DGHO-Bilanz

26 CAR-T-Zentren und bisher weniger Patienten als erwartet

Eines der avanciertesten onkologischen Therapieverfahren, die Behandlung mit modifizierten autologen T-Zellen, hat zwei Jahre nach Erstzulassung in Deutschland flächendeckend Fuß gefasst.

Von Christoph Winnat Veröffentlicht:
Bei der CAR-T-Zelltherapie werden Krebszellen (gelb) mittels gentechnisch veränderten T-Zellen (rot) abgetötet.

Bei der CAR-T-Zelltherapie werden Krebszellen (gelb) mittels gentechnisch veränderten T-Zellen (rot) abgetötet.

© luismmolina / Getty Images / i

Heidelberg. Erheblich weniger Patienten als erwartet – aber auch weniger Komplikationen im Versorgungsalltag als von vielen Experten zunächst befürchtet: So lautet eine erste Bilanz nach zwei Jahren CAR-T-Zelltherapie in Deutschland, wie sie unlängst von der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) gezogen wurde.

Zur Erinnerung: Im August 2018 hatte die EU-Kommission taggleich die zwei ersten CAR-T-Therapien europaweit zugelassen, Yescarta® (Axicabtagene ciloleucel) der Gilead-Tochter Kite und Kymriah® (Tisagenlecleucel) von Novartis. Beide Produkte werden gegen verschiedene B-Zell-Lymphome eingesetzt. Dabei werden autologe T-Zellen ex vivo genetisch so verändert, dass sie CD19 erkennen, ein Oberflächenprotein von B-Lymphozyten. Die modifizierten T-Zellen werden dem Patienten anschließend reinfundiert und sollen dann CD19-tragende Zellen gezielt angreifen und zerstören können.

Verträge mit beiden Anbietern

Inzwischen gebe es bundesweit 26 Zentren, berichtet die DGHO, die auf Grundlage entsprechender Verträge mit den Herstellern CAR-T-Therapien anbieten können. Die meisten Zentren hätten Verträge mit beiden Herstellern geschlossen. Wie ein Blick auf die Landkarte zeigt, erstreckt sich das Zentren-Angebot relativ gleichmäßig von Kiel im Norden bis Freiburg und München im Süden über die gesamte Republik. Mit dieser flächendeckenden Ausstattung kann Deutschland derzeit die höchste Anbieterdichte in Europa vorweisen und hebt sich damit erkennbar von seinen Nachbarn ab; nach Darstellung der DGHO kommt Frankreich derzeit auf lediglich fünf Zentren, Italien auf vier, UK und Spanien ebenfalls auf jeweils fünf.

Stand Mai dieses Jahres haben den Angaben zufolge erst 342 Patienten hierzulande eine CAT-T-Therapie erhalten. Im Rahmen der frühen Nutzenberwertung sei dagegen mit jährlich etwa 600 Patienten mit aggressivem B-Lymphom und 50 bis 65 Patienten mit B-Linien-ALL gerechnet worden. Laut einer Umfrage der Fachgesellschaft bei den Zentren erwartet allerdings etwas mehr als die Hälfte (15), dass die Patientenzahlen in den kommenden Monaten noch steigen.

342 Patienten wurden seit EU-Zulassung der CAR-T-Therapien Yescarta® und Kymriah® im Herbst 2018 mit einem dieser beiden Produkte in Deutschland bisher behandelt (Quelle: DGHO, Stand Mai 2020).

Unterdessen relativiert sich die Sorge vor schwerwiegenden Nebenwirkungen, wie sie in der Einführungsphase der CAR-T-Therapien bestand. „Die tatsächliche Rate der intensivpflichtigen Patienten liegt bei 14 Prozent und ist damit deutlich niedriger als initial erwartet. Die Sterblichkeitsrate liegt bei drei Prozent“, berichtet die DGHO unter Verweis auf ihre Umfrage.

Pauschale reicht vielen nicht

Auch anfängliche administrative und organisatorische Reibungsverluste bekäme man immer besser in den Griff, heißt es. Dadurch sei es möglich, die Therapie „wirtschaftlicher durchzuführen“. Trotzdem brenne den Zentren die Kostenfrage noch auf den Nägeln. Zwischen Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband seien 15.000 Euro Pauschalhonorar für die CAR-T-Therapie vereinbart worden, das der Umfrage zufolge aber von vielen Zentren (18) als nicht kostendeckend erachtet wird. Auch nach den Auswirkungen der Corona-Krise auf die CAR-T-Therapie hatte die DGHO bei ihrer Mai-Erhebung gefragt. Danach zog bis dato die Pandemie nahezu spurlos am Versorgungsalltag vorbei; nur drei Zentren bejahten die Frage, ob COVID-19 sie bei der Leistungserbringung beeinträchtigt habe.

Drittes Produkt in Sicht

Als drittes CAR-T-Produkt in Europa wird nun eine Zelltherapie für Patienten mit Multiplem Myelom erwartet, Idecabtagen vicleucel des US-Unternehmens Celgene (Konzernmutter: Bristol-Myers Squibb); unlängst wurden zulassungsrelevante Daten vorgestellt. Auch ein Zulassungsantrag für Idecabtagen vicleucel ist bei der europäischen Arzneimittelagentur EMA schon anhängig. Seitens der DGHO rechnet man mit einem positiven Bescheid „spätestens Anfang nächsten Jahres“.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
MRT-Bildgebung und Monitoring

© wedmoments.stock / stock.adobe.com

Plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1

MRT-Bildgebung und Monitoring

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Digitale Integration: In der elektronischen Patientenakte sollen sämtliche Befunde, Verordnungen und Behandlungsstationen eines Patienten gespeichert werden. Den mündigen Umgang damit, müssen viele erst noch lernen.

© Andrea Gaitanides / stock.adobe.com

Datenschutz im Praxisalltag

ePA 2026: Schutzlücken bleiben – wie sie im Alltag umschifft werden können