Aktinische Keratose

Die Wortwahl des Arztes ist entscheidend für die Therapie

Betonen Ärzte bei einer aktinischen Keratose die Präkanzerose, überzeugen sie fast alle Patienten von einer Behandlung. Erläutern sie hingegen, dass die Läsionen nur äußerst selten entarten, will nur die Hälfte eine Therapie.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Krebsvorstufe oder nicht? Ein Hautarzt untersucht in seiner Praxis in Buchloe (Schwaben) die Haut einer Patientin.

Krebsvorstufe oder nicht? Ein Hautarzt untersucht in seiner Praxis in Buchloe (Schwaben) die Haut einer Patientin.

© Karl-Josef Hildenbrand / DPA/ picture-alliance

HERSHEY/USA. Die Art und Weise, wie Ärzte mit ihren Patienten kommunizieren, trägt viel zur Therapieentscheidung bei. Der Arzt als Experte hat es dabei weitgehend in der Hand, die Patienten mit seinen Argumenten für oder gegen eine Behandlung zu überzeugen. Das ist in der Dermatologie nicht anders als in anderen Bereichen der Medizin. So willigen Patienten am ehesten in eine Therapie bei aktinischer Keratose ein, wenn der Arzt diese als Krebsvorstufen darstellt. Betont er hingegen, dass die Läsionen weitgehend harmlos sind, ist der Anteil der Therapiebegeisterten deutlich geringer.

Verwirren Prozentwerte?

Zu dieser Erkenntnis gelangte ein Team um die Medizinstudentin Katherine Berry vom State College of Medicine in Hershey. Die Forscher hatten 228 Patienten einer dermatologischen Klinik sowie 311 Teilnehmern einer Online-Umfrage fünf verschiedene Statements zur aktinischen Keratose vorgelegt (Berry K et al. Influence of Information Framing on Patient Decisions to Treat Actinic Keratosis. JAMA Dermatol 2017; online 18. Jan. 2017). Bei jedem sollten die Teilnehmer entscheiden, ob sie einer Therapie zustimmen würden. Sie lauteten:

  1. Aktinische Keratosen sind durch Sonnenstrahlung verursachte Hautflecken. Etwa 0,5 Prozent der aktinischen Keratosen entwickeln sich in lebensbedrohlichen Hautkrebs, 25 Prozent verschwinden wieder von selbst.
  2. Aktinische Keratosen sind durch Sonnenstrahlung verursachte Hautflecken. Etwa 0,5 Prozent der aktinischen Keratosen entwickeln sich in lebensbedrohlichen Hautkrebs, 75 Prozent verändern sich nicht.
  3. Aktinische Keratosen sind durch Sonnenstrahlung verursachte Hautflecken. Etwa 99,5 Prozent der aktinischen Keratosen entwickeln keinen Hautkrebs und 25 Prozent verschwinden von selbst.
  4. Aktinische Keratosen sind durch Sonnenstrahlung verursachte Hautflecken. Etwa 99,5 Prozent der aktinischen Keratosen entwickeln keinen Hautkrebs und 75 Prozent verändern sich nicht.
  5. Aktinische Keratosen sind Krebsvorstufen.

Wie zu erwarten, würden sich fast alle Teilnehmer (92 Prozent) für eine Therapie entscheiden, wenn sie im Statement 5 nur erfahren, dass es sich bei den Läsionen um Krebsvorstufen handelt, aber nicht, dass eine ernsthafte Krebserkrankung daraus nur höchst selten entsteht. Am geringsten war die Zustimmung beim dritten Statement mit 58 Prozent, wenn den Teilnehmern erläutert wurde, dass die allermeisten aktinischen Keratosen keine gefährlichen Tumoren bilden und ein Viertel wieder von selbst verschwindet.

Worte sorgfältig wählen

Für Berry und Mitarbeiter erläutert das Beispiel, wie wichtig die Wortwahl der Ärzte und eine fundierte Diskussion über tatsächliche Risiken für die Therapieentscheidung sind. Letztlich beeinflusst der Arzt durch seine Kommunikation bewusst oder unbewusst die Therapieakzeptanz. Darüber hinaus dürften die Ergebnisse der Umfrage für die dermatologische Praxis wenig relevant sein, da die allermeisten Teilnehmer nicht vor einer Therapieentscheidung standen. Zudem wurden allen Teilnehmern alle fünf Statements vorgelegt. Die ersten Statements haben jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit die Resultate für die folgenden beeinflusst.

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