Zweigpraxen von MVZ

FDP kritisiert unklare Trägerschaft

Veröffentlicht: 25.09.2019, 16:00 Uhr

HAMBURG. Was wissen Patienten über die Trägerschaft einer Praxis, die sie aufsuchen? Die FDP- Bürgerschaftsfraktion in Hamburg will erreichen, dass hierzu Transparenz herrscht. Sie vermutet, dass Patienten oft nicht wissen, dass Klinik-MVZ Träger der Praxis sind, in der sie sich behandeln lassen. Die Hamburger Bürgerschaft beschäftigt sich am Mittwoch auf Antrag der Freien Demokraten mit dem Thema.

Hintergrund des FDP-Antrags ist der Aufkauf von Praxissitzen durch Krankenhausträger. Oft bleiben die vormals niedergelassenen Ärzte nach dem Verkauf an ein Klinik-MVZ als angestellte Ärzte in ihrer Praxis. Nach Beobachtung der FDP-Abgeordneten steht am Praxiseingang auch nach dem Eigentümerwechsel häufig noch der Name des vormals niedergelassenen Arztes, zugleich fehlen aber Hinweise auf den Konzern, in dessen Besitz sich die Praxis inzwischen tatsächlich befindet.

Klinikkonzern zieht die Fäden?

„Damit wird dem Patienten eine wichtige Information vorenthalten“, heißt es im Antrag der Fraktion an den rot-grünen Hamburger Senat. Dem Patienten sei nicht bewusst, „dass er nicht nur vom Arzt seines Vertrauens für eine Operation in ein bestimmtes Krankenhaus eingewiesen wird, sondern auch von einem Angestellten eben dieses Krankenhauskonzerns, der im Rahmen seines Angestelltenverhältnisses auch den Unternehmenszielen verpflichtet ist.“

Nach Ansicht der Oppositionsfraktion muss ein Patient aber in die Lage versetzt werden, ohne tiefere Recherchen Kenntnis davon zu erlangen, „bei wem er Kunde ist“. Die FDP-Fraktion fordert deshalb vom Hamburger Senat, Kliniken und Krankenhausträger in der Hansestadt zu einer Selbstverpflichtung zu bewegen, damit diese MVZ und Praxen in ihrem Besitz transparent ausweisen und außerdem dafür Sorge tragen, dass eine entsprechende Kennzeichnung schon beim Eintritt in die Praxis für Patienten sichtbar ist.

Bundesratsinitiative gefordert

Außerdem soll der Senat gesetzliche Möglichkeiten prüfen, nicht kooperierende Krankenhäuser zu der gewünschten Transparenz zu zwingen. Angestrebt wird auch eine Bundesratsinitiative, die eine bundeseinheitliche Regelung zur Transparenzpflicht erreicht.

Medizinische Versorgungszentren können seit 2004 an der kassenärztlichen Versorgung teilnehmen. Klinikmanager wie Bernhard Ziegler vom Klinikum Itzehoe, der auch Vorsitzender des Interessenverbandes der kommunalen Krankenhäuser (IVKK) ist, gehen davon aus, dass Fachärzte in vielen Regionen mittelfristig nur noch an Kliniken angestellt sein werden. (di)

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