IT ist überall

Die Klinik 4.0 kommt

Kaufmännische und medizinische Führungskräfte deutscher Krankenhäuser geben sich der digitalen Zukunft gegenüber aufgeschlossen. Nur wenige verfügen aber auch schon über eine umfassende IT-Strategie.

Von Christoph WinnatChristoph Winnat Veröffentlicht:
Patientenüberwachung per App? Auch das wird irgendwann zur Normalität gehören.

Patientenüberwachung per App? Auch das wird irgendwann zur Normalität gehören.

© monkeybusinessimages / iStock.co

HANNOVER. Die Digitalisierung der Arbeitswelt schreitet voran - auch im stationären Versorgungssektor. Auf dem Weg zur "Medizin 4.0" im Krankenhaus scheinen Klinikgeschäftsführer und Ärzteschaft an einem Strang zu ziehen.

Das legt zumindest eine aktuelle Umfrage unter 300 Klinik-Führungskräften der Unternehmensberatung Rochus Mummert nahe. Demnach gab rund die Hälfte der Befragten an, dass das Thema Digitalisierung in ihrem Haus Sache der Geschäftsführung sei.

Ein Viertel (27 Prozent) gab zu Protokoll, dass auch Ärzteschaft und medizinische Leitung IT-Projekte wie beispielsweise elektronische Patientenakten, digitale Bettenplanung oder die Vernetzung mit externen Kooperationspartnern einforderten oder voranbrächten.

Dabei ist "Krankenhaus 4.0" für die Befragten auf allen Ebenen denkbar: In der Administration, bei der Pflege aber auch in der unmittelbar medizinischen Versorgung, etwa durch Roboter-Einsatz.

Anspruch und Wirklichkeit

Allerdings klafft - wie so oft zwischen Anspruch und Wirklichkeit - auch in den Kliniken noch eine erhebliche Lücke. So hätten erst rund 25 Prozent aller Kliniken "eine umfassende Strategie, wie sie den Herausforderungen der digitalen Transformation in der Gesundheitswirtschaft begegnen wollen", schreiben die Berater von Rochus Mummert.

Weitere 46 Prozent hätten zumindest schon telemedizinische Einzelprojekte realisiert.

Erwartungsgemäß wirkt sich die fortschreitende Digitalisierung auch auf Jobprofile in Kliniken aus: Für jede vierte medizinische und nahezu jede zweite kaufmännische Führungskraft werden Kenntnisse zum Thema Digitalisierung künftig Pflicht sein", heißt es.

Doch auch an den niederen Rängen wird "Medizin 4.0" nicht spurlos vorüberziehen.

Angst und leere Kassen

So äußerten immerhin 22 Prozent der befragten Führungskräfte die Erwartung, dass "Digitalisierungswissen" künftig auch zu den Einstellungskriterien für Klinik-Mitarbeiter zählt.

"Medizin 4.0" bringt aber nach Erwartung ebenso vieler Chefs den Mitarbeitern auch einen Autonomiegewinn im beruflichen Alltag. Knapp die Hälfte der Befragten rechnet damit, dass Weiterbildungen in Sachen "Medizin 4.0" für alle Beschäftigten in Krankenhäusern verpflichtend wird.

Die Zustimmung zur digitalen Transformation fiel unter den Befragten hoch aus: Zwei Drittel (67 Prozent) sagten, "unbedingt stärker in einem digitalisierten Arbeitsumfeld" tätig sein zu wollen. Und knapp ein Viertel (27 Prozent) bejaht die Frage, wünschen sich jedoch "Veränderungen nur in kleinen Schritten".

Als größte Hindernisse der Digitalisierung identifizierten die Befragten fehlende finanzielle Mittel (65 Prozent), Angst vor Veränderung (41 Prozent) und mangelnde Unterstützung durch Kostenträger und Politik (38 Prozent).

Für die Studie hat Rochus Mummert von Anfang August bis Anfang September dieses Jahres 310 Führungskräfte deutscher Kliniken per E-Mail befragt.

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