Anlagen-Kolumne

Deutsche Sparer, denkt um!

Die aktuelle Notenbankpolitik von Mario Draghi könnte den Deutschen zu schaffen machen. Sie sind es gewohnt zu sparen - selbst bei minimaler Verzinsung. Doch jetzt wird ein Umdenken notwendig.

Von Jens Ehrhardt Veröffentlicht:

In der Volkswirtschaftslehre unterscheidet man zwischen drei wesentlichen Funktionen, die Geld erfüllt: Zahlungsmittel-, Wertaufbewahrungs- und Wertmessfunktion. Je besser ein Gut diese Geldfunktionen erfüllt, desto eher wird es als Geld angesehen.

Die Bevölkerung der traditionellen Weichwährungsländer hat in diesem Zusammenhang, mit Blick auf den Euro, einen großen Vorteil gegenüber den Deutschen. Sie sind es seit Jahrzehnten gewohnt, dass sich ihre Währung nicht zur Wertaufbewahrung eignet, und haben ihr Verhalten entsprechend angepasst.

Sparen ist in diesen Ländern weniger üblich. Damit sind beispielsweise die Italiener wahrscheinlich deutlich besser auf die Auswirkungen der aktuellen Notenbankpolitik von Mario Draghi vorbereitet als die Deutschen. Hierzulande wurde das Anlageverhalten über Jahrzehnte dem Umfeld der starken D-Mark angepasst, wie die unverändert riesigen Bankeinlagen und Bargeldbestände (41 Prozent von 4715 Mrd. Euro Geldvermögen) eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Selbst eine Verzinsung auf Minimalniveau ändert an diesem Verhalten nichts. Trotz der permanenten Angst vor Inflation, die im gesellschaftlichen Gedächtnis Deutschlands stark verankert ist, dürften die meisten Menschen nicht geübt darin sein, in realen - nominale Geldbeträge minus Inflationsrate - Größen zu denken. Damit wägt man sich in Sicherheit, denn das Nominalwertdenken gaukelt Stabilität vor. Die Deutschen sind gelähmt.

Ein Umdenken und damit das Investieren in liquide Sachwerte wie Substanzaktien setzt erst dann wieder ein, wenn es eigentlich zu spät ist. Die Mittelzuflüsse zu Aktienfonds sind seit Jahren im Gegensatz zu Rentenfonds verschwindend gering.

Auch wenn die konjunkturelle Lage zugegebenermaßen keinen Anlass gibt, für Aktien euphorisch zu werden, so ist doch ein massiver Einbruch an den Märkten unwahrscheinlicher geworden. Immerhin haben sich die Notenbanken aller wichtigen Länder (USA, Europa, Japan und China mit Einschränkungen) dazu bekannt, das Marktgeschehen mit nahezu unbegrenzten Mitteln stabilisieren zu wollen.

Sicherlich sind Korrekturen nicht ausgeschlossen und angesichts der aktuellen Niveaus der Stimmungsindikatoren auch schon wieder wahrscheinlicher. Für Neuinvestments dürften solche Rückschläge wie im Rahmen der anstehenden Berichtssaison jedoch Einstiegsgelegenheiten sein.

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