Anlagetrend 2019

Aktien sind nicht mehr alternativlos

Aktien waren die letzten Jahre die Renditebringer schlechthin. Doch der Wind dreht sich für Anleger, so Investitionsprofis beim Zinsforum.

Von Alexander JoppichAlexander Joppich Veröffentlicht:
Tilmann Galler von J. P. Morgan beim Zinsforum: Die Quote für eine US-Rezession liegt 2020 bei 50 Prozent, so der Global Market Strategist bei seinem Vortrag.

Tilmann Galler von J. P. Morgan beim Zinsforum: Die Quote für eine US-Rezession liegt 2020 bei 50 Prozent, so der Global Market Strategist bei seinem Vortrag.

© Alexander Joppich

FRANKFURT/MAIN. In Aktien investieren oder sein Geld auf einem Sparkonto arbeiten lassen? In den letzten Jahren schlug das Pendel durch ein stabiles weltweites Wirtschaftswachstum klar in Richtung Börse aus, da die Renditen von Spar- und Tagesgeldkonten kaum lukrativ waren – anders als noch vor zehn Jahren: Damals betrug deren Rendite noch vier bis fünf Prozent. Wie sich die Konjunktur in der näheren Zukunft entwickeln wird und was das für Sparer und Investoren bedeutet, war kürzlich ein Thema beim „33. Internationalen Zinsforum“, veranstaltet von Platow Medien, in Frankfurt am Main.

Einig waren sich die Referenten darin, dass sich das Wirtschaftswachstum in den USA abschwächen wird. Tilmann Galler, Global Market Strategist bei J. P. Morgan Asset Management, prognostiziert, dass der US-Markt sich im Spätzyklus der Wachstumsphase befindet. „Der Bullenmarkt hat ein reifes Alter“, so Galler. Die Unternehmen hätten die profitabelsten Quartale wohl bereits hinter sich.

Bipolares Wachstum

Schon jetzt sei die Phase des weltweiten, synchronen Wachstums beendet, sagte Galler weiter. Derzeit erlebten Anleger noch ein bipolares Wirtschaftswachstum mit einem sehr starken US-Markt und einer Abkühlung in Europa und den Emerging Markets, sprich: Schwellenländern wie China und Indien. 2019 könnten Anleger gleichwohl mit Wachstum rechnen. Doch auch das werde global nicht synchronisiert laufen, meint Senior Portfolio Managerin Uta Fehm von USB Asset Management.

Langfristige Profiteure der Wirtschaftsschwäche in Japan und der Euro-Zone seien voraussichtlich die Emerging Markets. Die aufstrebende Wirtschaften Brasiliens, Chinas oder Indiens hätten das Potenzial, in die Lücke zu springen, die sich auftut, wenn große Wirtschaftsnationen schwächeln, prognostiziert Fehm – interessant für Anleger.

Mit Ausnahme der US-Wirtschaft hätten Analysten schon für 2018 erkannt, dass potente Industrie- und Handelsnationen wie Japan und die Länder Europas sich „auf dem absteigenden Ast“ befinden, so Fehm.

Trendwende voraus

Was können Anleger für ihre Entscheidungen 2019 vom Zinsforum mitnehmen? Der Wind bei Investitionen drehe sich, so der Konsens der Finanzprofis. Festverzinsliche Anlagen lohnen sich in den USA langsam wieder, was ungünstig für die Aktienmärkte ist, so Tilmann Galler von J. P. Morgan. Der TINA-Trend – there is no alternative; es gibt keine Alternative (zu Aktien) – sei daher gebrochen. Trotzdem seien die Aktienmärkte weiterhin attraktiv – zumindest derzeit noch.

Die entscheidende Frage ist für die Referenten eher, wann es zur nächsten globalen Rezession kommt. Ein Handelskrieg mit den USA spiele zumindest keine große Rolle für die chinesische Wirtschaft, so Portfolio-Managerin Ute Fehm. Höchstens ein Wachstumsprozent des Bruttosozialprodukts (BSP) werde das Land maximal dadurch einbüßen – Chinas Wirtschaft wächst jedoch seit Jahren um über sechs Prozent jährlich.

Die langfristige Wirtschaftsstrategie der Chinesen, die über mehrere Regierungen realisiert werde – Stichwort: „Neue Seidenstraße“ –, habe stärkere Auswirkungen auf das Wachstum Chinas als amerikanische Handelsplanungen, die nur von einer Wahl zur nächsten reichten. Aber: Fehm sieht die Gefahr, dass der Handelskrieg in einen Technologiekrieg übergehe, so dass US-Unternehmen verboten werden könnte, Technologien chinesischer Firmen zu nutzen.

Die schwächere chinesische Nachfrage aufgrund der Sanktionen hat nur geringe Auswirkungen auf den europäischen Markt, meint Senior Portfolio Manager Henrik Pedersen von Credit Suisse Asset Management.

Hohe US-Rezessionsgefahr

Und die US-Konjunktur? Nächstes Jahr gebe es wohl noch ruhigeres Fahrwasser, aber die Rezessionswahrscheinlichkeit für 2020 liegt bei über 50 Prozent, meint Marktstratege Galler. Der Leiter des Portfolio-Managements bei Pimco, Andrew Bosomworth, stimmt dem zu. Seine These: Bei der nächsten Rezession werden Anleger wohl 0%-Zinsen auf zehn Jahre sehen. Fazit: Vorsichtige Sparer dürfen auf höhere Zinsen hoffen – solange die Rezession ausbleibt.

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