Dopingprozess

Erfurter Hausarzt drohen wegen Blutdopings mehr als fünf Jahre Haft

Gemeinsam mit vier Helfern soll ein Arzt aus Thüringen Winter- und Radsportler mit Blutdoping versorgt haben. Das Urteil im Prozess vor dem Landgericht München wird für Freitag erwartet.

Von Christoph FuhrChristoph Fuhr Veröffentlicht:
Der Angeklagte (M.) vor dem Prozess am Münchener Landgericht.

Der Angeklagte (M.) vor dem Prozess am Münchener Landgericht.

© Peter Kneffel / dpa / picture alliance

München. Mark S. (42) hat ehrgeizige Ziele: Der Hauptangeklagte im spektakulären Prozess um Blutdoping vor dem Landgericht München II will in Zukunft wieder seine Hausarztpraxis in Erfurt betreiben und sich verstärkt im Anti-Doping-Kampf engagieren.

Wie realistisch diese Pläne sind, steht allerdings in den Sternen. Zusammen mit vier Helfern soll Mark S. über mehrere Jahre Winter- und Radsportlern mit Blutdoping geholfen haben, ihre Leistung zu steigern. Alle Angeklagten haben gestanden, am Freitag soll das Urteil fallen.

Die Staatsanwaltschaft fordert wegen verbotenen Blutdopings und Körperverletzung fünf Jahre und sechs Monate Haft sowie fünf Jahre Berufsverbot. Die Verteidigung will die sofortige Freilassung und plädiert für eine Strafe von insgesamt weniger als drei Jahren. Dann könnte der Arzt auch schnell das Gefängnis verlassen. Zwei Drittel der Strafe hätte er durch die Untersuchungshaft bereits abgesessen.

Der Rest wäre nach Auffassung der Verteidigung auf Bewährung auszusetzen. Die Verteidigung sprach sich vehement gegen das angedrohte Berufsverbot aus: „Es kam zu keiner Zeit zu einem Verstoß gegen die ärztlichen Grundsätze“, hieß es in der Verhandlung. Dem Angeklagten sei es immer um das Wohl der Patienten gegangen.

Ärztekammer wartet Prozess ab

Mark S., Hausarzt mit Zusatzbezeichnung Sportmedizin, ließ in seiner Schlusserklärung keinen Zweifel, wo er seine Zukunft sieht. Viele Hundert Patienten in seiner Erfurter Praxis, die auch in einem Wohnviertel liege, vermissten ihn, bedauerte er: „Ich hoffe, dass ich irgendwann wieder zurückkommen kann. Die Landesärztekammer Thüringen hatte im vergangenen Jahr erklärt, sie warte erst den Ausgang des Strafprozesses ab, bevor sie eine Entscheidung über den Entzug der Zulassung für den Erfurter Arzt treffe.

Kurz vor Weihnachten hatte Mark S. im Prozess für Verblüffung gesorgt. Er wolle die Fronten wechseln und biete sein Wissen als Insider an, um künftige Betrüger zu schnappen oder präventiv gegen Doping im Sport zu arbeiten, sagte der Arzt. Er wisse, was Sportler zum Doping treibe und wo man präventiv schauen müsse, „dass sie nicht falsch abbiegen“. Ob die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA für diese Pläne grünes Licht gibt, scheint fraglich.

Urteil mit Auswirkungen auf den Weltsport

Zu Athleten und Trainern dürfe er keinen Kontakt mehr haben, räumte der 42-Jährige ein. „Das Urteil dürfte Auswirkungen auf den gesamten Weltsport haben“, vermutet Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds. Er fordert für alle Angeklagten eine harte Strafe. Darauf setzen auch Vertreter des Sportlerbündnisses „Athleten Deutschland“, ein Verein, der sich laut Satzung für fairen und sauberen Sport frei von Manipulationen engagiert.

Mark S. stellte in seiner Schlusserklärung klar, wie sehr er seine Taten bereue. „Den Brandherd habe ich gesetzt“, sagte er. Es tue ihm „unendlich leid“, dass er die anderen vier Angeklagten „da mit reingezogen habe und dass es so weit gekommen ist“. (mit dpa)

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