Von Studenten entwickelt

Ein T-Shirt gegen Rückenschmerzen

Vier Berliner Studenten entwickeln mithilfe der AOK ein intelligentes Kleidungsstück: Ein T-Shirt gegen haltungsbedingte Rückenschmerzen. Damit wollen sie den Gesundheitsmarkt erobern.

Julia FrischVon Julia Frisch Veröffentlicht:
Das T-Shirt der Studenten fand Anklang bei der AOK Nordost. Von links nach rechts: Sebastian Selmke, Nico Schwartze von der AOK Nordost, Alexa Danelski, Fabian Rappert und Physiotherapeutin Natascha Steinmann

Das T-Shirt der Studenten fand Anklang bei der AOK Nordost. Von links nach rechts: Sebastian Selmke, Nico Schwartze von der AOK Nordost, Alexa Danelski, Fabian Rappert und Physiotherapeutin Natascha Steinmann

© Julia Frisch

BERLIN. Vor zwei Jahren begannen die Wirtschaftsinformatik-Studenten Alexa Danelski, Stefan Roksch, Fabian Rappert und Sebastian Selmke, an ihrer Erfindung zu arbeiten: einem intelligenten Kleidungsstück.

Geboren wurde die Idee im ersten Semester an der Freien Universität (FU) bei einem IT-Entrepreneurship-Kurs.

"Da mussten wir Ideen entwickeln. Da wir alle sportbegeistert sind, wollten wir ein T-Shirt, das unsere eigenen Bewegungen aufzeichnen kann. So kann man sehen, ob man Sport-Übungen korrekt ausführt", erzählt Fabian Rappert.

Der Gedanke wurde weitergesponnen, schließlich stand für die Studenten fest, dass sich ihr intelligentes Oberteil auch gut für den Gesundheitsmarkt eignen würde – zum Beispiel, um haltungsbedingte Rückenschmerzen zu beseitigen.

Die Idee überzeugte ihren Professor an der FU, Martin Gersch. Um den jungen Leuten zu helfen, knüpfte er Kontakt zur AOK Nordost, die den Studenten zur Seite sprang.

Von Physiotherapeutin gelernt

Nicht mit der Technik einer kompletten Entwicklungsabteilung, sondern mit Wissen: Zum einen half Physiotherapeutin Natascha Steinmann den Studenten zu lernen, welche körperlichen Bewegungen bei der Entwicklung des T-Shirts unbedingt berücksichtigt werden müssen.

Zum anderen vermittelte die AOK dem Quartett alles über den Gesundheitsmarkt, über seine Strukturen und Akteure sowie über Produktentwicklung.

"Wir lernen von ihnen, und sie lernen von uns", sagt Nico Schwartze, Leiter der AOK-Stabsstelle Digitales Innovationsmanagement. Die (Insider-)Kenntnisse wissen die FU-Studenten zu schätzen.

"Das T-Shirt hätten wir nicht allein entwickeln können", sagt Fabian Rappert. Als Wirtschaftsinformatiker hätten sie von "medizinischen Sachen" naturgemäß keine Ahnung. Dazu sei der Gesundheitsmarkt so komplex, "ohne einen Mentor oder Partner, der sich auskennt, kommt man da nicht rein", so Sebastian Selmke.

Die rosarote Brille haben die Studenten längst abgesetzt und festgestellt, dass der Gesundheitsmarkt altmodisch und deshalb nicht gerade innovationsfreundlich ist.

"Einen langen Atem werdet ihr benötigen", wurde ihnen immer wieder prophezeit. Den wollen die vier beweisen – schon deshalb, weil sich eine Masterarbeit damit befasst, wie man in den Gesundheitsmarkt hineinkommt.

Stundenlanges Löten in der Garage

Etliche Stunden haben die jungen Erfinder in der heimischen Garage gelötet. Der Prototyp des T-Shirts ist fertig und funktioniert.

Jetzt geht es an die Feinarbeit: Fünf Sensoren sind auf dem Hemd aufgeklebt, in Zukunft sollen sie in das Shirt eingearbeitet werden. Darüber hinaus muss das Shirt gewissermaßen so programmiert werden, dass es jedermann passt.

Wegen des Algorithmus sei es momentan schwierig, das Stück auf andere Personen mit anderen Körperproportionen zu übertragen, erzählt Fabian Rappert. "Um das zu ändern, brauchen wir noch viel Geld." Geplant ist zudem eine App.

Rund 10.000 Euro haben die Start-up-Gründer bisher in ihr Projekt aus eigener Tasche gesteckt. Im nächsten Jahr können sie auf eine Finanzierung durch das Bundeswirtschaftsministerium zurückgreifen.

Dann wollen die Studenten die Entwicklung ihres T-Shirts weiter forcieren und vor allem bessere Sensoren kaufen. Selbstredend wird dann auch an einer potenziellen Anschlussfinanzierung gearbeitet.

Gespräche mit der Charité

Nicht nur bei der AOK Nordost ist das Shirt auf Interesse gestoßen. Auch die Charité ist auf die Erfindung aufmerksam geworden. Denn mit ihm könnten beispielsweise bei Alzheimer-Patienten Bewegungsanalysen durchgeführt werden, die Aufschluss über den Behandlungsverlauf geben.

Erste Gespräche mit der Universitätsklinik laufen bereits, berichtet Rappert. Für die vier Studenten aus Berlin wäre eine solche Zusammenarbeit ein weiterer Schritt auf dem langen Weg zum ersten Gesundheitsmarkt.

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