Generika

Angebotsvielfalt geht zurück

Ist das Generikageschäft in Deutschland nicht mehr attraktiv? Zumindest nehmen immer weniger Hersteller von Nachahmerprodukten an einer breit gestreuten Marktbelieferung teil. Das zeigt eine Studie des IGES-Instituts.

Christoph WinnatVon Christoph Winnat Veröffentlicht:

BERLIN. Generika schaffen auf Kostenträgerseite regelmäßig neuen finanziellen Spielraum für patentgeschützte Innovationen.

Der Generikaanteil an der Arzneimittelversorgung steigt stetig und beträgt nach Angaben des Branchenverbands Pro Generika mengenmäßig derzeit 77 Prozent.

Auf der Angebotsseite allerdings lichten sich mit der Zeit die Reihen derer, die weiterhin mit von der Partie bleiben wollen. Das geht aus einer Studie des Berliner IGES-Instituts im Auftrag von Pro Generika hervor.

Erklärend teilt Pro Generika dazu mit, zusätzlich zu dem "ohnehin intensiven Preiswettbewerb, in dem sich Generikaunternehmen behaupten müssen", sorgten stetig sinkende Festbeträge sowie die seit 2007 nachhaltig marktrelevanten Rabattausschreibungen einzelner Krankenkassen für einen "extrem hohen Kostendruck".

Zehn Jahre beobachtet

Anhand ausgewählter Wirkstoffe, die in der Zeit zwischen 2006 und 2013 den Patentschutz verloren - insgesamt 138 Substanzen -, wurde von den Gesundheitsökonomen unter anderem die Wettbewerbssituation nach dem ersten sowie nach dem zweiten Jahr im Anschluss an den Markteintritt erster Generika analysiert.

Zusätzlich wurden die ausgewählten Wirkstoffe je nach Wettbewerbsintensität in drei Subgruppen eingeteilt: eine Referenzgruppe mit "funktionierendem Generikawettbewerb", eine Gruppe mit "eingeschränktem Generikawettbewerb" und eine dritte Gruppe mit "stark eingeschränktem Wettbewerb".

Kriterien der Wettbewerbsintensität waren unter anderem Anbieterzahl, Verbrauchsmengen oder der Preisverfall nach Patentablauf. In der Referenzgruppe zählte IGES demnach im Beobachtungszeitraum 2006 bis Mitte 2009 durchschnittlich 27 Anbieter, die zwei Jahre nach Einsetzen des Generikawettbewerbs noch mit eigenen Nachahmern im Markt waren.

Bei Generikaeinführungen von Mitte 2009 bis Mitte 2012 gab es in der Referenzgruppe zwei Jahre später nurmehr 18 Anbieter, während es bei Einführungen von Mitte 2012 bis Herbst 2013 nur noch 16 Anbieter waren, die zwei Jahre nach Patentablauf den Handel noch mit Nachahmern belieferten.

In der zweiten Gruppe derjenigen Wirkstoffe mit eingeschränktem Wettbewerb wurde im Zehn-Jahres-Zeitraum 2006 bis 2015 sogar eine Halbierung der Anbieterzahl von 21 auf zehn beobachtet.

Leitplanken gegen Lieferengpässe

Erstmals lasse sich entsprechend der IGES-Generikamarktanalysen ein "klarer Trend" beobachten, versichert Pro-Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer.

"Setzt sich diese Tendenz weiter fort, wird das nicht ohne Folgen für den Wettbewerb und die Sicherheit der Arzneimittelversorgung bleiben. Denn Wettbewerb und Versorgungssicherheit haben eine gemeinsame Grundlage: die Teilnahme möglichst vieler Generikaunternehmen an der Versorgung."

Bedeutung erhält die IGES-Studie nicht zuletzt vor dem Hintergrund des bald endenden Pharma-Dialogs der Bundesregierung. Die Generikabranche habe bei diesen Gesprächen vor allem versucht, die Politik davon zu überzeugen, dass sie "Leitplanken gegen Lieferengpässe" einziehen müsse, erläutert Bretthauer gegenüber der "Ärzte Zeitung".

Derzeit würden Krankenkassen den Herstellern nach Rabattzuschlägen im Schnitt nur 2,5 Monate Zeit lassen, ausreichende Produktions- und Lagerkapazitäten aufzubauen. Pro Generika plädiere dagegen für wenigstens sechs Monate Vorlauf.

Außerdem fordert der Verband, dass zur Sicherung der Versorgung Rabattverträge nicht mehr exklusiv, sondern mit wenigstens zwei Partnern geschlossen werden. Diese Forderungen würden auch vom pharmazeutischen Großhandel und der Apothekerschaft unterstützt, versichert Bretthauer.

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