Recht

Ermittlungen gegen Jacques Servier

PARIS (dpa/eb). Im Fall um das Anorektikum Benfluorex (Mediator®) ist ein Anklageverfahren gegen den 89 Jahre alten Unternehmensgründer des Herstellers Servier eingeleitet worden.

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Jacques Servier werden nach Angaben seines Anwalts vom Mittwochabend unter anderem Gefährdung von Menschenleben, Betrug und Täuschung vorgeworfen.

Er kommt unter polizeiliche Aufsicht und soll insgesamt zehn Millionen Euro als Kaution und Garantie hinterlegen. Als Sicherheit für eine mögliche Haftung des Unternehmens wollen die zuständigen Pariser Untersuchungsrichter 65 Millionen Euro.

Auslöser der Ermittlungen ist unter anderem eine Studie der französischen Arzneimittelbehörde Afssaps. Die Agentur vermutet, dass die Schlankmacher allein in Frankreich den Tod von mindestens 500 Patienten verursacht haben.

Mindestens 3500 Patienten, die das Mittel eingenommen hatten, mussten im Krankenhaus behandelt werden. Das Präparat soll unter anderem Herzkreislaufprobleme hervorrufen.

Regierungsstudie mit schweren Vorwürfen

Der Hersteller bestritt die Ergebnisse der Studie. "Es handelt sich um Schlussfolgerungen auf Basis von Hochrechnungen", hieß es aus dem Unternehmen nach Bekanntwerden.

Öl ins Feuer gießt nun eine Regierungsstudie. Als der Unternehmenschef das Mittel vor rund 35 Jahren auf den Markt brachte, habe er versucht, "das neue Medikament als Mittel gegen Diabetes darzustellen, was es vielleicht ist, und nicht als Appetithemmer, was es sicher ist", heißt es dort.

Der Vorwurf: Jacques Servier habe schon vor 1976 von den gefährlichen Stoffen gewusst, die in Mediator enthalten sind. "Dass Anklage erhoben wurde, sagt noch gar nichts über die Verantwortung aus", betonte hingegen Servier-Anwalt Hervé Temime.

In Deutschland nie auf dem Markt

Der Lipidsenker war in Frankreich seit 1976 zugelassen. 1987 wurde die Zulassung zur Therapie der Hypertriglyzeridämie erweitert.

Im Jahr 1990 erhielt das Präparat dann die Zulassung zur Behandlung bei übergewichtigen Patienten mit Typ-2-Diabetes. In Deutschland war das Präparat nie auf dem Markt.

Schätzungen zufolge haben insgesamt etwa fünf Millionen Menschen das Mittel eingenommen. Mediator ist seit 2009 europaweit verboten. Vorausgegangen war eine Untersuchung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA.

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