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Beatmungsentwöhnung

Erster Qualitätsvertrag am Start

Betreuende Hausärzte sollen das Weaning-Potenzial ihrer Patienten in einer Fallkonferenz ausloten.

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MÜNCHEN/BAD LIPPSPRINGE. Die Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe und die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) haben den nach eigenen Angaben bundesweit ersten Qualitätsvertrag zur Beatmungsentwöhnung von langzeitbeatmeten Patienten geschlossen. Die Zahl derjenigen, die außerhalb von Kliniken beatmet werden, nehme in Deutschland rasant zu: Patienten mit chronischer respiratorischer Insuffizienz würden zu Hause beatmet. Studien belegten, dass etwa 60 Prozent dieser Menschen zumindest vorübergehend von der Beatmung entwöhnt werden könnten.

Ziel der Vertragspartner ist es laut SBK, das Potenzial einer Beatmungsentwöhnung der Patienten individuell, strukturiert zu erheben und ihnen eine spezialisierte Versorgung in einem Weaning-Zentrum als Fachklinik zu ermöglichen.

„Erfolgreiches Weaning bedeutet für die Betroffenen ein erhebliches Mehr an Lebensqualität. Sie sind nicht mehr 24 Stunden täglich auf ein Beatmungsgerät angewiesen“, verdeutlichte Martin Spegel, bei der SBK Leiter Stationäre Versorgung. Seine Kasse habe etwa 200 Patienten, die von diesem Vertrag profitieren könnten, bundesweit seien es Expertenschätzungen zufolge bis zu 20.000 Patienten, die außerklinisch beatmet werden und für die Weaning eine Option sein könne.

Hausärzte integriert

In dem neuen Konzept, das sich am Versorgungsalltag der Patienten orientiere, seien auch die betreuenden Hausärzte integriert, heißt es. Der Vertrag sehe vor, dass die Spezialisten des Weaning-Zentrums gemeinsam mit dem betreuenden Hausarzt ein mögliches Weaning-Potenzial im Rahmen einer Fallkonferenz ermitteln.

„In vielen Fällen werden Patienten invasiv außerklinisch beatmet, obwohl eine Entwöhnung möglich wäre“, erläutert Dr. Erik-Christian Ernst, Leiter des Beatmungszentrums in der Karl-Hansen-Klinik. „Das belegen auch unsere Zahlen: 76 Prozent der Patienten verlassen das Weaning-Zentrum ohne maschinelle Beatmung – dafür mit einem deutlichen Zugewinn an Lebensqualität“, ergänzt er. Mit über 40 Beatmungsplätzen und einem hohen Personalausbildungsstandard erfülle die Karl-Hansen-Klinik die im Qualitätsvertrag geforderten Kriterien.

„Wir haben den Vertrag maximal einfach gestaltet, sodass andere zertifizierte Weaning-Fachkliniken und Krankenkassen ohne große Hürden beitreten können“, betont SBK-Mann Spegel. Sein Ziel sei ein Wettbewerb um die beste Versorgung für die betroffenen Patienten, nicht um den besten Vertrag für die Krankenkassen.

Ab Januar werden die SBK und die Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe den Vertrag in mehreren Veranstaltungen den Fachkreisen ausführlich vorstellen, heißt es. (maw)

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