Bundesgesundheitsminister Spahn

„Die Corona-Warn-App ist kein Allheilmittel“

Die Corona-Warn-App hat beim Datenschutz die Feuertaufe laut Experten erst einmal bestanden. Die hohen Sicherheitsstandards lassen manches aber im Unklaren. Gesundheitsminister Jens Spahn ist trotzdem überzeugt von ihr.

Von Margarethe Urbanek Veröffentlicht: 09.07.2020, 11:39 Uhr
„Die Corona-Warn-App ist kein Allheilmittel“

Die meisten Nutzer der Corona-Warn-App dürften derzeit ein „niedriges Risiko“ angezeigt bekommen.

© Weber/ Eibner-Pressefoto / pictu

Neu-Isenburg. Die öffentliche Bühne, die der Corona-Warn-App von offizieller Seite aktuell geboten wird, ist groß: Werbespots in Fernsehen und Radio, Plakatwände quer durch die Republik, Sportmannschaften tragen das App-Symbol auf ihren Trikots. Rund 3,5 Millionen Euro hat die Bundesregierung vorerst für Werbung eingeplant. Daneben laufen private Initiativen aus Wirtschaft und Kultur; Twitter-Beiträge, die die Diskussion zur App lebendig halten.

Das große Scheinwerferlicht, indem sich das Prestigeprojekt der Bundesregierung zur Pandemie-Eindämmung bewegt, ist hell – ihr eigentlicher Kern aber bleibt verborgen: belastbare Zahlen über das Unterbrechen von Infektionsketten. Das Robert Koch-Institut (RKI) als Herausgeber der App veröffentlicht zwar täglich die Anzahl ihrer Downloads. 15,2 Millionen waren es am Mittwoch. Das sei häufiger als ähnliche Apps in allen anderen EU-Ländern zusammen, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn dem „Spiegel“.

Allerdings warnte der Minister davor, die neue Anwendung zu überschätzen. „Die App ist ein Werkzeug von vielen, um neue Ausbrüche einzudämmen. Sie ist kein Allheilmittel. Wir müssen trotzdem weiter aufeinander achtgeben, Abstand halten, Alltagsmaske tragen, Hygieneregeln einhalten.“

388 teleTANs zur Verifizierung eines positiven Testergebnisses in der Corona-Warn-App wurden laut Robert Koch-Institut bisher über die Hotline ausgegeben (Stand. 6. Juli 2020).

Datenschutz versus Fakten

Wie viele Menschen die App tatsächlich nutzen, ist aber unbekannt – aus Datenschutzgründen. Die Bundesregierung war nach anfänglichen Bedenken um Datenschutz und Sicherheit der App kurzfristig umgeschwenkt von ihrer ursprünglich favorisierten Variante einer zentralen Datenspeicherung auf die nun realisierte dezentrale Speicherung. Konkret heißt das: Alle Daten der Nutzer werden verschlüsselt und „ausschließlich auf dem eigenen Smartphone gespeichert. Weder das Robert Koch-Institut als Herausgeber noch Dritte haben Zugriff auf diese Daten“, betont das RKI.

Über die Telefonhotline wurden bisher nach Angaben des Robert Koch-Instituts bisher 388 teleTANs zur Verifizierung eines positiven Testergebnisses in der Corona-Warn-App ausgegeben (Stand 6. Juli). Um Missbrauch und Fehlalarme zu minimieren, muss ein positives Testergebnis verifiziert werden, bevor ein Nutzer dieses in die Corona-Warn-App eintragen kann. Dazu wird ein QR-Code oder eben eine teleTAN benötigt.

Auch gibt es keine Daten dazu, wie viele Menschen mithilfe der Warn-App bereits über mögliche Risiko-Begegnungen gewarnt wurden. Nur vereinzelt gibt es Meldungen dazu. So hat die Stadt Köln mitgeteilt, sechs Personen nach einer App-Warnung auf SARS-CoV-2 getestet zu haben.

Zuletzt machte die App vor allem wegen diverser Fehlermeldungen Schlagzeilen. Nach Angaben der Entwickler seien dies jedoch Kinderkrankheiten. Die App sei ein Novum, sodass es nun darum ginge, in ihrer Weiterentwicklung Fehler zu beheben. Viele Fehler seien im aktuellsten Update bereits behoben.

Die App kann inzwischen nicht nur von Menschen in Deutschland installiert werden, sondern ist auch in allen 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie in Großbritannien und Norwegen erhältlich. Dieses Angebot richtet sich unter anderem an Touristen und Geschäftsreisende, die Deutschland besuchen.

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