Stützungsmaßnahmen

Ärzte fordern Einbeziehung der PKV in Coronavirus-Schutzschirm

Ein Teil des gesparten Geldes der PKV durch weniger Ausgaben gehöre in den Schutzschirm für die niedergelassenen Ärzte, fordern Ärzteschaft und Berufsgenossenschaft.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 31.03.2020, 12:47 Uhr

Köln. Ärzteorganisationen fordern, dass die Stützungsmaßnahmen für niedergelassene Ärzte, die unter der Corona-Krise leiden, nicht nur von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Sie sehen auch die privaten Krankenversicherer (PKV) sowie die Berufsgenossenschaften in der Pflicht. „Wir brauchen die Solidarität aller Leistungsträger im Gesundheitswesen“, sagt Dr. Benjamin Fritz, Radiologe aus dem niederrheinischen Willich und einer der Gründer der Ärztekooperation „Rheinlandärzte“.

Es sei zwar sehr zu begrüßen, dass so schnell Kompensationsmaßnahmen auf den Weg gebracht wurden, findet er. Allerdings kommen nach seiner Einschätzung die niedergelassenen Ärzte im Krankenhausentlastungsgesetz zu kurz. „Letztendlich bilden die Niedergelassenen den Schutzwall für die Krankenhäuser“, sagt Fritz der „Ärzte Zeitung“. Ihr Einsatz im Kampf gegen COVID-19 und ihre Interessen gerieten aber immer wieder aus dem Blick.

„Konzentration auf GKV-Sektor greift zu kurz“

Die Konzentration der Hilfsmaßnahmen auf den GKV-Sektor greife zu kurz. Immerhin seien zehn Prozent der Deutschen privat versichert, die Bedeutung für den Umsatz sei noch deutlich größer. „Viele Ärzte könnten ohne die PKV-Einnahmen nicht überleben“, betont Fritz, der auch Vorsitzender der Kreisstelle Viersen der Ärztekammer Nordrhein ist.

Die PKV-Unternehmen würden während der Krise von den meisten Versicherten weiter Beiträge erhalten, ihre Ausgaben würden sich aber in dieser Zeit deutlich verringern, da weniger Patienten in die Praxen gingen. Ähnlich sehe es bei den Berufsgenossenschaften aus. „Sie bekommen weiterhin Beitragszahlungen, allein durch die Schließung von Betrieben, Schulen und Kitas gehen die Verletzungsraten aber deutlich nach unten“, erläutert er. Ein Teil des so gesparten Geldes gehöre in den Schutzschirm für die niedergelassenen Ärzte.

SpiFa fordert Fonds

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) fordert ebenfalls eine finanzielle Beteiligung der PKV. Als Kompensation für die Honorarausfälle im privatärztlichen Bereich hält er die Schaffung eines Fonds für notwendig, in den die PKV und die Träger der Beihilfe einzahlen sollen. Der SpiFa schlägt vor, dass der Fonds beim PKV-Ombudsmann angesiedelt und mit den Stützungsprogrammen der Bank KfW kombiniert wird.

„Die Dualität des deutschen Gesundheitssystems bringt neue Herausforderungen, denen sich auch die privaten Versicherer stellen sollten“, so Hauptgeschäftsführer Lars Lindemann. „Es wäre fatal, wenn die bisher geführten Argumente der Quersubventionierung durch die PKV sich als Schönwetterargumente zeigten.“

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