Freiberuflich in der Klinik

Damoklesschwert Rentenpflicht

Honorarkräfte in Kliniken und Pflege hadern mit dem Vorwurf der Scheinselbstständigkeit. Die Deutsche Rentenversicherung erschwert mit ihren Maßstäben immer mehr Honorarärzten und anderen Freiberuflern in Klinik und Pflege den Arbeitsalltag.

Von Monika Peichl Veröffentlicht:
Ärzte, die im Krankenhaus freiberuflich arbeiten, sind praktisch nach Meinung der Rentenversicherung scheinselbstständig.

Ärzte, die im Krankenhaus freiberuflich arbeiten, sind praktisch nach Meinung der Rentenversicherung scheinselbstständig.

© Getty Images / Digital Vision / Thomas Northcut

NEU-ISENBURG. Können Ärzte und Pflegefachkräfte freiberuflich in Kliniken arbeiten? Nach Meinung der Rentenversicherung sind sie praktisch alle scheinselbstständig. Betroffene wollen endlich rechtliche Klarheit.

Als Freiberufler seien sie einer "Hetzjagd" durch die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) ausgesetzt, klagen Krankenschwestern und Pfleger in einem jüngst veröffentlichten Appell an die Bundesregierung.

Sie würden rigoros als Scheinselbstständige eingestuft. Es sei mittlerweile praktisch unmöglich, von der DRV eine Statusfeststellung als Freiberufler zu erhalten, sagen Pflegefachkräfte. Diese Feststellung müsse aber bei jedem neuen Auftrag dem Arbeitgeber vorgelegt werden.

Weil die Kliniken sich wegen drohender Nachforderungen für Sozialbeiträge immer weniger trauen, Honorarpersonal zu beschäftigen, hätten Kollegen bereits Insolvenz angemeldet. Betroffenen bleibe nur noch die Abwanderung etwa in die Schweiz.

Festanstellung oder Zeitarbeit sind für viele Honorarkräfte keine Alternative

Auch sie habe derzeit so gut wie keine Aufträge mehr, sagt Heike Chmielorz aus Garmisch-Partenkirchen.

Festangestellt möchte sie nicht mehr arbeiten, dazu seien die Bezahlung und vor allem die Arbeitsbedingungen zu schlecht: Doppelschichten, kurzfristig gestrichener Urlaub, verschwundene Überstunden.

Bei einer Zeitarbeitsagentur anzuheuern kommt für viele erst recht nicht in Frage, wie Regine Ruf aus Elzach erklärt, denn da sei die Bezahlung noch schlechter als bei Festanstellung.

Besonders absurd ist es aus Sicht der Fachkräfte, dass der Staat in manchen Fällen den Schritt in die Selbstständigkeit durch Existenzgründungszuschüsse gefördert hat.

Die Deutsche Rentenversicherung wertet Honorarkräfte als Scheinselbstständige, weil sie in die Organisation der Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen eingebunden und hinsichtlich Arbeitszeit, -ort, -dauer und -ausführung weisungsgebunden seien.

Das gilt nicht nur für Pflegefachkräfte, sondern auch für Honorarärzte.

Welche versicherungsrechtliche Besonderheit bei Honorarärzten im Krankenhaus gilt und warum die bisherige Rechtsprechung dazu widersprüchlich ist, erfahren Sie, wenn Sie diesen Text in unserer App-Ausgabe vom 5.12.2013 weiterlesen.

Jetzt auch auf Android lesen ... Jetzt gleich lesen ...

Mehr zum Thema

Neuer Reformvorschlag

Digitaler Tresen soll Notfallreform retten

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Der Bundestag diskutiert darüber, ob eine Corona-Impfpflicht eingeführt werden soll. Die Öffentlichkeit spürt sehr wohl, dass die Politik im Nebel stochert.

© Jens Krick / picture alliance / Flashpic

Kommentar zur Corona-Impfpflicht

Die Debatte ist der Anreiz, nicht die Pflicht

Tendenz weiter nach oben: Mit bis zu 400.000 Infektionen durch Omikron pro Tag rechnen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und RKI-Präsident Lothar Wieler (l.).

© Wolfgang Kumm / dpa

Neue Testverordnung

PCR-Tests: Details zur Priorisierung kommen nächste Woche

Blick in den Wartebereich einer Notfallambulanz: Künftig sollen Patienten bereits vorab via Ersteinschätzung in den richtigen Versorgungsbereich vermittelt werden.

© Bernd Settnik / ZB / picture alliance

Neuer Reformvorschlag

Digitaler Tresen soll Notfallreform retten