Schnelltest-Boom

Diagnostikabranche absolviert Ausnahmejahr

Das Geschäft der mittelständisch geprägten Diagnostikaindustrie hat 2021 insbesondere vom Schnelltest-Boom profitiert. Dieses Jahr stehen die Zeichen auf Normalisierung.

Von Christoph Winnat Veröffentlicht:
Testen was das Zeug hält: Corona-Schnelltests wurden den Diagnostikaherstellern 2021 gewissermaßen aus den Händen gerissen.

Testen was das Zeug hält: Corona-Schnelltests wurden den Diagnostikaherstellern 2021 gewissermaßen aus den Händen gerissen.

© picture alliance / Eibner-Pressefoto | Fleig

Berlin. Die bundesdeutschen Diagnostikahersteller haben im zweiten Jahr der Pandemie außerordentlich gute Einnahmen erzielt. Mit 6,3 Milliarden Euro (+106 Prozent) verbuchte die Branche einen Rekordumsatz, der sich aller Voraussicht nach nicht so schnell wird wiederholen lassen. 65 Prozent der Erlöse (4,1 Milliarden Euro, +366 Prozent) entfielen den Angaben zufolge auf Corona-Diagnostik (Vorjahr: 0,9 Milliarden Euro). Wachstumstreiber seien vor allem Antigenschnelltests gewesen, die für 90 Prozent der pandemiebedingten Diagnostika-Verkäufe gesorgt hätten (Rest: Labortests).

Die Zahlen veröffentlichte der Verband der Diagnostika-Industrie (VDGH) am Mittwoch; finale Daten zum Geschäft mit Analysesystemen und Verbrauchsmaterialien zu Forschungszwecken, dem zweiten Standbein der Branche, liegen laut VDGH noch nicht vor. Die aktuelle Berichterstattung spiegelt demnach ausschließlich das Diagnostikageschäft wider.

Kerngeschäft stagniert

„Mit der gesamten Palette der Testmethoden“ auf SARS-CoV-2, so VDGH-Vorsitzender Ulrich Schmid, hätten die Hersteller „Labore, Krankenhäuser, Arztpraxen und Testzentren lückenlos bedient“. Die Sonderkonjunktur dürfe jedoch nicht von den „grundsätzlichen Herausforderungen unserer Branche ablenken“. So habe sich die seit Jahren anhaltende Stagnation im Geschäft mit routinemäßiger In-vitro-Diagnostik auch im Berichtsjahr 2021 fortgesetzt. Hier seien die Erlöse zuletzt lediglich um 1,2 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gestiegen.

Dieses Jahr erwartet die Branche laut VDGH-Mitgliederbefragung (von Dezember bis Februar, vor Beginn des Kriegs in der Ukraine) zwar „einen deutlichen Rückgang der Corona-Diagnostik“, nachdem die Test-Ansprüche asymptomatischer Personen mit Außerkrafttreten der Coronavirus- Testverordnung Ende Juni erlöschen.

Pessimismus überwog zum Umfragezeitpunkt dennoch nicht: 15 Prozent der 47 teilnehmenden Firmen rechnen 2022 mit einer „sehr guten“ wirtschaftlichen Entwicklung, 64 Prozent kreuzten „gut“ an, 20 Prozent „zufriedenstellend“.

Höhere Investitionen geplant

Größte Herausforderungen, mit denen die Branche derzeit nach eigenem Bekunden zu kämpfen hat, sind der Fachkräftemangel (laut Umfrage für 89 Prozent „relevant“) sowie der weltweite Engpass im Halbleitermarkt (79 Prozent sagen, „ja, ist ein Problem“).

Mit den Standortbedingungen im Heimatmarkt hadern die meisten Diagnostikahersteller jedoch offenkundig kaum. Über die Hälfte der Befragten (57 Prozent) wollen 2022 ihre Belegschaften aufstocken, lediglich 20 Prozent Stellen streichen. Knapp 84 Prozent beabsichtigen, mehr oder gleichviel in Sachanlagen zu investieren, wie im Vorjahr. Und ebensoviele wollen dieses Jahr „höhere“ (48 Prozent) oder „gleichbleibend hohe“ (36 Prozent) F&E-Ausgaben im Inland tätigen. (cw)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Juristische Fallstricke

So lassen sich Haftungsrisiken in der Hausarztpraxis minimieren

Klimaschutz

Neuer Leitfaden zu mehr Nachhaltigkeit in Arztpraxen

Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Brustkrebs Symbolbild

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Risikoadaptiert und individualisiert behandeln

Frühes Mammakarzinom: So optimieren Sie die Therapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Eine Ärztin spricht mit einer Patientin.

© Siphosethu F / peopleimages.com / Stock.adobe.com

Krebsprävention durch Kommunikation

Zu Krebs halten sich Mythen und Irrtümer hartnäckig – Aufklärung tut not

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Drei Operateure in einem Operationssaal.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Krebskongress

Tumorchirurgie: Geschlecht zählt auf beiden Seiten des Skalpells

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe