Onkologie

BMS greift tief in die Tasche für neuen Nivolumab-Partner

Das kalifornische Unternehmen Nektar Therapeutics arbeitet an einem neuen Ansatz zur Krebs-Immuntherapie. Bristol-Myers Squibb zeigt sich davon überzeugt.

Von Christoph WinnatChristoph Winnat Veröffentlicht:
Nektar-Zentrale in San Francisco. Die jüngste Kooperation mit BMS bringt das 1990 gegründete Unternehmen in die schwarzen Zahlen.

Nektar-Zentrale in San Francisco. Die jüngste Kooperation mit BMS bringt das 1990 gegründete Unternehmen in die schwarzen Zahlen.

© Nektar Therapeutics

NEW YORK/SAN FRANCISCO. BristolMyers Squibb, einer der Pioniere in der Immunonkologie, hat eine milliardenschwere Entwicklungskooperation geschlossen, um das Therapiespektrum seines Checkpointinhibitors Nivolumab (Opdivo®) zu erweitern. Partner ist die kalifornische Nektar Therapeutics, die ihren experimentellen CD122-Agonisten "NKTR-214" in die Allianz einbringt.

Beabsichtigt sei, wie BMS am Mittwoch mitteilte, NKTR-214 in Kombination mit Nivolumab sowie in Kombination mit Nivolumab und dem ebenfalls aus dem BMS-Portfolio stammenden Krebs-Antikörper Ipilimumab (Yervoy®) zu testen. Geplant seien klinische Studien zu mehr als 20 Indikationen und neun Tumorarten.

BMS und Nektar hatten bereits im Herbst 2016 vereinbart, die Kombinationsmöglichkeiten des PD-1-Hemmers Nivolumab mit NKTR-214 auszuloten. Diese Vorarbeiten verliefen offenkundig vielversprechend.

Die damals aufgelegten klinischen Versuche, an denen nach Unternehmensangaben über 350 Patienten teilnehmen – unter anderem mit Nieren-, Lungenund Blasenkrebs sowie dreifach negativen Brustkrebs – seien noch nicht beendet.

Aktivierung von T-Zellen

Laut Hersteller Nektar stimuliert NKTR-214 das CD122-Protein, eine Untereinheit des Interleukin-2-Rezeptors. Vermittelt dadurch würden T-Zellen aktiviert, Tumoren zu bekämpfen und zudem die PD-1-Expression dieser T-Zellen zu erhöhen.

Außer mit BMS testet Nektar das Prinzip derzeit auch in eigener Verantwortung als Kombipartner zu Roches PD-L1-Antagonisten Atezolizumab (Tecentriq®) sowie mit dem PD-1-Inhibitor Pembrolizumab (Keytruda® von MSD). Darüber hinaus besteht eine Zusammenarbeit mit Takeda, im Zuge derer aktuell präklinisch Kombinationen aus Takedas Krebsportfolio mit NKTR-214 geprüft werden. Diese Projekte seien durch den Deal mit BMS nicht berührt, heißt es.

Die Kooperation mit Bristol-Myers kann den Kaliforniern zunächst bis zu rund 3,6 Milliarden Dollar einbringen: Neben einer Vorabzahlung über eine Milliarde Dollar erwirbt BMS für 850 Millionen Dollar Anteile an Nektar.

Meilensteinzahlungen für Entwicklungs- und Zulassungsfortschritte sowie erste Verkaufserfolge könnten sich auf bis zu 1,78 Milliarden Dollar summieren. Darüber hinaus wollen sich BMS und Nektar die Gewinne aus der globalen Vermarktung von NKTR-214 im Verhältnis 65 (für Nektar) zu 35 (für BMS) teilen.

Der 2014 in den USA und im folgenden Jahr in Europa zugelassene PD-1-Hemmer Nivolumab war voriges Jahr mit 4,95 Milliarden Dollar Umsatz (+31 Prozent) das größte Einzelprodukt im BMS-Portfolio. Der CTLA-4-Antagonist Ipilimumab steuerte 1,2 Milliarden Dollar (+18 Prozent) zum Konzernerlös bei. Insgesamt erwirtschaftete BMS im zurückliegenden Geschäftsjahr mit knapp 21 Milliarden Dollar sieben Prozent mehr als 2016.

Weitere wachstumsstarke, große Produkte waren der Gerinnungshemmer Apixaban (Eliquis®) mit 4,87 Milliarden Dollar (+46 Prozent), der T-Zell-Modulator Abatacept gegen Rheuma (Orencia®) mit 2,48 Milliarden Dollar (plus neun Prozent) oder der Tyrosinkinasehemmer Dasatinib (Sprycel®) gegen chronische myeloische Leukämie (2,01 Milliarden Dollar, plus zehn Prozent).

Schrumpfen des Nettogewinns

Gestiegene Kosten – vor allem um 1,5 Milliarden Dollar höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung – sowie im Kontext der US-Steuerreform eine deutlich höhere Überweisung an den Fiskus ließen den Nettogewinn auf 975 Millionen Dollar einbrechen (Vorjahr: 4,5 Milliarden).

2018 sollen sich die Ertragszahlen wieder erholen. Nach zuletzt 0,61 Dollar werde der Gewinn pro Aktie dieses Jahr zwischen 3,00 und 3,15 Dollar erreichen. Der Konzernumsatz werde um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentsatz zulegen.

Nektar Therapeutics hat ausweislich des letztverfügbaren Berichts an die Börsenaufsicht 2016 durch Produktverkäufe und Lizenzzahlungen 165,4 Millionen Dollar eingenommen. Der operative Verlust fiel mit 112,9 Millionen Dollar vier mal so hoch aus wie im Vorjahr. Nach Zinsen und Steuern blieben unterm Strich -153,5 Millionen Dollar Verlust nach -81,2 Millionen im Vorjahr.

In der fortgeschrittenen klinischen Phase 3 arbeitet Nektar derzeit an drei Projekten:

  • Mit Etirinotecan wird der nach eigenen Angaben erste langwirksame Topoisomerase-I-Inhibitor gegen fortgeschrittenen Brustkrebs entwickelt. Vertriebspartner für Europa ist Daiichi Sankyo. Im Juli 2017 hatte ein Expertengremium der EU-Oberbehörde EMA zunächst gegen eine Zulassung votiert.
  • Ebenfalls in Phase 3 und noch unverpartnert wird mit NKTR-181 ein neues Opioid gegen mittlere bis starke Schmerzen geprüft, das anders als bisher übliche Opiate keine euphorisierende Wirkung entfalten soll.
  • Zusammen mit der kalifornischen Biotechcompany Halozyme Therapeutics wird deren rekombinante Hyaluronidase zur systemischen Tumortherapie getestet.
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