Teleintensivmedizin

Anästhesisten fordern OPS-Ziffer

Teleintensivmedizin hilft nachweislich, die Versorgung zu verbessern. Noch hapert es aber an einer ausreichenden Finanzierung. Eine eigene OPS-Ziffer soll hier helfen.

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BERLIN. Für die telemedizinische Mitbetreuung von Intensivstationen durch spezialisierte Experten soll es eine OPS-Ziffer geben. Das ist zumindest das Ziel der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Beim 7. Nationalen Telemedizinkongress in Berlin berichtete Professor Gernot Marx von der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Uniklinikum Aachen über die Fortschritte in Sachen Teleintensivmedizin in Deutschland. Marx ist im DGAI-Vorstand der Vertreter Intensivmedizin und designierter neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin (DGTelemed).

Bei der Teleintensivmedizin helfen große, oft universitäre Intensivstationen bei der Betreuung von Patienten auf Intensivstationen kleinerer Häuser. Zumindest bei der deutschen Spielart der Teleintensivmedizin ersetzen die Tele-Ärzte nicht die Intensivmediziner vor Ort, sondern coachen sie nach Art einer zusätzlichen Visite.

Die Teleintensivmedizin habe eine Art "Schwiegermuttereffekt", sagte Marx in Berlin. Sie führe dazu, dass bestimmte Maßnahmen, die nachweisbar das Outcome der Patienten verbessern, beispielsweise bei der Sepsis, konsequenter genutzt würden. Es gebe deutliche Hinweise, dass dadurch die Sterblichkeit auf den mitbetreuten Intensivstationen gesenkt werden könne, so der Anästhesist, dessen Intensivstation am UK Aachen seit Juli 2015 fünf weitere Kliniken mitbetreut.

Nachhaltig genutzt werden kann diese Art der Telemedizin freilich nur dann, wenn die Finanzierung geregelt ist. Um dorthin zu kommen, haben die deutschen Anästhesisten im Frühjahr beim DIMDI den Antrag auf Schaffung einer OPS-Ziffer eingereicht. Vorbild ist die Schlaganfalltelemedizin, für die es seit einigen Jahren eine ursprünglich von den Neurologen vorangetriebene OPS-Ziffer gibt. "Uns ist klar, dass das ein langer Weg ist, aber wir wollten den Stein ins Rollen bringen", so Marx.

Ähnlich wie bei der Schlaganfalltelemedizin soll die OPS-Ziffer auch bei der Teleintensivmedizin den Vorstellungen der DGAI zufolge an umfangreiche Strukturfaktoren sowie an evidenzbasierte Qualitätsindikatoren gekoppelt werden, um zu verhindern, dass die Ziffer für eine Rationierung auf Kosten der Patienten missbraucht wird. Um hier eine bessere Basis zu haben, wurde parallel zum Antrag auf eine OPS-Ziffer unter Federführung der DGAI eine Leitlinie zur Teleintensivmedizin erarbeitet und von der AWMF genehmigt.

Diese Leitlinie beschreibt unter anderem Minimalvoraussetzungen für die Ausstattung sowohl der zentralen als auch der peripheren Intensivstationen eines Tele-Netzwerks. Als Erfolgskriterien definiert werden unter anderem eine Verringerung der Krankenhausletalität von Patienten, die länger als 24 Stunden beatmet werden sowie eine Verringerung der Dauer des Aufenthalts auf der Intensivstation. "Es geht bei der Teleintensivmedizin nicht darum, jede kleinste intensivmedizinische Einheit am Leben zu erhalten. Wir wollen, dass die, die gut sind, noch besser werden", so Marx. (gvg)

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