Berufspolitik

Zweitmeinungsportal - "unseriöse Abzocke"

NAV-Virchowbund und Berufsverband niedergelassener Chirurgen gegen "Vorsicht!Operation".

Veröffentlicht: 20.08.2011, 10:24 Uhr

BERLIN/HAMBURG (HL). Die von Ärzten gestartete Initiative "Vorsicht! Operation", die via Internet Patienten, denen ein chirurgischer Eingriff bevorsteht, ein Zweitmeinungsverfahren anbieten, stößt auf massive Kritik des NAV-Virchowbundes und des Bundesverbandes der Niedergelassenen Chirurgen.

NAV-Chef Dr. Dirk Heinrich weist darauf hin, dass Zweitmeinungen ohne direkten Patientenkontakt berufsrechtlich unzulässig sind. "Anscheinend wittern ehemalige Chefärzte ein einträgliches Geschäft und wollen von der Verunsicherung der Patienten profitieren." Neben der ungeklärten Haftungsfrage lasse die GOÄ Leistungen ohne Patientenkontakt - der Preis soll bei 500 Euro liegen - nicht zu. Dies sei der Grund, so vermutet der NAV, dass das Portal in der Schweiz beheimatet ist.

Auch der Berufsverband der Niedergelassenen Chirurgen warnt: Die Experten kennen den Patienten nicht persönlich und haben ihn nicht selbst untersucht. "Irgendwelche Aussage aufgrund von online übermittelten Daten wie MRT- oder Ultraschallaufnahmen sind unsinnig; wir lehnen dieses Vorgehen entschieden ab", so Verbandspräsident Dr. Dieter Haack.

Beide Verbände halten aber Zweitmeinungen für ein sinnvolles Vorgehen, überflüssige Operationen zu vermeiden. Haack: "Doch solche Entscheidungen müssen Arzt und Patient nach persönlicher Aufklärung über alle Vor- und Nachteile sowie alle möglichen Risikofaktoren gemeinsam treffen." Eine Internetbefragung könne die persönliche Konsultation nicht ersetzen.

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Kommentare
Uwe Schneider

Mäßigung auf beiden Seiten

Zweitmeinungen über das beschriebene Portal nach Aktenlage bzw. reinem Online-Kontakt haben natürlich nur eine eingeschränkte Aussagekraft. Wenn das den Patienten aber vermittelt wird (ggf. eben von ihrem Erstbehandler im direkten Arzt-Patienten-Gespräch), dann kann doch auch durch das Portal der eine oder andere gute Hinweis hervorgebracht werden. Das Portal dürfte zwar nicht so viel Gutes leisten, wie seine Initiatoren behaupten, aber auch nicht so viel Schlechtes wie seine Kritiker.


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