Interview

"E-Zigaretten sind gesundheitlich bedenklich"

Krebsforscherin Dr. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum mahnt, die Gefahren des "Dampfens" nicht zu unterschätzen.

Veröffentlicht:

HEIDELBERG/LEIPZIG. E-Zigaretten sind heftig umstritten. Vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ging es am Donnerstag um die Frage, ob die nikotinhaltigen Flüssigkeiten darin zulassungspflichtige Arzneimittel oder freiverkäufliche Genussmittel sind.

Im Interview warnt Krebsforscherin Dr. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum, die Gefahren der E-Zigaretten nicht zu unterschätzen.

Welche Erkenntnisse über den Konsum von E-Zigaretten gibt es?

Dr. Martina Pötschke-Langer: E-Zigaretten sind gesundheitlich bedenklich und zwar vor allem für Kinder und Jugendliche und für Nichtraucher. Die Hauptbestandteile sind Propylenglycol, das ist im Prinzip ein Erdölprodukt, Aromastoffe und Nikotin.

Zur Person

Dr. Martina Pötschke-Langer leitet die Stabsstelle Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg.

Die Hersteller von Propylenglycol warnen selbst auf ihren Sicherheitsblättern davor, die Dämpfe einzuatmen, die beim Erhitzen des Produkts entstehen.

Was bedeutet das für die gesundheitlichen Auswirkungen von E-Zigaretten?

Der Propylenglycol-Nebel löst Atemwegsirritationen aus. Es ist bekannt, dass etwa Menschen, die in der Unterhaltungsbranche regelmäßig Theaternebel ausgesetzt sind, vermehrt an akuten und chronischen Atemwegserkrankungen leiden - Propylenglycol ist nicht harmlos.

Und ausgerechnet dieser Stoff wird in den E-Zigaretten erhitzt. Das ganze Chemikaliengemisch atmen die Konsumenten ein.

Ist es denn aber nicht zumindest weniger schädlich als Tabakzigaretten zu rauchen?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt: E-Zigaretten sind lediglich im Vergleich mit Tabakzigaretten weniger schädlich. Ein vollständiger Umstieg zum Rauchen von E-Zigaretten könnte wahrscheinlich das Gesundheitsrisiko der Raucher senken.

Aber dazu haben wir bislang keinerlei Daten vorliegen, denn diese Produkte sind zu kurz im Verkehr, um die Langzeitfolgen abzuschätzen. Das Nikotin in der E-Zigarette darf aber nicht verharmlost werden.

Es macht abhängig, ist ein Zellgift und fördert das Wachstum bestehender Tumorzellen. Es steht auch im Verdacht, sogar Krebs zu erzeugen.

In einem aktuellen Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig geht es darum, ob E-Zigaretten zulassungspflichtige Medikamente sind. Wie sehen Sie das?

Der Gerichtsprozess ist erstaunlich, da Hersteller und Vertriebsleute von E-Zigaretten mit ihrer Werbung den Eindruck erweckt haben, dass die Produkte Eigenschaften eines Arzneimittels haben.

Es wird geworben mit Dingen wie "Ermöglichung des Entzugs". Auch auf deren Webseiten sieht es so aus, als sei die E-Zigarette ein probates Mittel, um vom Tabakkonsum wegzukommen.

Gibt es Erkenntnisse, wer E-Zigaretten raucht?

Es sind hauptsächlich Raucher, die aufhören wollen mit dem Rauchen. Die meisten, die E-Zigaretten ausprobiert haben, sind allerdings Raucher geblieben.

Nur 0,4 Prozent der Deutschen sind Dauerkonsumenten von E-Zigaretten. Im Moment gibt es hierzulande erst wenige Kinder und Jugendliche, die E-Zigaretten rauchen.

Das Interview führte Christine Cornelius (dpa)

Lesen Sie dazu auch: Gericht hat entschieden: E-Zigaretten sind keine Arzneimittel

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