IQVIA-Analyse

Arztpraxen werden in der Krebsversorgung wichtiger

Die IQVIA-Analyse ist eindeutig: Krebstherapeutika wiegen zunehmend schwer beim Umsatz mit Arzneimitteln. Aber es gibt auch entlastende Effekte.

Veröffentlicht: 06.08.2020, 13:08 Uhr
Applikation eines Krebstherapeutikums: Die Wachstumsraten bei antineoplastischen Arzneimitteln in Praxen liegen deutlich höher als in Kliniken.

Applikation eines Krebstherapeutikums: Die Wachstumsraten bei antineoplastischen Arzneimitteln in Praxen liegen deutlich höher als in Kliniken.

© Darren Mower / iStock .com

Frankfurt/Main. Der Umsatz mit antineoplastischen Arzneimitteln im GKV-Markt ist zwischen 2015 und 2019 um 84 Prozent von knapp 4,2 auf gut 7,7 Milliarden Euro zu Herstellerabgabepreisen gewachsen – ohne Berücksichtigung von Rabatten (siehe nachfolgende Grafik).

Der überproportionale Umsatzanstieg von 94 Prozent im ambulanten Sektor – in Krankenhäusern waren es 62 Prozent – zeigt die steigende Bedeutung der wohnortnahen Versorgung in der Krebstherapie durch niedergelassene Onkologen, die weitaus mehr Krebspatienten versorgen als die Krankenhäuser.

Auf die stationäre Versorgung entfallen allerdings innovative Hochpreistherapien wie zum Beispiel die auf wenige Zentren konzentrierte CAR-T-Zell-Therapien. Die Zahlen gehen aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Marktforschungsinstituts IQVIA hervor.

Höchster Umsatzanteil entfällt auf Monoklonale Antikörper

Mengenmäßig eine tragende Rolle bei der Versorgung spielen Proteinkinasehemmer, auf die 37 Prozent des Absatzes entfallen. Der Umsatzanteil an allen Antineoplastika beläuft sich auf 25 Prozent.

Die höchste Kostenbelastung entfällt auf Monoklonale Antikörper (MAK) mit einem wertmäßigen Marktanteil von 46 Prozent. Dagegen beläuft sich der mengenmäßige Marktanteil der MAK auf nur drei Prozent. (siehe nachfolgende Grafik).

Die seit August 2018 zwei zugelassenen CAR-T-Zell-Therapien, die bei einem Patienten nur einmal angewendet werden, im Einzelfall aber extrem hohe Kosten verursachen, haben für die Krankenkassen noch keinen nennenswerten Budget-Impact. Überdies sind diese Therapien, für die Hersteller mit den Kassen Pay-for-Performance-Verträge vereinbart haben, von der Umsatzsteuer befreit.

Entlastung der Krankenkassen in Sicht

Eine beträchtliche Entlastung der Krankenkassen zeichnet sich durch den Patentablauf von Originalpräparaten und den Markteintritt von Biosimilars ab: Stand Juli sind drei onkologische MAK als Biosimilar auf dem deutschen Markt verfügbar – Rituximab, Trastuzumab und – seit diesem Monat – Bevazizumab.

Der Biosimilar-Umsatzanteil von Trastuzumab lag 2019 bei 56 Prozent (zwei Jahre nach Markteintritt) und von Rituximab bei 73 Prozent (drei Jahre nach Markteintritt). Für beide Substanzen existieren Rabattverträge.

Weitere Entlastungen generieren die Krankenkassen aus der Vereinbarung von Erstattungsbeträgen nach der frühen Nutzenbewertung: Sie summierten sich 2019 allein für das Marktsegment der Antineoplastika auf 1,1 Milliarden Euro, um die die Herstellerpreise effektiv gemindert werden; rund ein Drittel der Entlastungen entfallen auf MAK.

Weitere Einsparungen erzielen die Krankenkassen aufgrund des gesetzlichen Rabatts, der sich in diesem Marktsegment auf 320 Millionen Euro summiert. (HL)

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