Branchenbilanz 2020

Biotech freut sich über Wertschätzung von allen Seiten

Die Zahlen stimmen und die Stimmung auch: Die deutsche Biotechindustrie ist guter Dinge – und das keineswegs nur der Coronavirus-Pandemie wegen.

Von Christoph Winnat Veröffentlicht:
Deutsche Biotechnologie? Nach seinem Impfstofferfolg ist BioNTech die erste Adresse, die einem dazu einfällt. Die Geschäftslage ist in der Branche aber auch ohne diesen Erfolg gut.

Deutsche Biotechnologie? Nach seinem Impfstofferfolg ist BioNTech die erste Adresse, die einem dazu einfällt. Die Geschäftslage ist in der Branche aber auch ohne diesen Erfolg gut.

© Ralf Ibing / augenklick / firo / picture alliance

Berlin. Jedes Jahr hat seinen thematischen Fixpunkt. Welcher das 2020 war, muss nicht mehr eigens betont werden – erst recht nicht, wenn über die bundesdeutsche Biotechbranche zu berichten ist. Allerdings sind es vor allem weiche Faktoren, hinsichtlich derer die Unternehmen pandemiebedingt Rückenwind verspüren. Etwa die Anerkennung durch politische Entscheidungsträger.

„Die Wahrnehmung und Wertschätzung, die wir gerade erfahren, ist unglaublich viel wert für uns. Das haben wir lange vermisst“, so Viola Bronsema, Geschäftsführerin des Branchenverbands BIO Deutschland, bei einem virtuellen Pressegespräch am Donnerstag.

Davon erhoffe man sich mittelfristig auch handfestere Vorteile, heißt es. Beispielsweise seien die Chancen für Biotechunternehmen gestiegen, an dem geplanten Innovationsfonds der Bundesregierung auf breiter Front zu partizipieren, versichert Bronsema.

Mittelzufluss auf Rekordniveau

Auch die kürzlich ergangene Förderzusage des Bundes für Therapeutikaprojekte gegen COVID-19 über 50 Millionen Euro wird als ein „erster Schritt“ begrüßt. Doch dürfe die öffentliche Hand durchaus „noch eine Null dranhängen“, meint BIO-Vorsitzender Oliver Schacht selbstbewusst. „Wir haben spannende Kandidaten in der Entwicklung.“

Eine weitere Forderung des Verbandes lautet, bürokratische Hürden zu senken, insbesondere bei der außenwirtschaftsrechtlichen Prüfung von Firmenbeteiligungen EU-ferner Investoren. Die Behörden müssten deutlich schneller werden. Bronsema: „Alles, was privates Kapital mobilisiert, würde uns helfen.“

In dieser Hinsicht hat es 2020 anscheinend an nichts gefehlt: Mit rund drei Milliarden Euro fiel der Mittelzufluss über Venture-Capital-Beteiligungen, Börsengänge sowie Kapitalerhöhungen um ein Mehrfaches höher aus als in den Vorjahren. Auch nach Abzug der Gelder, die BioNTech und CureVac für ihre mRNA-Impfstoffentwicklung zur Corona-Prävention erhielten – zusammen rund 1,5 Milliarden Euro –, hat die Branche noch erkennbar mehr frisches Kapital einwerben können als in den Vorjahren.

Zehn Prozent Umsatzplus

Auf die Geschäftsentwicklung der meisten Firmen wirkte sich die Corona-Krise hingegen kaum aus. Über die Hälfte (59 Prozent) der 145 Unternehmen, die zuletzt an der regelmäßigen Stimmungs-Abfrage des Verbandes teilnahmen, gab an, ihre momentane Geschäftslage sei „gut“; zugleich dementierten annähernd drei Viertel einen dafür ursächlichen Einfluss der Pandemie.

Ähnlich verhält es sich mit den Erwartungen an kommende Geschäfte: 48 Prozent der Firmen gaben an, mit einer Verbesserung zu rechnen, darunter lediglich rund ein Viertel, das den zu erwartenden Aufschwung auf die Pandemie zurückführt.

Biotech in Zahlen: 2020 erhöhte sich der Gesamtumsatz der 668 von BIO Deutschland zum Branchenkern gezählten Unternehmen (forschende Start-ups und Hersteller, ohne Zulieferer) um zehn Prozent auf 4,87 Milliarden Euro. Die Beschäftigung nahm um 16 Prozent auf 33.706 Mitarbeiter zu. Die F&E-Ausgaben legten um 21 Prozent auf 1,79 Milliarden Euro zu.

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