Enquete-Kommission

Der Arzt steht über der Künstlichen Intelligenz

Künstliche Intelligenz in der Gesundheitsversorgung ja, aber in Grenzen! So lautet der Tenor der KI-Enquete-Kommission des Bundestages. Sie plädiert für KI als „komplementäre Intelligenz“.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Muster auf Basis des Maschinellen Lernens erkennen, ist eine Stärke, die Künstliche Intelligenz zum Beispiel bei der Diagnostik einbringen könnte.

Muster auf Basis des Maschinellen Lernens erkennen, ist eine Stärke, die Künstliche Intelligenz zum Beispiel bei der Diagnostik einbringen könnte.

© PhonlamaiPhoto / Getty Images / iStock

Berlin. Gerade im Gesundheitsbereich tragen viele Deutsche noch Bedenken bezüglich des Einsatzes Künstlicher Intelligenz (KI). Das verdeutlichte am Montag die Veranstaltung „Mit Künstlicher Intelligenz jetzt Zukunft gemeinsam gestalten!“ der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“ des Bundestages, die in Berlin Ergebnisse der laufenden Arbeit des Gremiums sowie über die Online-Beteiligung der Öffentlichkeit berichtete.

Den Deutschen drückt der Schuh vor allem bei der Frage, bei wem das Primat in der medizinisch-pflegerischen Versorgung der Zukunft liegen soll – bei der KI oder beim Menschen (Ärzte/Pflegekräfte). Für Andrea Martin, Leiterin des IBM Watson Centers in München und eine der 19 externen Sachverständigen der Enquete-Kommission, liegt das Primat klar beim Menschen.

„Wir müssen KI in diesem Bereich als komplementäre Intelligenz verstehen. KI kann Ärzten und Pflegekräften wichtige wissenschaftliche Hinweise für ihre Entscheidungen geben. Letzten Endes trifft der Mensch aber die Entscheidung“, so Martins Plädoyer.

Sichere Intervention aus der Ferne

Für Enquete-Kommissionsmitglied und Deutschlands wohl prominentesten KI-Experten Professor Sami Haddadin, Gründungsdirektor der Munich School of Robotics and Machine Intelligence (MSRM) an der Technischen Universität München, zeigt gerade die gegenwärtige Corona-Pandemie, welches Potenzial KI in der medizinischen Versorgung habe. „Die Verkörperung der KI, das heißt, die Intervention durch den Roboter, gesteuert vom Arzt aus der sicheren Distanz, könnte sich gerade in Krisenzeiten wie heute bewähren“, so Hadaddin.

Großes KI-Potenzial sieht er vor allem noch in Avatar-Systemen, wie sie heute schon in der Schlüsselloch-Chirurgie eingesetzt werde. Bei Insult-Patienten könnte KI zum Beispiel die telemedizinische Versorgung revolutionieren, wie Hadaddin postulierte – und zwar nach dem Konzept des „Assist as needed“.

Konkret würden in diesem Kontext intelligente Roboterassistenten durch den Schlaganfallpatienten betreuende Rehakräfte angelernt, wie viel „künstliche Betreuung“ dieser individuell benötige.

Große Hoffnung für die onkologische Diagnostik und Therapie

Wie die IBM-KI-Expertin Martin betonte, könne das Maschinelle Lernen (ML), auf dem die Künstliche Intelligenz beruhe, vor allem die onkologische Diagnostik und Therapie revolutionieren. Denn KI könne bei der Bewertung der Bilder aus bildgebenden Verfahren, zum Beispiel durch das gezielte Trainieren der Mustererkennung, die Krebsfrüherkennung unterstützen. So wurde zum Beispiel das Watson-System systematisch mit wissenschaftlicher Literatur für die Mustererkennung gefüttert.

„Der Vorteil der KI gegenüber dem Menschen ist, dass sie nie ermüdet und sich dauerhaft konzentrieren kann“, so Martin. In der Vergangenheit hat sich bereits gezeigt, dass KI im Vergleich zu Ärzten zu leicht besseren Ergebnissen bei der Krankheitserkennung kommen kann.

