bundesländern

Mehr Darmkrebs-Neudiagnosen bei Jüngeren in Deutschland