Kommentar

AKR: Kampf um Honorare?

Von Kerstin Mitternacht Veröffentlicht: 20.04.2011, 05:00 Uhr

Nachdem zuletzt die Gegner die Debatte um die Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR) dominiert haben, melden sich jetzt die Befürworter. Diese kommen unter anderem aus der KV Sachsen-Anhalt und fordern mit Nachdruck eine schnelle Einführung der AKR.

Die Ost-KVen sehen in den Kodierrichtlinien die Chance, dass die Morbidität der Versicherten genau abgebildet wird und sie so in Zukunft mit einer besseren und gerechteren Vergütung rechnen können.

Nach außen wirkt die Diskussion mittlerweile fast so, als ob es nicht um den Aufwand für die Umsetzung der AKR geht, sondern dass sich dahinter ein Verteilungskampf ums Honorar zwischen den Regionen verbirgt: Auf der einen Seite der Osten, mit vielen alten und kranken Patienten und auf der anderen Seite Länder, die kein Interesse daran haben, dass die Morbidität in ihrem Land genau abgebildet wird.

Denn womöglich hätte eine genaue Kodierung die Folge, dass eine höhere Vergütung nicht in allen Ländern zum Tragen käme.

Wenn es sich in der Debatte um die AKR wirklich nur um vorgeschobene Argumente handeln sollte, dann könnten die Kodierrichtlinien manchen Funktionären am Ende auf die Füße fallen.

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Kommentare
Dr. Axel Brunngraber

Sie sind offenbar nicht korrekt informiert

Ihre Darstellung, zunächst hätten zwar die Gegner des AKR-Zwangs die Oberhand gehabt, nun aber würden sich die Befürworter melden, stimmt einfach nicht. Der Fall ist doch schon längst ausgepaukt!
Fakt ist, dass in der AKR-Abstimmung der KBV-VV zunächst das derzeit gültige Votum ("Nur Stichproben/ erst ab 2012") mit großer Mehrheit getroffen wurde. Anschließend haben die Kodier-Willigen ihren Antrag auf unterschiedliches Vorgehen der einzelnen Länder eingebracht und diese Abstimmung sofort haushoch verloren.
Die Pro-AKR-Initiative von SH e.a. hat also bereits einen beträchtlichen Bart und hat sich längst das definitive Votum der VV gegen derartige Alleingänge geholt. Der Rest ist leider undisziplinierte PR gegen eine gemeinsame konsentierte Beschlußlage. Soviel zur Faktenlage wollen Sie doch bitte den Lesern zugänglich machen.
MfG Dr. Axel Brunngraber, VV der KBV für Niedersachsen, Mit-Initiator des obsiegenden Antrags 2 zum TOP AKR

Dr. Thomas Georg Schätzler

Hase und Igel für die KV Sachsen-Anhalt?

Lieber Herr Kollege Popert,
der ÄZ-Kommentar von Kerstin Mitternacht ist aber wesentlich klüger, als Sie es darstellen. Sie haben sich wahrscheinlich mächtig über Sachsen-Anhalts KV-Chef Dr. Burkhard John geärgert, der eine schnelle Einführung der Ambulanten Kodierrichtlinien (AKR) fordert, und "hauen" stattdessen auf die ÄZ-Kommentatorin.

Sachsen-Anhalts KV sieht in den AKR die einzige Chance auf "schnelles Geld" und eine gerechtere Vergütung. Sie möchte beim Wettrennen zwischen Hase und Igel den Igel mimen. Doch weder die bisher völlig verpeilte KBV noch Dr. med. Philipp Rösler als Bundesgesundheitsminister wollen die überbürokratisierten, 5-Stellen-tiefen AKR in der jetzigen Form. Stichproben und Humanmedizin konforme Anwendungen täten es auch, damit unsere Patienten nicht n u r verwaltet, sondern auch effektiv b e h a n d e l t werden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Dr. Uwe Wolfgang Popert

Etwas mehr Logik bitte

Liebe Frau Mitternacht
1) Es mag ja sein, dass die östlichen KVen finanzielle Motive bei der Kodierung antreiben - logisch ist das nicht. Sie gehen nämlich davon aus, dass sie bereits jetzt wesentlich besser kodieren (und derzeit wird der RSA ja bereits nach Morbidität verteilt) - und damit bereits jetzt profitieren.
Würden alle anderen KVen bei der Kodierung aufrüsten, wäre der Vorsprung für die Sachsen dahin!
2) Wer sagt denn, dass die AKR zu einer Abbildung höherer Morbidität führt? Bisherige Erfahrungen sprechen klar dagegen. Wenn viele Dauerdiagnosen wegfallen, wird die dargestellte Morbidität geringer. (Warum wohl drängeln die Kassen so? - doch nicht, weil sie gerne mehr Honorar bezahlen wollen!)
3) Köhler hat im Zusammenhang mit der AKR im Dez. 2010 (zu Recht) gefordert: vor neuer Bürokratie müssen eine Erprobung, Evaluation, Kostenabschätzung und zusätzliche Honorierung stehen. Von derartigen Aktivitäten der KBV ist aber weit und breit nichts zu sehen. (Nach einer Abschätzung bisheriger Studiendaten würde eine AKR-Umsetzung pro Jahr etwa 2.500 Mio € zusätzlich kosten - die Kassen locken derzeit mit einmalig 500 Mio €)
Fazit: beim Blick aufs Geld bitte den Verstand nicht ausschalten!


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