Als weiteres KI-Einsatzgebiet sieht Martin auch die Demenzfrüherkennung. KI könne so trainiert werden, dass sie die bei Menschen bei beginnender Demenz auftretenden Sprachdefizite frühzeitig im Rahmen einer Spracherkennung detektieren könne. Wichtig sei aber, so Martin, „dass wir auch das Recht der Patienten auf Nicht-Wissen respektieren.“

Wie die SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Enquete-Kommission, Daniela Kolbe, hervorhob, sei es Konsens des Gremiums, dass Deutschland (und Europa) eine „menschenzentrierte KI auf Basis des Maschinellen Lernens, die uns nützt“, zum Ziel haben müsse – ein klares Abgrenzungsmerkmal zu den in China und den USA verfolgten KI-Strategien. Und klar sei auch: „Wir setzen auf entsprechende KI-Systeme, die in Deutschland oder Europa entwickelt werden.“

Mehr zum Thema

Fahrbare Erprobungswerkstatt

Virtuell erfahren, wie ein Exoskelett funktioniert

Gesundheitsdaten

Der Minister, die ePA, Europa und die Bürger

Das könnte Sie auch interessieren
Sie können die Anzahl an Impfanfragen kaum bewältigen?

© Doctolib

Digitales Impfmanagement

Sie können die Anzahl an Impfanfragen kaum bewältigen?

Anzeige | Doctolib GmbH
Tipps und Umsetzungshilfen für ein optimales Impfmanagement

© Doctolib / Corporate Design

Kostenloser Ratgeber

Tipps und Umsetzungshilfen für ein optimales Impfmanagement

Anzeige | Doctolib GmbH
50% Rabatt auf das digitale Impfmanagement von Doctolib

© Doctolib / Corporate Design

Exklusives Angebot

50% Rabatt auf das digitale Impfmanagement von Doctolib

Anzeige | Doctolib GmbH
Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

© [M] Scherer: Tabea Marten | Spöhrer: privat

„EvidenzUpdate“-Podcast

Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

Digitalisierung und Datenschutz pandemiekonform: SVR-Vorsitzender Professor Ferdinand Gerlach (li.) am 24. März in Berlin bei der Vorstellung des Ratsgutachtens und der Bundesdatenschutzbeauftragte Professor Ulrich Kelber (re.) einen Tag später bei der Vorlage seines Tätigkeitsberichts.

© [M] Gerlach: Wolfgang Kumm / dpa | Kelber: Bernd von Jutrczenka / dpa

„ÄrzteTag“-Podcast

„Wir verlangen Digitalisierung mit Gehirnschmalz!“ (Streitgespräch Teil 1)

Thorsten Kaatze, kaufmännischer Direktor am Uniklinikum Essen

© UK Essen

„ÄrzteTag“-Podcast

Ein „Kochrezept“ für die Digitalisierung einer Uniklinik

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nachmittags: das schnelle Telegramm. Am Morgen: Ihr individuell zusammengestellter Themenmix.

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Schutz vor dem Coronavirus: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erhöht den Druck auf Ungeimpfte.

© Michele Tantussi/Reuters/Pool/dpa

Gesundheitsministerium

Ungeimpften drohen erhebliche Corona-Einschränkungen

Übergangen in der Prioliste? Medizinstudierende beklagen, dass sie oft von Kliniken nicht einmal die notwendige Bescheinigung des Arbeitgebers als Berechtigte einer der Corona-Impf-Priogruppen erhalten hätten.

© Jens Krick / Flashpic / picture

Arbeit ohne Impfschutz

Medizinstudierende fühlen sich bei Corona-Impfung abgehängt

Orale Kontrazeption: Reine Gestagen-Präparate gefährden Frauen mit einem kongenitalen Long-QT-Syndrom, wenn diese keine begleitende Betablockertherapie erhalten.

© Africa Studio / stock.adobe.com

Orale Kontrazeption

Frauen mit Long-QT: Vorsicht mit reinen Gestagen-Pillen!