Karriereperspektiven

Chefarzt-Maxime in der Onkologie war gestern

Eher Klinikkarriere oder doch lieber Niederlassung? Für junge Onkologen haben beide Wege ihren individuellen Charme. Das hat nicht nur mit der Lebensplanung zu tun.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 17.05.2020, 13:03 Uhr
Chefarzt-Maxime in der Onkologie war gestern

Praxisgründung oder Klinikkarriere? Auch für Nachwuchsonkologen ist das eine schwierige Entscheidung.

© Marco2811 / stock.adobe.com

Frankfurt/Main. Die Onkologie ist ein sehr großes Fach – aber die Gruppe der Fachärzte für Hämatologie und Onkologie ist im Vergleich zu Gastroenterologen, Kardiologen, Urologen oder auch Gynäkologen recht klein.

Da die Onkologie aber ein von pharmazeutischen Innovationen gesegnetes Fach ist, bieten sich Internisten zahlreiche Möglichkeiten, sich innerhalb der Facharztausbildung auf bestimmte Krebsarten oder Therapieschemata zu spezialisieren.

Onkologische Versorgung zunehmend ambulant

Für Professor Wolfgang Knauf, Vorsitzender des Berufsverbandes der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland (BNHO), ist ein Zukunftstrend nicht von der Hand zu weisen: Die onkologische Versorgung findet zunehmend im ambulanten Sektor statt, da auch neue, innovative Schemata von niedergelassenen Hämatologen und Onkologen erbracht werden können.

Des Weiteren stehen die Zeichen auf intersektorale Kooperation – abzulesen sei dies bereits an der Zusammensetzung der Tumorboards, in die auch niedergelassene Ärzte eingebunden sind, die den betreffenden Patienten betreuen.

Die Tumorboards spiegeln, wie Knauf beobachtet, einen weiteren Trend wider – der Frauenanteil unter den Medizinern steigt kontinuierlich weiter.

„Von Klinikseite sind die Tumorboards zu 70 bis 80 Prozent mit Ärztinnen besetzt“, resümiert er mit Blick auf seine Erfahrung als Partner des Centrums für Hämatologie und Onkologie Bethanien in Frankfurt.

Familie und/oder Karriere?

Wie Knauf, der seiner Klinik vor 17 Jahren den Rücken kehrte und sich niederließ, im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“ hervorhebt, hat sich beim Onkologennachwuchs ein Paradigmenwechsel vollzogen: „Der Wille, Chefarzt zu werden, ist heute nur noch bei den wenigsten vorhanden. Sie streben lieber einen Verbleib in der Klinik zum Beispiel als Oberarzt oder den Sprung in die Niederlassung an.“

Und dann ist da noch die Sache mit der Work-Life-Balance, auf die übrigens nicht nur die angehenden Onkologinnen achten würden. Die Frage laute demnach nicht mehr, ob Familie oder Karriere, sondern wie sich Familie und Beruf sinnvoll vereinbaren ließen.

„Die Flexibilität, die der Sprung in die Niederlassung bietet, ist nicht von der Hand zu weisen. Als Praxischef, aber auch als angestellte Ärzte erwarten sie weder Nachtschichten noch Wochenendarbeit“, wirbt Knauf für die onkologische Existenzgründung.

Im Übrigen sei die weitverbreitete Angst vor Regressen, die immer wieder als Hemmschuh für den Sprung in die Selbstständigkeit genannt werden, realiter so gut wie unbegründet. Dies vermittle er auf entsprechenden Nachwuchsseminaren immer wieder, so Knauf.

Klinik bietet auch ihre Vorteile

Praxisluft könnten angehende Onkologen übrigens auch vermehrt in der Ausbildung sammeln, da anerkannte Weiterbildungszeiten in der Praxis wahrgenommen werden können – ein Trend, der nicht nur in der Onkologie zu beobachten ist, wie der Evaluationsbericht der KBV für 2018 zeigt.

Wie der Blick in fachspezifische Stellenmärkte offenbart, ringen Kliniken derzeit auch vehement um Hämatologen und Onkologen – mit einem breiten Betätigungsfeld. Wie auch Knauf als Vertreter der niedergelassenen Hämatologen und Onkologen konzediert, können Nachwuchsärzte solche Stellen unter anderem nutzen, um ihre spezifische Fachexpertise noch zu stärken – unter anderem als Vorbereitung auf eine angestrebte Niederlassung.

Wer sich als junger Onkologe auf Dauer mit Nacht- und Wochenendarbeit arrangieren könne, dem böten sich im Angestelltenverhältnis noch weitere Vorteile, wie Knauf unumwunden zustimmt. Zum einen könnten sich diese Kollegen auf ihre ärztliche Tätigkeit konzentrieren, da sie sich nicht um die Wirtschaftlichkeit ihres Betriebes kümmern müssten.

Zum anderen müssten sie auch keine Behandlungsentscheidungen treffen und verantworten, da diese Aufgabe in der Regel dem Chefarzt zufalle. Sie trügen dann nur die Verantwortung für die konkrete Leistungserbringung.

„Zeiten haben sich geändert“

Wie Knauf weiter beobachtet, finden auch viele hämatologisch und onkologisch tätige Oberärzte ihre jeweilige Nische in den Kliniken – mit einem begrenzten Verantwortungsbereich. „Die Zeiten haben sich auf jeden Fall geändert, die Kliniken versuchen heute, Fachärzte wie Hämatologen und Onkologen an sich zu binden, ihnen mehr Aufmerksamkeit als früher zu schenken“, konstatiert BNHO-Chef Knauf

Egal, ob Niederlassung oder Klinik – der Demografiewandel spiele der Onkologie als Fachdisziplin auf jeden Fall in die Karten, betont Knauf. Somit wachse der Bedarf an hämatologisch-onkologischer Versorgung in Deutschland im ambulanten wie auch stationären Sektor. Bleibe nur zu hoffen, dass sich noch mehr junge Ärzte für diese Berufung begeisterten.

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