E-Card

Austausch der Kartenleser nötig?

Beim Online-Rollout der Gesundheitskarte knirscht es. Längst nicht alle Lesegeräte in den Praxen machen den Online-Gang mit, warnt die KVWL und mahnt ausreichende Tests an.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Einlesen der E-Card: Mit den neuen Karten, die ab nächstem Jahr ausgeben werden, könnte manch ein Kartenleser nicht mehr zurecht kommen.

Einlesen der E-Card: Mit den neuen Karten, die ab nächstem Jahr ausgeben werden, könnte manch ein Kartenleser nicht mehr zurecht kommen.

© Bernd Thissen / dpa

DORTMUND. Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) darf nicht ohne ausreichende Tests der Anwendungen und der Telematikinfrastruktur (TI) eingeführt werden.

Das fordert Dr. Thomas Kriedel, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und Vorsitzender der gematik-Gesellschafterversammlung. Sonst würde der eigentliche Zweck des Projekts gefährdet.

"Die Telematikinfrastruktur soll die Versorgungssicherheit erhöhen und die Versorgung beschleunigen", sagte Kriedel auf der KVWL-Vertreterversammlung in Dortmund.

Er kritisierte, dass die Testphase aufgrund politischen Drucks verkürzt werden soll. "Ich sehe es nicht als angemessen an, einer Regelung zuzustimmen, die es nicht erlaubt, die Dinge richtig zu testen."

Die offizielle Planung gehe nach wie vor davon aus, dass die ersten Online-Anwendungen der eGK am 30. Juni 2016 ausgerollt werden sollen. Dabei stehe schon fest, dass der Termin nicht zu halten ist.

In der Testregion Nordwest, zu der Nordrhein-Westfalen gehört, beteiligen sich 505 Praxen an den Tests, davon 82 aus Westfalen-Lippe. Hier soll die Erprobung der TI und des Versichertenstammdatenmanagements über sechs Monate laufen, als Starttermin sei der 15. Mai anvisiert.

"Wir haben noch keine Konnektoren, die funktionieren, auch die Lesegeräte fehlen noch", berichtete der KVWL-Vorstand.

Wer trägt die Kosten?

Die Testphase dürfe nicht abgekürzt werden, wenn nicht sicher sei, dass die Geräte funktionieren und die Anwendungen problemlos in den Praxisablauf integriert werden können.

Die gematik nehme bei ihrer Evaluierung des Projekts lediglich die technischen Seiten in den Blick. Deshalb hätten die KVen beschlossen, den Aufwand für die Praxen über die Standard-Kosten-Messung in eigener Regie zu erfassen. "Wenn es nicht funktioniert, werden wir bei der Politik intervenieren und sagen: So geht es nicht", kündigte Kriedel an.

Den KVen ist nach seinen Angaben ein weiterer Aspekt sehr wichtig. Wenn die Ärzte auf Wunsch der Politik und der Kassen die TI nutzen sollen, dann müsse ihnen die Ausstattung auch komplett bezahlt werden.

Dazu zählt Kriedel unter anderem den Konnektor, die Anpassung der Praxissoftware oder den Austausch der Kartenlesegeräte, die alle nicht online-fähig sind.

Ungeklärt sei die Frage, wer die Kosten für die Signaturfunktion beim elektronischen Heilberufeausweis trägt. Es gebe harte Verhandlungen auf Bundesebene, dass die Kassen das übernehmen. "Das wird wohl ins Schiedsamt gehen", erwartet Kriedel.

KVWL rät Ärzten zum Abwarten

Er empfahl den KVWL-Mitgliedern grundsätzlich, den Ersatz neuer Geräte möglichst aufzuschieben und zu warten, bis neue Angebote auf dem Markt sind, die die neuen Funktionen bedienen können.

Kriedel verwies zudem darauf, dass der Kartenterminal GCR 5500-D des Herstellers Gemalto Ende dieses Jahres die Zulassung verliert, weil er die neuen Karten, die von den Kassen 2016 ausgegeben werden, nicht lesen kann.

Der Grund liegt laut Gemalto darin, dass das Gerät 2015 das Ende des Produktlebenszyklusses erreiche.

Die Lesegerät müssten auf Kosten der gematik oder der Kassen ausgetauscht werden, forderte Kriedel. "Es ist unzumutbar, dass dieses Risiko auf Sie abgewälzt wird."

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