Ärztinnen - mit Hilfe die Karriereleiter hoch

Viele Ärztinnen geben sich zu wenig selbstbewusst und verspielen so Karrierechancen. Mit Hilfe von Netzwerken könnte sich das ändern, so die Vizepräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes, Dr. Kirstin Börchers.

Anne-Christin GrögerVon Anne-Christin Gröger Veröffentlicht:
Wollen Ärztinnen in die erste Reihe, müssen sie fordernder werden, rät der Deutsche Ärztinnenbund.

Wollen Ärztinnen in die erste Reihe, müssen sie fordernder werden, rät der Deutsche Ärztinnenbund.

© Andres Rodriguez / Fotolia.de

DÜSSELDORF. Ärztinnen, die in Klinik oder wissenschaftlicher Forschung Karriere machen wollen, müssen sich noch stärker in Netzwerken zusammenschließen und sich Mentoren suchen. Dazu ermutigt Dr. Kirstin Börchers, Vizepräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes.

"Mit Hilfe einer gestandenen Kollegin oder eines Kollegen kann es viel einfacher sein, eine Karriere stringent zu planen und voranzutreiben", sagte Börchers auf dem Medicakongress "Ärztin 2020 - Perspektiven für die Ärztin von morgen" in Düsseldorf. Viele Kliniken böten ein entsprechendes Programm bereits an, etwa die Charité in Berlin.

Fordernde Kommunikation aneignen

Teil der Unterstützung können Schulungen zum Thema Führungskompetenzen, Selbstvermarktung oder Bewerbungsverfahren sein. Aber auch Rhetorikkurse machen es Medizinerinnen leichter, sich an der Klinik gegen ihre männlichen Kollegen durchzusetzen.

"Frauen formulieren oft passiv und weniger fordernd als Männer", sagte Börchers.

Ihr Credo: Wer seine Kompetenzen gegenüber dem Chefarzt immer im Konjunktiv formuliert - "Ich denke, ich hätte auch die Fähigkeiten für den Job des Oberarztes" - braucht sich nicht zu wundern, wenn der Kollege bei der Stellenbesetzung vorgezogen wird, weil er aktiv gesagt hat: "Ja, ich kann das."

Leistung alleine reicht nicht

Reine Leistung reicht jedoch nicht aus, um Karriere zu machen, weiß Börchers. "Ärztinnen, die hoch hinaus wollen, müssen sich auch an ein paar unsichtbare Spielregeln halten", sagte sie.

Dazu gehört, Augen und Ohren offen zu halten. "Viele Entscheidungen werden im Hinterzimmer unter Männern getroffen", sagte sie. "Wer weiß, wo die Strippen gezogen werden, kann dabei sein und sich ins Gespräch bringen."

Mutig Forderungen stellen

Angesichts des Ärztemangels, der in vielen Kliniken schon Realität ist, sollten Frauen den Mut aufbringen, auch Forderungen an den Arbeitgeber zu stellen.

"Frauen können sich heute vielerorts viel eher leisten, familienfreundliche und flexiblere Arbeitszeiten zu fordern als früher", sagte Börchers. Die verstärkte Abwanderung vieler Kollegen ins Ausland sein ein weiterer Pluspunkt, den Ärztinnen nutzen sollten.

Festes Ziel setzen

"Die Chancen sind so gut wie nie", bestätigte Dr. Gabriele Kaczmarczyk, Gastprofessorin an der Berliner Charité und Mitautorin eines Buch über Karrierestrategien für Ärztinnen.

Dabei sei es wichtig, dass sich die Ärztin ein festes Ziel setze, wo sie in ein paar Jahren beruflich stehen will. "Die Haltung, mal abzuwarten und zu sehen, was sich so anbietet, ist out", sagte sie.

Lesen Sie dazu auch: Karriere um jeden Preis - das wollen weder Frauen noch Männer

Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Alexander Baasner und Dr. Stefan Spieren (v.l.) haben die Idee der Digitalen Hausärztlichen Versorgungsassistenten (DIHVA) entwickelt.

© Digitales Facharzt- & Gesundheitszentrum

Neues Berufsbild

Bürger als Assistenten: Hausarzt entwickelt Idee der DIHVA

Das Team um Dr. Nicolas R. Barthélemy geht davon aus, dass mit dem Bluttest über die LC-MS-Methode in einem größeren Maßstab mehr Menschen auf eine Alzheimer-Pathologie untersucht werden können, als dies mit Lumbalpunktion und Liquortests bisher möglich ist. Damit ließe sich wesentlich einfacher ermitteln, ob jemand für die neuen Alzheimertherapeutika infrage komme.

© angellodeco / stock.adobe.com

Nachweis von pTau-217

Alzheimer-Diagnostik: Neuer Bluttest offenbar so gut wie Liquortests