Ökonomisierung der Medizin

Bundesärztekammer sieht ärztliche Unabhängigkeit auf dem Spiel

Notwendig sei ein Finanzierungssystem, das Ärztinnen und Ärzte darin fördert, dem einzelnen Patienten gerecht zu werden, heißt es in den „Thesen zur Ökonomisierung der ärztlichen Berufstätigkeit“.

Veröffentlicht:
Zahlen und nicht das Patientenwohl sieht die Bundesärztekammer im Vordergrund der aktuellen Finanzierungsmodelle in Klinik und Praxis.

Zahlen und nicht das Patientenwohl sieht die Bundesärztekammer im Vordergrund der aktuellen Finanzierungsmodelle in Klinik und Praxis.

© mrmohock / stock.adobe.com

Berlin. Die Bundesärztekammer sieht die ärztliche Unabhängigkeit durch eine zunehmende Kommerzialisierung der Medizin in Gefahr. Konkret macht BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt dies bei der Vorstellung der „Thesen zur Ökonomisierung der ärztlichen Berufstätigkeit“ an den Fallpauschalen in den Kliniken fest. Das DRG-System setze zur Krankenhausfinanzierung Anreize zur Fallzahlensteigerung, werte die Indikationsqualität ab und belohne Aktionismus.

Zwar bestehe in einer als Solidargemeinschaft angelegten Krankenversicherung die Pflicht zu sparsamem Handeln, heißt es in dem Papier. Wenn aber die ökonomischen Bewertungskriterien eine Übergewichtung erhielten, würden rein betriebswirtschaftliche Ziele sukzessive zu den neuen Zielen der Medizin.

Lesen sie auch

Deshalb müsse die Krankenhausfinanzierung umfassend reformiert werden. Das Fallpauschalensystem sei gescheitert, so Reinhardt. Es führe zu einer grundlegenden Fehlsteuerung, weil es Krankenhäuser dazu motiviere, sich nach industriellen Gesichtspunkten zu organisieren. Wichtige Aspekte der ärztlichen Tätigkeit würden hingegen nicht honoriert, beispielsweise die Fürsorge für den Patienten.

Fehlanreize in Klinik wie auch Praxis

Reinhardt begrüßte daher die von der Bundesregierung geplante Reform der Krankenhausfinanzierung. Notwendig sei ein Finanzierungssystem, das Ärztinnen und Ärzte darin fördere, dem einzelnen Patienten gerecht zu werden. Die BÄK fordert außerdem, den tatsächlichen Personalbedarf realistisch zu messen und die Zuwendung zum Patienten in den Mittelpunkt zu rücken.

Lesen sie auch

Auch im ambulanten Bereich sieht die BÄK finanzielle Fehlsteuerungen. Der Einheitliche Bewertungsmaßstab setze Anreize zu einer „Durchschleusungsmedizin“ unter Inkaufnahme einer Einschränkung der psychosozialen Versorgung. Bei der Einführung sogenannter Hybrid-DRGs dürften die im stationären Bereich gemachten Fehler in der ambulanten Versorgung nicht wiederholt werden. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Detailansicht eines Windrades: Bringt eine ökologisch nachhaltige Geldanlage auch gute Rendite? Anleger sollten auf jeden Fall genau hinschauen.

© Himmelssturm / stock.adobe.com

Verantwortungsbewusstes Investment

„Nachhaltig – das heißt nicht, weniger Rendite bei der Geldanlage!“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Rauchverzicht wirkt sich am stärksten auf die Lebenserwartung von Menschen nach Krebserkrankung aus.

© Alpha / stock.adobe.com / Generated with AI

DKFZ

Nach Krebsdiagnose: Gesunder Lebensstil kann großen Unterschied machen

Eine Krankenschwester misst die Temperatur einer älteren Frau mit einem berührungslosen Infrarot-Thermometer.

© amnaj - stock.adobe.com

Bei Senioren

Hypothermie bei Sepsis – ein Warnsignal!