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Boehringer meldet Fortschritt in der Corona-Forschung

Trotz Pandemie und einer Belegschaft, die überwiegend im Homeoffice arbeitet, stehen die Zeichen bei Boehringer Ingelheim auf Zuwachs. Am Stammsitz wird weiterhin kräftig investiert.

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Aus Rheinhessen in die Welt: Ingelheim ist Boehringers größter Produktions- und Verwaltungsstandort.

Aus Rheinhessen in die Welt: Ingelheim ist Boehringers größter Produktions- und Verwaltungsstandort.

© Boehringer Ingelheim

Ingelheim. Hat Boehringer Ingelheim einen Antikörper gegen SARS-CoV-2 im Köcher? Am Mittwoch ließ Konzernchef Hubertus von Baumbach in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ wissen, dass das Familienunternehmen in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und der Marburger Uni an virusneutralisierenden Antikörpern arbeite, von denen einer präklinisch „schon weit fortgeschritten“ sei.

Bei einem Pressetermin der deutschen Landesgesellschaft tags darauf war zudem noch zu erfahren, dass der Antikörper die Bindestelle des Virus, das Spike-Protein, blockieren soll, dass Boehringer bisher einen zweistelligen Millionenbetrag für die SARS-CoV-2-Forschung ausgegeben und noch keinerlei Fördermittel beansprucht habe und dass weitere Informationen zu diesem Projekt erst im 1. Quartal kommenden Jahres zu erwarten seien. „Alles andere wäre verfrüht“, so Deutschland-Chefin Dr. Sabine Nikolaus.

„Volatile Bestellvorgänge“

Bremsspuren in der Bilanz des Familienunternehmens hat die Pandemie bisher nicht hinterlassen. Im ersten Halbjahr kletterten die Umsatzerlöse (wie schon berichtet) währungsbereinigt um 4,4 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro. Krisenbedingtes Bevorratungsverhalten des Großhandels und der Apotheken ebenso wie anschließender Abbau dieser Vorräte hätten für „volatile Bestellvorgänge“ gesorgt. In Lieferschwierigkeiten sei Boehringer dadurch aber nicht geraten, versicherte Nikolaus. Auch im zweiten Halbjahr rechne man mit ungewöhnlich schwankender Nachfrage, „das wird uns noch eine Zeit lang begleiten“.

Nachhaltig niederschlagen wird sich die Corona-Krise laut Nikolaus aber in den Arbeitsbedingungen der Konzernbelegschaft – und das auf globaler Ebene. Aktuell werde darüber diskutiert, „wie wir langfristig bei Boehringer Ingelheim arbeiten möchten“. 80 Prozent der Mitarbeiter befänden sich derzeit im Homeoffice, Dienstreisen seien bis Jahresende „auf ein Minimum“ beschränkt. Nikolaus ließ durchblicken, dass man einen Gutteil der digitalen Organisationsformen auch nach Ende der Pandemie beibehalten wolle.

Starkes Investment im Inland

Gleichwohl wird im Inland und insbesondere am Stammsitz Ingelheim weiterhin kräftig investiert. Boehringer wendet traditionell deutlich mehr für den Ausbau der hiesigen Standorte auf, als es im deutschen Markt erlöst. Hier beliefen sich vergangenes Jahr die F&E-Ausgaben auf 1,56 Milliarden Euro. Investitionen in Sachanlagen summierten sich den Angaben zufolge auf 338 Millionen Euro.

Bei der nächsten Großinvestition handelt es sich um ein neues Biomasseheizkraftwerk in Ingelheim, dessen Kosten einschließlich weiterer Infrastrukturprojekte auf 185 Millionen Euro veranschlagt werden. Der Bau soll 2023 fertig sein. Bereits kurz vor Fertigstellung befindet sich eine 90 Millionen Euro teure Tabletten-Fabrik, gleichfalls in Ingelheim, in der ab Mitte 2021 sämtliche neuen oralen Pharmaprodukte während der Markteinführungsphase hergestellt werden.

Boehringers Umsatz mit Dritten erreichte 2019 im Heimatmarkt 1,7 Milliarden Euro, was neun Prozent der Konzerneinnahmen entspricht. Eine Prognose für die diesjährige Geschäftsentwicklung im Inland wollte Landeschefin Nikolaus nicht abgeben. Sie erweckte jedoch nicht den Eindruck, dass die Nachfrage gravierend einbrechen könnte. (cw)

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