Qualitätsmessung

Erfassung dämpft AQUIK-Erfolg

Der Weg zu einem Pay for Performance in der ambulanten Medizin ist weit. Das zeigen die Ergebnisse des ersten Praxistests der Qualitätsindikatoren der KBV im Medizinischen Qualitätsnetz Kinzigtal. Problematisch ist offenbar die Erfassung.

Hauke GerlofVon Hauke Gerlof Veröffentlicht:

BERLIN. "AQUIK®-Qualitätsindikatoren bestehen Praxistest" - das hat am Montag die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gemeldet. Hintergrund ist der erste Projektbericht aus dem Pilottest für die AQUIK-Indikatoren in der Integrierten Versorgung Gesundes Kinzigtal.

Das Projekt hatte vor vier Jahren begonnen und sollte ausgewählte Indikatoren auf ihre Praxistauglichkeit prüfen, Referenzwerte für zukünftige Auswertungen generieren und Anhaltspunkte für die zukünftige technische Implementierung von Indikatoren-Systemen liefern.

Projektpartner sind die KBV, die Netzmanagement-Gesellschaft OptiMedis AG, die Gesundes Kinzigtal GmbH und das Medizinische Qualitätsnetz Ärzteinitiative Kinzigtal e.V.

AQUIK® steht für Ambulante Qualitätsindikatoren und Kennzahlen. Die Idee ist, dass Ärzte die Behandlungsqualität anhand standardisierter Indikatoren zu den einzelnen Indikationen nachweisen könnten und dann entsprechend der erreichten Qualität bezahlt werden könnten.

Es geht beispielsweise um den Anteil von Patienten mit Hypertonie, deren Blutdruck innerhalb von sechs Monaten mindestens einmal kontrolliert worden ist. Oder der Anteil der Patienten mit Hypertonie, deren Blutdruck durch die Therapie in den normotonen Bereich zurückgeführt worden ist.

Ausgewählte Indikatoren beispielsweise zu Herzinsuffizienz, arterieller Hypertonie oder rheumatoider Arthritis seien im Gesunden Kinzigtal auf ihre Praxistauglichkeit geprüft worden.

"Wir konnten erstmals die von uns entwickelten Prozess- und Ergebnisindikatoren anhand der Daten aus den Praxisverwaltungssystemen erfolgreich überprüfen", bilanziert Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV.

Im Rahmen des Projekts sei eine interoperable IT-Infrastruktur zur vereinfachten Datenerhebung aus Praxisverwaltungssystemen (PVS) entwickelt worden, die keinen zusätzlichen Dokumentationsaufwand für die Ärzte bedeutete.

Medizinische Daten konnten so generiert werden, dass die AQUIK®-Indikatoren berechnet, ausgewertet und dokumentiert werden konnten, heißt es in der Pressemitteilung der KBV.

Investitionen nötig

Allerdings erschweren nach Ansicht der Projektpartner die Vielfalt der PVS und die fehlende Standardisierung der Speicherung medizinischer Daten eine generalisierte und valide Erhebung und Auswertung von Qualitätsindikatoren in der vertragsärztlichen Versorgung.

"Die IT-Hersteller könnten mit einheitlichen Dokumentationsstandards in ihren Praxisverwaltungssystemen sowie der Öffnung ihrer Schnittstellen dazu beitragen, den Prozess der Qualitätsmessung im ambulanten Sektor zu beschleunigen", erklärt Christian Melle, zuständiger Projektleiter von Gesundes Kinzigtal.

"Die Mehrheit der teilnehmenden Ärzte empfand den Einsatz von Qualitätsindikatoren im Praxisalltag als positiv", resümiert Martin Wetzel, Allgemeinmediziner aus Hornberg und Vorsitzender des Medizinischen Qualitätsnetzes Ärzteinitiative Kinzigtal.

Die Qualitätsindikatoren dienten den Ärzten zur Verbesserung der Versorgungsqualität sowie zum internen Vergleich untereinander. Gefordert wurden von den Teilnehmern am Pilottest leicht verständliche Qualitätsindikatoren mit hoher Aussagekraft sowie wenig Dokumentationsaufwand.

"Um die Versorgungsqualität eines Netzes zu verbessern, bedarf es aber auch eines offenen Austausches und Umgangs unter den Ärzten", erläutert Wetzel.

Der Pilottest in Gesundes Kinzigtal habe aber auch deutlich gemacht, dass der Weg hin zu einer validen und automatisierten Erhebung, Auswertung und Anwendung von Qualitätsindikatoren für die ambulante Versorgung deutlich länger ist als angenommen. Dies gilt in besonderem Maße für alle Überlegungen in Richtung Pay for Performance.

"Damit Ärztenetze die technische Infrastruktur zur Messung von Qualitätsindikatoren aufbauen, sollte ein Investment getätigt werden, beispielsweise im Rahmen der Förderung von Praxisnetzen", erörtert Helmut Hildebrandt, Vorstand der OptiMedis AG und Geschäftsführer Gesundes Kinzigtal.

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