Kassen kritisieren Ärzte

Aktuelle Sprechzeiten sind nicht zeitgemäß!

Niedergelassene Ärzte gehen bei ihren Sprechstunden nicht mit der Zeit, kritisiert der GKV-Spitzenverband. Die Kassen fordern: Heutzutage sind flexiblere Sprech- und Praxisöffnungszeiten nötig!

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Dass Arztpraxen abends und am Wochenende geschlossen sind, finden die Kassen offenbar nicht mehr zeitgemäß.

Dass Arztpraxen abends und am Wochenende geschlossen sind, finden die Kassen offenbar nicht mehr zeitgemäß.

© ArTo / Fotolia

Berlin. Der GKV-Spitzenverband hat die Ärzte aufgefordert, flexiblere Sprechstunden anzubieten.

„Die Versicherten dürfen zu Recht erwarten, dass sich die Öffnungszeiten der Praxen nach ihren Bedürfnissen richten“, sagte das neue Vorstandsmitglied im Kassen-Spitzenverband, Stefanie Stoff-Ahnis, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag).

In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Lebenswirklichkeit vieler Menschen komplett geändert: Sie kauften online ein, arbeiteten mobil, ein Rund-um-die-Uhr-Service sei in vielen Branchen selbstverständlich geworden. Die niedergelassenen Ärzte hätten sich darauf aber nicht eingestellt.

„Modernisierungsschub“ gefordert

„Die Praxen sind Mittwoch- und Freitagnachmittag oder am frühen Abend fast alle gleichzeitig geschlossen, am Samstag sowieso“, sagte Stoff-Ahnis. „Die Ärzteschaft ist dringend gefordert, mit der Zeit zu gehen und über mehr Flexibilität und Koordination untereinander die Versorgung der Patienten zu verbessern.“

Stoff-Ahnis forderte zudem einen „Modernisierungsschub“ in den Praxen. „Im Zeitalter der Online-Kommunikation erwarten die Versicherten, dass ihnen auch online per Videosprechstunde geholfen wird.“ Die Videosprechstunde müsse Alltag werden. (dpa)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Cornelia Karopka

Öffnungszeiten

"Die Praxen sind Mittwoch- und Freitagnachmittag oder am frühen Abend fast alle gleichzeitig geschlossen, am Samstag sowieso“, sagte Stoff-Ahnis"- und die AOK Nord-Ost, bei der Frau Stoff-Ahnis ihre Karriere begonnen hat, bietet in Berlin Mo,Mi und Freitag Öffnungszeiten bis 13:00 Uhr an, in den übrigen Zeiten kann man eine Mail schreiben. Das kann man bei vielen Arztpraxen inzwischen auch. Daneben fahren wir Hausbesuche und am Wochenende werden die von der GKV verlangten Weiterbildungen angeboten. Im Übrigen wird überall postuliert, dass die Medizin "weiblicher" geworden ist- und auch Ärztinnen haben hin und wieder Familie und Kinder.
Eine völlig unnötige Debatte. Wer krank ist, geht nicht online, sondern ganz real zum Arzt, die medizinische Versorgung ist rund um die Uhr gewährleistet.

Dr. Klaus Günterberg

Die Arbeit folgt dem Geld - nicht umgekehrt

Die Arbeit folgt dem Geld - nicht umgekehrt. Das lernt jeder Wirtschaftsstudent schon im ersten Semester.

Als ich vor 30 Jahren einen Vertrag mit den Krankenkassen schloss, mich als Vertragsarzt niederließ, da ging es um eine Vergütung meiner Arbeit für 16 Sprechstunden. Mein Honorar aus der GKV kann ich über die lange Zeit zurückverfolgen; es hat sich nicht verändert.
Vor Jahren aber hat mein Vertragspartner den Vertrag gebrochen: Er verlangte 20 Stunden Sprechzeit - bei gleicher Vergütung. Nun hat der den Vertrag wieder gebrochen, er verlangt 25 Stunden Sprechzeit. Er verspricht zwar ein zusätzliches Honorar; heruntergerechnet sind das ca. 8 (acht!) Euro pro Sprechstunde. Davon könnte ich nicht einmal meine Mitarbeiter bezahlen.

Nun fordern die Krankenkassen "flexiblere" Sprechstunden - gemeint sind weitere Sprechstunden. Für ein gleiches Honorar. Was absehbar war.
Meine Reaktion auf die geforderte Vernetzung per TI und auf mehr Sprechstunden war: Ich habe meinen Vertrag mit den Krankenkassen per 30.9.2019 gekündigt und arbeite nun nur noch privatärztlich. Einzelheiten zu meiner Entscheidung sind auf meiner Homepage nachzulesen.

Ulrike Behm

Warum nicht 80 Stunden arbeiten?

Stoff-Ahnis darf sich gerne mal vom Schreibtisch wegbewegen und sich die REALITÄT der Arztarbeit in den Praxen anschauen. Schrecklich, diese Ignoranz!!

Cornelia Dölling

Dr. med. Josef Schmitt aus der Schweiz, schrieb uns folgenden Kommentar

Rund um die Uhr Öffnung der Praxen nur mit Abschaffung der KV in Deutschland und mit Privathonorar machbar Herr Nachbar, direkt mit Patienten abrechnen wie in der Schweiz und Eigenanteil von 10% des Rechnungsbetrages empfehlenswert!

Dr.med. Henning Fischer

... und Kassenarzthonorare sind ABSOLUT nicht zeitgemäß


typisch Krankenkassen: bestellen, aber nicht bezahlen

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