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Flucelvax® Tetra – Zellkultur-basierter Grippeimpfstoff für höhere Wirksamkeit

Flucelvax® Tetra von Seqirus ist der erste komplett in Säugetier-Zellkulturen hergestellte Influenza-Impfstoff. Im Vergleich zur Ei-basierten Herstellung von inaktivierten Influenza-Viren wird mit der Zellkultur-basierten Produktion eine höhere Übereinstimmung mit den zirkulierenden Viren und ein besserer Impfschutz erzielt.

Veröffentlicht: 25.06.2019, 15:19 Uhr
Flucelvax® Tetra – Zellkultur-basierter Grippeimpfstoff für höhere Wirksamkeit

Erreger der beim Menschen vorkommenden Influenza sind Orthomyxoviren vom Typ A und B. Viren vom Typ A werden aufgrund verschiedener Glykoproteine wie Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N) in Subtypen eingeteilt. Diese sind in der Virushülle eingelagert und bilden an der Virenoberfläche spikeartige Strukturen. Influenza-B-Viren werden nicht in Subgruppen unterteilt. Die in den Grippesaisons der vergangenen Jahre beteiligten Viren waren neben dem Influenza-A-Subtyp A(H1N1) besonders der Subtyp A(H3N2) sowie zwei B-Stämme. Die aktuellen Grippeimpfstoffe enthalten Antigene gegen diese vier Influenza-Stämme, so auch Flucelvax® Tetra von Seqirus.

Herstellung in Zellkulturen

Da sich Influenzaviren häufig genetisch verändern, hängt die Effektivität eines Impfstoffs von der Übereinstimmung mit den aktuell zirkulierenden Viren ab. Untersuchungen weisen darauf hin, dass besonders A(H3N2)-Viren während der wirtsfremden Produktion in Hühnereiern modifiziert werden und so ihre Wirksamkeit als Impfstoff herabgesetzt werden könnte.

Deswegen erfolgt die Zellkultur-basierte Impfstoffherstellung in Madin-Darby Canine Kidney (MDCK)-Zellen. Aufgrund der höheren Ähnlichkeit zum ursprünglichen (humanen) Wirtsorganismus wird angenommen, dass die Viren weniger Modifikationen während der Impfstoffproduktion durchlaufen als bei der Herstellung in Hühnereiern. Das belegt auch eine retrospektive Analyse zum Übereinstimmungsgrad von Ei- und Zellkultur-basierten CVV (von grippekranken Menschen isolierte und inaktivierte Viren, candidate vaccine viruses) und dem zirkulierenden saisonalen Virusstamm in den vergangenen sieben Saisons (2011/2012 bis 2017/2018): Von den Zellkultur-basierten A(H3N2)-CVV zeigte ein deutlich höherer Anteil eine Übereinstimmung mit den zirkulierenden Influenzaviren als von den Ei-basierten A(H3N2)-CVV.

Bessere Verträglichkeit

Außerdem besteht für Zellkulturbasierte Impfstoffe keine Kontraindikation für die Impfung von Patienten mit Hühnereiweiß-Allergie. Zudem sind diese Impfstoffe frei von Formaldehyd und Antibiotika. Die Herstellung ist leichter skalierbar (On-demand-Produktion) als bei der Virus-Vermehrung in einer limitierten Anzahl an Hühnereiern.

In der Europäischen Union ist der Zellkultur-basierte Vierfachimpfstoff von Seqirus seit Dezember 2018 zur Influenza-Prophylaxe für Kinder ab neun Jahren und Erwachsene jeder Altersgruppe zugelassen, in den USA seit 2016.

In der Impfsaison 2017/2018 wurde in den USA erstmals ein Impfstoff eingesetzt, bei dem der A(H3N2)-CVV von der Virusisolation an komplett in MDCK-Zellen vermehrt wurde. Für die anderen drei Stämme wurden noch ursprünglich aus Hühnereiern gewonnene Saatviren in Zellkulturen eingebracht. Für die Grippesaison 2019/2020 kündigte Seqirus an, ausschließlich mit Zellkultur-basierten CVV für alle vier Stämme zu arbeiten – und damit zu 100 Prozent Zellkultur-basiert.

