Zukunft der Medizin ist weiblich

Mit steigendem Anteil an Ärztinnen wird sich die Arbeitskultur in Kliniken und Praxen ändern. Das nutzt auch Männern, so die Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbunds.

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Dr. Regine Rapp-Engels, Allgemeinmedizinerin, Münster

Dr. Regine Rapp-Engels, Allgemeinmedizinerin, Münster

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Apotheker Plus: Immer mehr Frauen studieren Medizin. Wie sehen Sie deren Zukunftsperspektiven?

Regine Rapp-Engels: Wenn die Zahl der Ärztinnen insgesamt zunimmt, wird dies unweigerlich auf die Gestaltung der Arbeitswelt Einfluss nehmen. Es werden insgesamt menschenfreundlichere Arbeitsbedingungen entstehen.

Davon profitieren auch die Männer. Denn auch sie wollen keine 60-Stunden-Wochen mehr. Ich erwarte darüber hinaus einen Wandel an den Universitäten: in Positionen wie W4-Professuren, in denen über Forschungsgelder und Projekte entschieden wird, wird der Frauenanteil ebenfalls steigen.

Apotheker Plus: Bislang sind Ärztinnen in Führungspositionen in Klinik und Forschung aber noch eher selten zu finden. Warum? Was müsste sich ändern?

Rapp-Engels: Viele Frauen tappen nach wie vor in die Familienfalle, zum einen bedingt durch tradiertes Rollenverhalten, dass sich eben die Frau um die Kinder kümmert, und zum anderen durch einen Mangel an passenden Möglichkeiten zur Kinderbetreuung.

Das muss sicherlich verbessert werden. Unabhängig vom Familienstand der Ärztinnen halten sich zudem noch Geschlechterstereotype in vielen Köpfen, die zum Beispiel über die Vergabe von Stellen entscheiden. Nach wie vor müssen Frauen mehr leisten, um die gleiche Qualifikation bescheinigt zu bekommen.

Wenn es um interessante, gut dotierte Posten geht, sind Frauen nach meiner Erfahrung oft auch noch zu zurückhaltend oder trauen sich im Gegensatz zu vielen Männern nicht so viel zu.

Apotheker Plus: Machen Frauen eine andere Medizin als Männer?

Rapp-Engels: Es ist bekannt, dass Frauen generell eher präventiv denken und für Präventionsangebote besser erreichbar sind - das gilt für die Patienten und Patientinnen ebenso wie für die Therapeuten und Therapeutinnenseite.

Ich denke auch, dass Frauen über eine höhere Kommunikationskompetenz verfügen. In einer Kölner Studie wurde zum Beispiel nachgewiesen, dass Ärztinnen, die Diabetiker behandeln, eine höhere Compliance und bessere Blutzuckereinstellung erreichen als ihre männlichen Kollegen.

Eine weitere Studie hat ergeben, dass Ärztinnen grundsätzlich länger mit ihren Patienten und Patientinnen reden. Dies kommte dem Bedürfnis von viele Kranken selbstverständlich entgegen. Die sogenannte sprechende Medizin wird allerdings im Vergleich zur Gerätemedizin leider nicht adäquat honoriert.

Apotheker Plus: Was wollen Sie als Präsidentin des Ärztinnenbundes für ihre Kolleginnen tun?

Rapp-Engels: Ich möchte der weiblichen Sichtweise auf Strukturen in der Medizin eine Stimme und ein Gesicht geben, damit die Interessen von Medizinerinnen mehr gehört und beachtet werden - in den eigenen Reihen und in der Öffentlichkeit. Meine Kandidatur für den Vorstand der Bundesärztekammer ist dazu ein weiterer Schritt.

Generell wäre es zu begrüßen, wenn mehr Frauen standespolitisch aktiv werden. Der Ärztinnenbund insgesamt bündelt die Belange aller Medizinerinnen ob in Praxis oder Klinik, ob Haus- oder Fachärztin und bietet Unterstützung bei Fragen zu Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zur Berufsweg- und Karriereplanung durch unser Mentorinnennetzwerk.

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