Die Zulassung des Impfstoffs erfolgte aufgrund mehrerer Studien, in denen sowohl Zellkultur-basierte Impfstoffe (vierfach versus dreifach) als auch Impfstoffe unterschiedlicher Herstellung (dreifach aus Zellkultur versus dreifach aus Hühnereiern) miteinander verglichen wurden.

Verbesserter Impfschutz

Inzwischen liegen für die Saison 2017/2018 auch erstmals Daten zum direkten Vergleich zur Wirksamkeit von Zellkultur-basierten, tetravalenten Influenza-Impfstoffen (TIVz) gegenüber Ei-basierten, tetravalenten Influenza-Impfstoffen (TIVe) vor.

Für die nicht interventionelle, retrospektive Kohortenstudie wurden insgesamt über 1,3 Millionen elektronische Patientenakten von allgemeinmedizinischen Arztpraxen aus dem Zeitraum August 2017 bis März 2018 ausgewertet. Anhand der daraus gewonnen klinischen Daten wurde die relative Impfwirksamkeit von TIVz gegenüber TIVe bestimmt und abgeschätzt, welcher Impfstoff bei der Prävention von Influenza-ähnlichen Erkrankungen wirksamer ist.

92 192 Personen ab einem Alter von vier Jahren hatten einen TIVz erhalten, und 1 225 983 Personen waren mit einem TIVe geimpft worden. Die in der Primäranalyse dieser Studie geschätzte relative Impfwirksamkeit von 36,2 Prozent ließ darauf schließen, dass TIVz bei der Prävention von Influenza-ähnlichen Erkrankungen wirksamer war als TIVe (p < 0,001). Um potenzielle Einschränkungen der Aussagekraft zu vermindern, wurden die Datensätze strengen Qualitätskontrollen unterzogen, Quervergleiche der Expositionsklassifikation durchgeführt, verschiedene Ergebniscodesätze für Influenza-ähnliche Erkrankungen beurteilt und Variablen angepasst sowie mehrere Sensitivitätsanalysen angewandt. (akr)

Branche: Seqirus ist einer der international größten Hersteller von Grippeimpfstoffen. Das Unternehmen ging 2015 aus dem Zusammenschluss der Sparte bioCSL des australischen CSL-Konzerns mit dem akquirierten Grippeimpfstoff-Geschäft der Schweizer Novartis hervor. Produktionsbetriebe unterhält Seqirus in den USA, Großbritannien und Australien. Am traditionsreichen Marburger Standort („Behring Werke“) befindet sich die Endfertigung für den deutschen Markt. Der Mutterkonzern CSL (Commonwealth Serum Laboratories) vermarktet neben Impfstoffen auch Immunglobuline, Präparate gegen Hämophilie, Orphan Drugs sowie Arzneimittel gegen Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantation.

Umsatz und Gewinn: 2017/18 (zu Ende Juni) erwirtschaftete Seqirus knapp 1,1 Milliarden Dollar. Vor Zinsen und Steuern resultierten daraus 52 Millionen Dollar Betriebsgewinn. CSL kam im selben Geschäftsjahr auf 7,9 Milliarden Dollar Gesamtumsatz und 1,7 Milliarden Dollar Nettogewinn. Sowohl nach Umsatz als auch nach Gewinn erreichte CSL damit neue Rekordwerte.

F&E-Ausgaben: In den letzten Jahren hat CSL seine F&E-Investitionen kontinuierlich erhöht. 2017/18 waren es 702 Millionen Dollar, wobei etwas mehr als die Hälfte in die Entwicklung neuer Produkte floss, der Rest in Indikationserweiterungen oder optimierte Darreichungsformen für bereits zugelassene Produkte.

Pipeline: 14 Pipelineprojekte listet CSL derzeit in den Phasen I-III auf. Darunter bereits im fortgeschritteneren Stadium monoklonale Antikörper etwa gegen hereditäres Angioödem oder Riesenzell-Arteriitis sowie ein Apolipoprotein A-I zur Rezidiv-Prophylaxe nach akutem Myokardinfarkt. In frühen klinischen Tests wird unter anderem an einem Asthma-Antikörper und an einer mRNA-basierten Impfstofftechnologie gearbeitet. (cw)

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